Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1873)
- Date
- 1873-02-18
- Page
- Seite 121 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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121 einander. So hat denn diese Charakteristik wehr einen geschichtlichen Werth, als das; sie die Gegenwart, und ihre Zustände beleuchtete. Der Verfasser war daher bei der Anführung zahlreicher Thatsachen vorzugsweise auf die Erscheinungen läugstver- Zangener Zeiten angewiesen, und konnte sich aus der Gegenwart höchstens auf die Wechabiten und die Juden berufen. Wenn daher Chwolson am Ende seiner Abhandlung sagt: „Unsere Cultur besteht glücklicher Weise auS einer Bereinigung der Enlturprvducte der Semiten mit denen der Arier" — so bleibt zwischen seiner scharfabgränzenden Charakteristik und diesem Satze eine weite Kluft, welche eben durch die geschichtliche Entwickelung und Verschmelzung überbrückr worden ist. Genau genommen, was ist von der semitischen Völkerfamilie übrig geblieben? Niemand weiter als die Araber und die Inden, jene gegenwärtig an den Gränzen der eigentlichen Cultur, diese glitten unter den Enlturvölkern zerstreut. So ist die uralte Weissagung 1 Mos. 27 in Erfüllung gegangen: „Weit mache es Gott rem Japheth, er wohne in den Zelten Schems." ^eilmig.Siiaeßucßleit. Deutschland. Bonn, io. Februar. Soeben erhalten wir durch ein Telegramm des Vorstandes der israelitischen Enltusgenieiude zu Leipzig die Traucrkunde, daß am 0. früh drei Uhr der Professor an der dortigen Universität Dr. Julius Fürst verschieden ist, und daß die Trauerseicr nur den Verewigten in der Synagoge Dinstag den l l. Nachmittags 2'ß Uhr stattsinden werde. Das Iudenthum hat abermals durch diesen Todesfall einen schweren Verlust erlitten. Es ist hier ein arbeitsames Geistesleben^ der Wissenschaft, insbesondere der hebräischen und chaldäischen Litcratllr und Sprache gewidmet, zu Ende gegangen. Die zahlreichen Schriften des Verewigten sind bekannt, und haben eine bedeutende Wirkung gehabt, die noch lange Zeit hindurch bestehen Wirt'. Wir werden bald eine ausführliche Lebensskizze geben. Dresden, 7. Februar. tPrivatinitlh.) In diesen Tagen sah die dresdener israelitische Gemeinde mit Bedauern ihren trefflichen Vorsteher, Herrn Advoeat E. Lehmann, aus der Mitte der Stadtverordneten scheiden, in welcher er viele Fahre als Mitglied, und in der letzten Zeit als Biccvorsteher, mit allgemeiner Anerkennung gewirkt, tuid durch seinen Einfluß manche, die Ehre des Iudenrhums und unserer Gemeinde fördernde, Beschlüsse erzielt hat. Er befand stch nämlich unter der Zahl der uuangescsseneu Stadtverordneten, und mußte nun, da er Mitbesitzer eines Hausgrundstückes geworden war, statutengemäß ausschcitcn. So schmerzlich uns aber sein Scheiden ans dem Eellegium ist, so erfreulich war uns andererseits das große Leb, welches unser verehrter Herr Bürgermeister Renbert seiueur Wirken zollte, zumal da seine Worte einen Wink zur nächsten Wiederwahl enthalten. Die öffentlichen Blätter referiren hierüber, wie folgt: Nachdem Herr Bürgermeister Neubert, 9iittcr :c. die neugewählten Stadtverordneten begrüßt und eingewiesen hat, äußert sich derselbe, wie folge: „„Doch des Lebens ungemischte Freude wird keinem Zr- „difchen zu Theil."" „Ties erfährt auch unsere Gemeinde; „denn in der Reihe ihrer, den älteren Elassen ungehörigen „Vertreter vermissen Sie einen Mann, gleich ausgezeichnet „durch Geist, Charakter und Wissen, wie durch wahrhaft „musterhafte Hingabe an die Pflichten eines Gemeindevertre- „ters, Advoeat Emil Lehmann. Derselbe hat in Folge seines, „dem Rat he vor wenig Tagen erst ossieiell uotisicirteir Eintrages als Mitbesitzer eines Hausgruudstückes, ans dem Eol- „legium anszuscheiden. Für sein hechverdienstliches Wirken „bleibt ihin die Gemeinde alle Zeit zum. lebhaftesten Danke „verpflichtet, und sie mag hoffen, daß das Vertrauen der „Bürgerschaft bei nächster Gelegenheit ihn wieder aufzusuchen . „und gewiß wieder zu finden wissen wird." Wahrlich, wessen gemeinnütziges Wirken solche Anerkennung hervorruft, der hat das Wort des Propheten erfüllt: Fördert das Gemeinwohl der' Stadt; denn in ihrem Wohle findet ihr das euere! und, fügen wir hinzu: Zn dem ehrenhasten Wirken für das Allgemeine fördert ihr die Ehre euerer Gemeinde! Ncidcnburg, Februar. (Privatnntth.) Zn der Eorre. spondeuz aus Prag in Rr.! ist die Rede von Herrn Dr. Bensey aus Berlin. Derselbe ist nicht Jude, sondern Mitglied der freireligiösen Gemeinde in Berlin, und soll bereits als Kind getauft worden sein. Als 'Apostat, und gleichzeitig als Gegner jeder positiven Religion, ist er ans seine früheren Glaubensgenossen nicht gut zu sprechen. So hat er vor wenigen Zähren bei einer öffentlichen Versammlung im Saale des Hand werkervereines;ti Berlin sich nicht enlblödet, der Regierung vorznwerfen, sie habe allezeit ras Zudenthmn. als Schoeßtind behandelt, und ressen Bekenner verhätschelt! — Dank rem Borstande der hiesigen Synagogengemeinde — von dem das eine Mitglied. Herr Z. Simson, als Stadtralh im Magistrate, die beiden anderen, die Herren Apotheker M. Bell manu und Kaufmann Ed. Heymann, in der Stadtverordnetenversammlung Sitz nur Stimme haben — sind die Eulmsbeamten der jüdischen Gemeinde, gleich ihren christlichen Eetlegen, von Eoumumalabgaben befreit. Für die Religionssti'ulc ist eine Classe in der Stadtschule eingeräumt, und für deren Utensilien wird Seitens des Magistrates in gleicher Weise gesorgt, wir für diese.