Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1873)
- Date
- 1873-02-18
- Page
- Seite 125 (sequence 11)
- Language
- German
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/ 125 rumänische Bevölkerung fortwährend durch einen bedeutenden Ueberschuß der Sterbefälle über die Geburten in der Abnahme begriffen ist, während bei den dortigen Juden die Zahl der (Geburten die der Sterbefälle nicht unbeträchtlich übersteigt. Was aus früheren Jahren hierüber mitgetheilt worden ist, bestätigt sich auch in der jüngsten Zeit. Tie „Rum. Post" theilt mit: „Ter Chefarzt der Hauptstadt veröffentlicht einen Ausweis über die Populationsbewcgung in der Stadt, im 1., II. und III. Trimester des Jahres 1872. Hiernach'wurden geboren 2.81",'und starben 52"7. Die Sterblichkeit, fährt der Bericht fort, ist bedeutend, denn während der drei Trimester deö Jahres 1872 wurden in.der Hauptstadt 281" geboren, und es starben 52" 7, d. h. es starben 1-187 mehr, als geboren wurden. Ta außerdem noch in den Jahren 1 SOS, 18ü!>, 187" und 1871 die Todesfälle zahlreicher als die Gebnrtsfälle, und nicht allein in der Hauptstadt, sondern in ganz Rumänien waren, so folgt hieraus der Schluß, daß die Bevölkerung, anstatt zu wachsen, in fortwährender Abnahme, zum Schaden der Nation und des FiseuS, begriffen ist. Welches mag wohl, fragt der Berichterstatter, der Grund eines derartigen paradoxen Zustandes fein, und wie kommt es, daß, während die christlichen Gemeinden eine so abnorme Sterblichkeit aufweisen, bei den Israeliten im Gegentheile ein Ueberschuß der Geburten über die Sterblichkeitsfälle sich zeigt? Der Eulmrgrad eines BolkcS, heißt es am Schluffe, und sein Eultuszustand, sind bedeutende Faetoren für den Stand der Bevölkerung." Man sieht, der rumänische Arzt und Statistiker ist dock genöthigl, der Wahrheit das Steuer zu geben. Tie Ursachen einer solchen Bevölkerungsabnahme können nur in der sittlichen Verkommenheit, welche auch der materiellen zu Grunde liegt, gesucht werden. Ter Verfall des Familienlebens, die gefchlechtliche Ausschweifung, die Trunksucht und die Trägheit, untergraben die körperliche Beschaffenheit, die Ernährung und Reinlichkeit des Körpers, die Wohnungsverhältnisse n. s. w. Von diesen Lastern siudet man in der jüdischen Masse viel geringere Spuren, und so erklärt sich hieraus das entgegengesetzte statistische Ergebnis;. Taß sich bei den Rumänen aus Tiefem nur noch ein Motiv des Kleides und Haffes mehr ihrer Feindseligkeit gegen die Juden zugesellt, wird nicht überraschen. Wie klug aber die rumänischen Staatsmänner sind, wenn sie dennoch die Vertreibung der Juten aus Rumänien verlangen, giebt sich von selbst; wann aber ist die Leidenschaft weise? Serbien. Belgrad, 25. Januar. 'Wie das Echo de l'Trieut mittheilt, haben die Alliance israeüte universelle und die Hritisli •lews Association an den Fürsten von Serbien bei Gelegenheit seiner Mündigkeitöerklärung Glückwunschschreiben gerichtet, durch welche sie zugleich die 'Abschaffung der, die serbischen Israeliten beschränkenden, Gesetze verlangen. Ter junge Fürst von Serbien ist in Frankreich durch den berühmten Professor der Philosophie Huer erzogen worden, und dies giebt uns einige Hoffnung, daß er die an ihn, zu (Gunsten der serbischen Israeliten, durch die beiden Adressen gerichtete Bitte günstig aufnehiuen wird. Die Adresse der Alliance lautet: ./Fürst, „Ihre ersten Worte sind Mi losch Tbrenovitsches würdig; indem man sie las, erinnerte sich Jedermann jener Worte eines Fürsten, dessen Andenken unsterblich ist: „Möge mau den Israeliten die Ehren ertheilen, die mau von ihnen verlangt, alle Serben sind gleim." „Sie werden diese feste und gerechte Politik fortsetzen, welche auch die ersten Jahre des Fürsten Michael bezeichnet haben. Wenn seit 18 12 die usurpatorifche Regierung die Israeliten zu Gunsten der Ehristen verfolgt hat, ohne daß sie trotzdem die Geseke zu veröffentlichen gewagt hätte, welche so den socialen Vertrag verlebten, so hat die Vertreibung der arage org, rmd die Rückkehr der geliebten Dynastie der Tbrenovitsch, Serbien die Unabhängigkeit, reu Israeliten die Sicherheit zurückgegeben. „Ans die Anforderungen und Intriguen, die sich im Jahre 18.V.» durch einen beklagenswenhen 'Antrag der Sknpfchtina zu zeigen wagten, antwortete ein Bi «losch durch 'ein Teeret, welches die Abschaffung aller Gesetze anbesahl, die der veilen 'Ausübung der, allen serbischen Unteribanen, ohne Unterschied der Rationalität und rer Religion, zukenunenden Rechte im.'Wege standen. „Wie erhielten bei dem Tode dieses ruhmvollen Fürsten, bei dem Regierungsantritte seines Sohnes, eie Feinde der Juden jenes traurige, von der Sknpfchlina des Jahres 18" 1 velirle Gesetz, welches das ganze Wert seines Vaters und seines (Großvaters umstürzte; welches den damals dvmieilirten unk Handel treibenden Juden die Möglichkeit nahm, das Tomieil zu ändern, und ihr Gewerbe anderswo, als an eben diesem Tomieile, auszuüben; welches Denjenigen unter ihnen, die bis dahin nur Tetailhandel betrieben Hallen, jede Errichtung einer Fabrik, und jeden Handel mit Nahrungsmitteln, untersagte; welches endlich erklärte, daß vom Jahre Isül au kein Israelit, selbst die Erben der damaligen israelitischen Unierthanen mit einbegrissen, auf dem tzande Handel treiben, oder sich aufhalieu dürfe. „Als im Jahre 18"2 eine Abordnung der Alliance israelite universelle bei dem Fürsten Michael in Paris vorgelasfen wurde, und von ihm die Rücknahme aller dieser, sein?and entehrenden, Maßregeln verlangte, empfing sie aus seinem Munde folgende Antwort, deren ferupules genaue Wiedergabe wir verbürgen: „Das ist eine Handels-, nicht eine Rcligionsversolgung. In Serbien kennt man diese Verfolgungen nicht. Tie Juten verkaufen billiger, .u,td bessere Waare; man verfolgt ihre 8*