Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1873)
- Date
- 1873-02-18
- Page
- Seite 123 (sequence 9)
- Language
- German
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123 ihnen, gleich den christlichen Geistlichen, eine Zulage von hundert Gulden aus Staatsmitteln bewilligt werden ist. so wird voraussichtlich binnen Kurzem eine sie betreffende Angelegenheit wieder Gegenstand landständischer Verhandlung werten, nämlich die Pensionsberechtigung für sie und ihre Relielen. Denn obgleich bisher den dienstunfähig geworrenen israelitischen Geistlichen eine angemessene Pension, und den Witkwen ein freilich bescheidenes Gratial ans Mitteln der Eentrakkircheneasse gewährt worden ist, so wünschen die Rabbiner doch nunmehr, insbesondere mit Rücksicht auf das Princip der Gleichstellung mit ihren christlichen (lollegen, sich nicht mehr von den» gmen Willen der geistlichen Behörde abhängig, sondern ihre Ansprüche aus Pension durch ein Gesetz für alle Zeiten gesichert zu sehen. — Man glaubt übrigens. im Hinblicke aus den humanen und gerechten Sinn, der Stände und Negierung unseres Landes, namentlich . auch gegen die Diener des öffentlich anerkannten israelitischen Cultns, anszeichncr, an der Gewährung dieser Bitte nicht zweifeln zu dürfen. Lasten Sie mich bei dieser Gelegenheit noch eines Institutes Erwähnung thun. das Zeugniß ablcgt, wie sehr die königliche israelitische Oberkirchenbehörte sich die Förderung des wissenschaftlichen Lebens unter den Rabbinern angelegen sein läsit. Wir urcinen den vor etwa. einen! Jahre begründeten jüdischtheologischen Leseverein, dessen .Kosten ans den Mitteln der israelitischen Eentralkircheneaste bestritten werden. Der Bereut hält eine beträchtliche Anzahl wissenschaftlicher, insbesondere jüeischtheclogischer Zeitschriften, und acguirirt bessere Erscheinungen aus dem Gebiete der jüdischen Literatur, die er in gewisser Reihenfolge unter den Mitgliedern, zu denen auch ein Bicar und ein Rabbi natseandidat zählen, cirenliren läsit. Zu Leitern des BcreineS, der Portofreiheit genießt, sind von den Mitgliedern für das laufende Jahr die Herren Kirchenrath Ih-. von Maier und Rabbiner Isaak Freudenthal gewählt werten. — Ein früher an die geistliche Oberbehörde gerichteter Autrag ans Einrichlung regeluräsiiger Eonferenzen zur Belebung und Förderung der wissenschaftlichen Thätigleit unter den Rabbinern blieb leider bisher mit Rücksicht aus den nicht unerheblichen kostenpunet unberücksichtigt. Doch gidlck man die Hoffnung noch nicht aus, dasi auch diese Institution, die als ein unumgänglich nothwendiger Abschluß der, ans die Förderung des wissenschaftlichen Geistes gerichteten, Beranftaltungen erscheint, wenn auch nicht in nächster Zeit, in's Leben treten werde. Oestreichisch-unstarische Monarchie. Wien, 2. Febr. «Pnvatnnith.» >r:: iir.rcz cro? zu Deutsch: Tie Leute besllcheu die Börse, werten Gründer, bereichern sich, oder gehen pleite, besuchen Bälle und Theater, und lassen den lieben Gott für Inten und Iridsnthnrn sorgen. Auch die hiesigen Orthodoxen ruhen ans ihren Lorbeeren ans. Zwei der hiesigen politischen Journale „Morgenpost" und „Tageblatt" bringen jetzt öfters Artikel-über jüdische Zustände. Dieder „Morgenpost" zeugen von großer Sach- und Fachkeuntniß. Wie es heisit, soll der Berfasser den Berftandslrcifen nahe stehen. Das „Tageblatt", das „deinokrarische Organ", wie es sich nennt, plaidirt für die Orthodoxen, dasi es ihnen gestattet sei, sich von der Gemeinde zu trennen, und derselben keine Stenern zu bezahlen. Dieses Journal meint überhaupt, ein Enltnsverein dürfe lein Recht haben Steuern einznheben. Ich habe schon früher darauf hingewiesen, daß die Stenern, welche die hiesigen Orthodoxen zahlen, die Suppe nicht fett machen. Hier handelt es sich jedoch um ein Princip. . Und da wird man weht zugebcn müssen, daß einer Eultusgemeinde das stecht dazu eingeränml werden muß, Eultnssienern zu beheben. Bekannt ist die Anekdote, daß Jemand um eine milde Gabe ansprach, und seine Bitte mit den Worten begründete:!l sunt viviv. Doch der An gesprochene antwortete: .Jo neu vois j>:m la rn.res.sitd. Wenn man aus diesem Stankpnnetc steht, dann müsten allerdings die Enltnssicuern ansgehoben werden, doch ans diesem Stankpnncte stehen die Gesetze bei uns nicht. Das neue Spital soll im März seinem Zwecke übergt'ben werden. Die jährlichen Ausgaben für dasselbe sink mit .'»0,000 fl. präliminirt. Tie Gcsammteinnahmen der Gemeinde betragen jedoch 00,000 fl. ö. W. Prcßbllrg, 2. Febr. <Privatin.) Der Borstand der hiesigen riengebildeten Fortschrittsgemeinde fordert in einer, unter denl Titel ,/Werte des Friedens und der Wahrheit" veröffentlichten. Schrift die sogenannte orthodoxe Gemeinde zur Wiedervereinigung aus, und erklärt sich zu allen Eoneessionen bereit, so nur die Interessen res Fortschrittes gewahrt bleiben. Im Bewußtsein der eigenen Existenzberechtigung und erprobten Lebensfähigkeit wird in der Schrift das höhere religiöse und eivilisatorische 'Moment der Eintracht betont, für deren Erhaltung man zu allen Opfert, bereit sein nmsi. Dem entsprechend wird die Entfernung des nnbesngten Rabbiners Sckweiber als erste Bedingung ausgestellt, da derselbe einerseits weder von der Gemeinde, noch von deren legalen Bertreiern, zum Rabbinate berufen war, andererseits aber durch seine notorisch culturfeindlichen Berfügnngcn die Jünger der Talmudschule. gleich seinem Bater und Großvater, von jeder weltliche» Bildung abhält. Pest.!. Februar. (Privatim) Dem Director des hiesigen städtischen statistischen Bnrean's, Herrn Joseph Körösi, welcher, wie bereits in die'en Blättern gemeldet wurde, bei dein im vorigen Sommer in St. - Petersburg stattgehabtcn statistischen Eongresse als einer der Seeretäre und Berichterstatter fnngirte, wurde vom Kaiser von Rußland der St.-Anneuordcn dritter Elaste verliehen. — Herr Di*. M oritz K l e i n m a n n, Professor am hiesigen Gninnasialprosesterenseminar, wurde zum Schrisisührer res Lanresunlerrichtsrathes ernannt.