Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1873)
- Date
- 1873-02-18
- Page
- Seite 124 (sequence 10)
- Language
- German
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124 Pest, 1. Svofaiütr. lPrivatmitth.l - Ich erlaube mir hiermit, für Ihr geschätztes Blatt einen Bericht über ein Factum zu übersenden, welches meines Erachtens für die eulluette Entwickelung der tnerslädtiscken Bevölkerung, sowohl sür Inden als Richlinden, von größter Tragweite sein dürfte. — Tie im ungarischen Schulgesetze von ISUS begründete Gleichberechtigung des israelitischen Religionsunterrichtes mit den übrigen Dieeiplincn ist seit Anfang vorigen Monates in allen hiesigen Bolksschnlen facrisch in's Leben getreten. Dieses für den Fortschritt sprechende Ereignist -denn als solches verdient es in den Annalen des Indenthnmes verzeichnet zu werden, hat sich hier ohne jede Ostentation folgender Weise vollzogen. Auf Anregung der Herren Prediger wurden zu Anfang dieses Schuljahres sechs Religionslehrer für die, die hiesige Simnltanschnle besuchenden, israelitischen .Minder vom Borstande der israelitischen Religionsgemeinde gewählt, und eine nid^t unbedeutende Summe in's Budget eingestellt, Rur fehlte es durch mehrere Wochen an passenden Leealitäten, bis endlich die sreuuelichc Znvorkontmenheit des buda-pester Schnlstuhles und aller Oberlehrer, selbst der evangelischen confessionellen Bolksschnlen, alle Hindernisse dadurch beseitigte, dast alle, Schnlstnhl und Lehrer, die nörhigen Lehrzimmer i n den städtischen Schulen, und passende Unterrichtsstunden zu benanntem Zwecke, mit größter Bereitwilligkeit zur Bersügung stellten. Die Freunde der wahren Enltur, welche die bisherige Zurücksetzung unseres Religionsunterrichtes kannten, und von der noch heutigen Subordination desselben selbst in dem gebildeten Deutschland Keumnist haben, werden gewiß von der Anerkennung der Parität, nicht blost der Religionsgeuessen, sondern auch der Religionen in der Schule, mit Freuden Rotiz nehmen, und dieselbe als guten Anfang zu der in Bälde vom ungarischen Reichstage zu erwartenden vollkommenen Religionsfreiheit betrachten. — Dast diese Eoordinirung sowohl aus die Binder, als auch auf deren Lehrer, jüdischer und christlicher Eonsessiou, von heilsamer Wirkung sein wird, ist einleuchtend, da sie das beste Mittel gegen verrottete Borurtheile, und gegen Bergisiung der zartesten Jugend mit dem Hauche res Rcligieushasses, und zugleich das collegialc Berhältnist zwischen Amlsbrüdern zu begründen und zu besesligen im Staude ist. Besonders verleihe: sie dem jüdischen Religiouslehrer eine gewisse moralische .Vrasl. Und in der Thar suhlte sich Schreiber dieser Zeilen gehoben, ja er fand gewissermasten eine Geuugrhuuug, als er vor einigen Tagen seine Schüler zu derselben Zeit mit der Bedeutung res brr—2bekannt machte, während welcher der katholische Geistliche seine Schüler im anstestenden Zimmer in der Glaubenslehre seiner Religion unterrichtete. M. Flesch, Hauptu. Realschullehrer an der pester israelitischen Gemeiureschule. Krakau, 3. Febr. iPrivatmitth.i Der hiesige Magistrat hat die Elententarschule, welche bis jetzt aus Kosten der Indengemeinde bestand, da die. alten Schulloealitäten ungenügend geworden waren, und die Einkünfte rer Gemeinte nicht ansreichien, tim neue Schulloealitäten zu mielhen, zu einer Hauptschule mit polnischer Unterrichtssprache mngcwandelt, welche auf Eomnumalkosten erhalten werden soll. Das Bedürsnist nach einer solchen Schule ist zwar bei rem gegenwärtigen Borherrschen der polnischen Sprache fühlbar geworden, aber anstatt dast man wegen der immer zunehmenden Zahl rer Kinder neue Schulloealitäten mielhen sollte, macht man aus derselben eine doppelte Schule. So wird ein Theil der Kinder von 8—10, fcer andere Theil von 10 -12 Uhr Vormittags, und ebenso Nachmittags wieder abwechselnd von 2-1 und von 1—(> Uhr unterrichtet. Bei solcher Einrichtung kann man sich leicht den übelen Zustand der Sä.ule vorftellen. Roch ein größeres Uebel ist, rast in dieser Schule, welche von israelitischen Kindern besucht wird, nur zwei Stunden wöchentlich aus der biblischen Geschichte, und zwei aus der Glaubens- und Pflichtenlehre unterrichtet wird: von hebräischem Unterrichte ist gar keine Rede. Dast die Erniangelung des hebräischen Unterrichtes in dieser Schule unheilbringend ist, beweist schon der Umstand, dast derjenige Theil der hiesigen Juden, denen die heilige Sprache als einziges Bermächtniß unserer einstigen politischen Stellung, als Trägerin der Osfenbarnng, der hohen Irccen der Propheten tind Lehrer Israels, noch heilig ist, zum hebräischen Privatunterrichte ihre Zuflucht nehmen. Aber dieser Privatunterricht eben ist der Krebsschaden, der unserem debräischeu Utlterrichte anhaftet; denn abgesehen davon, dast er in vielen Fällen von unwürdigen und des Hebräischen unkun-. digen Individuen crtheilt wird, wird noch mitunter gemeine Coneurrenz mit demselben getrieben; die Ehre des Lehrerstandcs wird untergraben, die besseren Gefühle der Kinder werden auf's Empsinolichste verletzt und geschädigt; und welche Resultate sich eudlich von einem Unterrichte erwarten lasten, für welchen ein Kitid im Lause eines Semesters zwei, mitunter auch drei Lehrer hat, wird sich Jeder, selbst der im Uuterrichtsfachc Uneingewcihete, selbst beantworten können. — Diesem kann nur dadurch abgeholfen werden, wenn der jüdische Verstand und die Rabbiner dahin wirken möchten, dast in der jütischen Schule der Religions-, resp. der hebräische Unterricht obligatorisch gemacht werde. Ich glaube, im Sinne aller Derjenigen, denen noch die religiöse Erziehung ihrer Kinder am Herzet! liegt. Unentbehrliches angeregt zu haben. Ferner bin ich überzeugt, dast die jüdischen Herren Lehrer, bei entsprechender Gehaltserhöhung, diese Pflicht gern übernehmen werden. 4. Al. Rumänien. Bukarest, 30. Januar. Wir haben schon wiederholt auf die ^statistischen Ergebnisse in Rumänien hingcwiesen, dast die