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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-02-18 · Heft 8 (18.2.1873) · p. Seite 119

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 8 (18.2.1873)
Date
1873-02-18
Page
Seite 119 (sequence 5)
Language
German
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119 den Herrn Abgeordneten Laster anSznsprcchen. (Sehr wahr! links.) Meine Herren! Wenn irgend Einer in diesem Hanse sitzt, der nicht Gegenstand einer derartigen Insinuation werden sollte, dann ist cs gerade der Herr Abgeordnete Laster «sehr wahr!), denn seit den sieben Jahren, daß ich die Ehre habe, hier mit ihm in diesem Hause zu sitzen, ist von Freund und Feind seine absolute Integrität, seine bewundernswerthe Uneigennützigkeit aus allen Gebieten stets srenndlickst anerkannt worden. (Bravo'.," Wahrlich, nicht aus Ruhmredigkeit heben wir dieses hervor. Allein erst aus dem Leitartikel der vorigen Nummer konnte man ersehen, wie eine perside (Gehässigkeit sich nui't scheut, aus die Abgeordneten jüdischer Religion einen Makel zu wersen, der freilich leider in anderen Preisen nicht zu den Seltenheiten gehört. Eduard Laster ist am 11. C et ober Is2'.l zu Iareezyn in der Provinz Posen geboren. Bis zu seinem dreizehnten Jahre wurde er im älterlicheu Hause erzogen, und besonders in der heiligen Schrift und dem Talmud unterrichtet. Veit dem vierzehnten Jahre trat er in Breslau in das Gymnasium, verliest cs ein Jahr später wieder, -um sich schneller privatim auszubilren, bestand 1 >17 die Abitnrietiprüsung, studirte in Breslau und'Wien Mathematik, und seit ISIS in Berlin Iura. Bald erwarb er sich durch eine Reihe wissenschastlicher Abhandlungen einen geachteten Namen. Er legte alle drei juristischen Staatsprüfungen zurück, lebte vier Jahre in England, und arbeitete dann am berliner Berichte als Referendar und Assessor. Lange stand er an, eine Wahl als Bolksvertreter anzunehmen, bis er sich entschloß, als Temme sein Mandat niederlegte, dessen Stelle einzunehmen, und wurde am 1 1. Mär; isur, vom vierten berliner Wahlbezirke in das Abgeordnetenhaus gewählt. Seine Thärigkeit daselbst, sowie im Reichstage, gehört der (beschichte des Baterlandes an. Möge es ichn vergönnt sein, sich neck' viele Berdienste um Staat und Gesellschaft zn erwerben: der wohlverdiente Lorbeer wird ihm nicht fehlen. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 2:>. Januar. Wir haben heute unseren Lesetn von zwei trefflichen Borträgen zu berichten, die, durch ihren Gegenstand interessant, auch in der Darstellung anziehend sind. „Die Psyche des Weibes. Bortrag, im Saale des akadentifchen Gymnasiums in Wien gehalten von I)r. A. I e l l i n e k. Wien, Alfred Helder 1 872." Tie Seele des Weibes in ihren nmerschicdlichen Merkmalen von der Seele des Mannes auszitsasseu, und in ihren Hauptzügen begrifflich zu erkennen und zu charakterisiren, haben die Denker der verschiedenen Zeilen versucht, und es konnte daher der Berfasser zur Einleitung seines Bortrages eine Menge mehr oder weniger zutressender Aussprüche aus allen Literaturen ansühren. In unserer Zeit hat dieser Gegenstand auch eine praktische Bedeutung, da die Bestrebungen, das weibliche Geschlecht dem männlichen in Rechten, Stellung, Ausbildung und Thätigkeit völlig gleichzustellen, sick' immer mehr verbreiten. Iellinek findet: „Ter Grundzng der weiblichen Psyche im Unterschiede von der männlichen ist eine vorwalteude Reeeptivität, oder die psnchische Anlage, die Erscheinungen der Außenwelt ans sich einwirken zu lassen, die gewonnenen Eindrücke lebhaft zu empfinden. sie rasch zu verarbeiten, die Persönlichkeit mit denselben zu dnrchdringen, und deren innerstem Wesen zu asstiniliren." „Dem Weibe, als einem reeeptiven Wesen, fehlt das Geniale, Ursprüngliche und schöpferische aus den Höbepliuelen menschlicher Tstäügkeu, in der >iunst, Religion. Philosophie, Politik und Literatur." Aus diesem Grundznge entwickelt der Berfasser die einzelnen Züge, die dem Weibe eigenibümlick, scheinen. Es gelingt ihm dieses in mehrfachen Puncten.' Aber wie es bei solchen Deduetionen, die sich auf der scharfen Linie der Logik halten,;u geschehen pflegt, er gerätst auch in 'Widerspruch mir der Erfahrung und Beobachtung. Um etwas Einzelnes auznsüstren, hält er die Frauen znr medieinischen Praxis sehr geeignet, weil sie in ihrer schnellen Fassung der Erscheinungen sicherer zur Diagnose des Hebels kämen. Dies möchte nicht der Fall seiir; denn die Frau wstd die Symptome rascher fassen,. aber aml, bei ihnen stehen bleiben; riese Symptome zn vereinigen, nach ihren Ursachen zu forschen, und m ihrem Zusammenhänge das Eansalmoment zu tressen, ta« ist die richtige Diagnose zu stellen, wird ihr weniger gelingen. Wenn er sagt, rast das Begnadigmige-recht die eigeittliche Sphäre-des Weibes sein -würde, stimmen wir ihm nicht bei, denn die Frau fordert viel mehr die Eenseqneuzen der Dstat, unr ist weniger geneigt ans entschuldigende oder erleichternde 'Motive einzngeben. Es finden sich setzt unter den Frauen mebr Berseck'ler der Docee-suase, als unter den Männern. Der verehrte Ükedner sck>eiut uns einen Gesichtc-puuel nicht ins Auge gefaßt zn staben. Dies ist der der Entwickelung. Do gilt wie die Individuen, die 'Böller, ihre Entwickelung staben, utid istr ursprüngliches geistige-- 'Element ansdestnen, so auch die (^entckechter. Die ansängliche-n Fälugleiien erweitern sich in der geichichtluben Entwickelung, und werden zu Dingen geschickt, - welche sie früher ,iuM zu übertvältigeu vermocht hätten. Wenn caster der 'Berfasser die Praxis der Tsteorie nntenhan und n.ustielgend verlangt, so ist dieo darum gefährlich, weil die Tsteorie um so leichter irrt, je mestx sie sck'arsbegränzte Begxisssbcst'.mnmngen, und aus diesen systematische Ab'eikungen, sucht. Er liefert in seinen Ansührungeu der Aussprüche der größten Denker reu hinlänglichen Beweis hierfür. Ricku die bloße Praxis, webl aber die geistige und tstalsäck'liche Enlw ckelnng, bringt bas wastrstast Förderliche hervor, und läßt erreichen, was erreichbar ist. Die beiden (^schlechter sind für immer zur gegenseitigen Ergänzung bestimmt. Das rechte Axiom ist noch immer das, was die Schrift ans ihrer ersten Seite 1 Mos. 2, 2"

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