Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1873)
- Date
- 1873-02-18
- Page
- Seite 118 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Verbündete, und von einem politischen Endzwecke, dem die fmaiicicllc Verbindung dienen soll, während stetS das Gegentheil stattsindct. Als jüngst an die Finanzwelt die Forderung gestellt ward, sich von Rumänien zurück zuzichen, so lange es die Juden barbarisch verfolgt, ward dies Ansinnen von ihr abgewiesen. Haben jüdische Banqnicrs jemals ihren Einslnst für die Gleichstellung der Inden verwendet? In der Geschickte der Emancipation haben sie auch nicht die geringste Rotte gespielt. ' Redaction.) DieS sind die Mittel und Wege, durch welche man die öffentliche Meinung corrnmpiren und gegen die Inden einnehmen will. Gerechtigkeit und Logik spielen dabei keine Rolle. Wie cs dem Hasse immer ergeht, verfällt er auch hier in die crassesten Widersprüche. Man erklärt die Juden für sittenstreng, und doch sollen sie die Eitlen der Völker verderben. Man schmäht sie als die Herren des Eapitals, und doch sollen sie die Gelüste der Proletarier pflegen und nähren. Man bezeichnet sie als gründlichen Wissens bar, und doch sollen sie die Literatur und die Lehrstühle beherrschen. Man zeihet sie der Selbstüberschätzung, und überschätzt ihre Kraft f und ihren Einslnst, in absurdester Weise. Und so geht cs fort. Wir haben diese beiden Beispiele hervorgchobcn, um zur Warnung dienen zu tonnen. Tust riese Vorurtheile nicht abermals in den Massen feste Wurzeln fassen, und dann lange Zeiten hindurch sich erhalten und gellend machen, dahin must das Bestreben Aller gerichtet sein, und Jeder, der Kraft und Gelegenheit besitzt, must sich entschieden dagegen vernehnien lassen. Andererseits müssen wir darnach trachten, durch die thatsächlichc Wirklichkeit unsere Gegner immer mehr zu widerlegen und zu entwaffnen. Wir nu'issen uns lossagen von der Solidarität mit faulen Gliedern. Wir müssen unser Streben immer mehr darauf richten, unsere Jugend zu tüchtigen Menschen und zu soliden Berufsarien zu erziehen. Der ÄligcorLnclc Dr. Limard Cnsltcr. In einem Worte des Gedächtnisses, welches wir vor einer gröstcren Versammlung dem verewigte!; Dr. Kosch sprachen, bezeichneten wir cs als ein Glück für das Iudenlhum neuerer Zeit, daß mit dem Anfänge und dem Fortgänge Tiefer aus den Reihen seiner Bekenner Männer hervortrarcu, welche nicht blos durch ausgezeichnete Geistesbegabung, sondern ebenso durch ihren streng sittlichen Charakter, und durch die Humanität und den Tact in ihrer äußeren Erscheinung, eine allgemeine Würdigung im großen Publicum erlangten, und um so mehr jedem der gehässigen Vornrtheilc entgegenwirkten, welche man so angelegentlich gegen die Inden aufrecht zu erhalten sucht. Männer, wie Moses Mendelssohn, David Friedländer, Israel Jakobson, Gabriel Ricsser, Kosch, haben durch ihre Persönlichkeit für die Rehabilitirung der Juden mehr gewirkt, als selbst durch ihre Schriften. Mit Befriedigung reihen wir diesen Heimgegangenen unter den Lebenden auch den in rer Uebersckrifr Genannten an. Daß wir dies in diesem Augenblicke ihun, wird Jedermann natürlich fänden, der die Vorgänge in den letzten Sitzungen des preußischen Abgeordnetenhauses zu genauer Kenntnist genommen. Wir sind hierzu um so mehr berechtigt, als wir bereits, nicht allzulange nach dem Beginne rer parlamentarischen Thätigkeit Lasters, ihn in seinem vollen Werrhe würdigten, und den Dr. Tobias Kohn in Potsmih veranlassen, die sorgsällig gearbeitete biographische Skizze int vierten Bande des „Jahrbuches für (beschichte der Juden und des Iudeinhumes ly',!)" abzusassen. Laster fuhr seitdem fort, die tüchligsteu Leistungen denen hiuzuzufügen, welche er bis dahin vollbracht hatte. 'Was er in diesem Augenblicke Bedeutungsvolles gerhan, wie er kühn und unverdrossen, mit unermüdlicher Arbeit und außergewöhnlichem Scharfblicke, die Schäden der Eisenbahnverwalmng, den verderblichen Unfug, der in diesem wichtigen Zweige getrieben wurde, die Eorrnption, die sich derselben bemächtigt halte, ansreckte, schonungslos enlhüllte, und dennoch nach Möglichkeit Mast und Gerechtigkeit cinhielt, das brauchen wir hier nicht tarzusietten. Selbstverständlich suchten die Betroffenen den Eharatler Lasters selbst zu verdächngen, und die Reinheit seiner Absickren in Zweifel zu bringen. Sie wußten sich sogar hierzu höchstgestellter Personen zu bedienen. Aber gerade dies gab die Veranlassung, die Integrität dieses Mannes in das vollste Licht zu stellen. Wer etwas mit der Lebensgcschichte und Handlungsweise Lasters bekannt ist, dem konnte auch nicht der Schatten eines Zweifels über die seltene Uneigennützigkeit und den wahren patriotischen Eifer dieses Mannes aussteigen. Mit Reckt hat er daher durch seine letzte große Rede die allgemeine Bewunderung geerntet. Die „Kölnische Zeitung" unter anderen erklärt mit Racke ruck, daß „Laster fäch um das Vaterland verdient gemacht hat." Der Abgeordnete Berger sprach sich in der Sitzung vom 8. Februar folgendermaßen ans: „Meine Herren! Indem ich das Wort ergreife, drängt cs mich zunächst, im Namen aller meiner politischen Freunde dein Abgeordneten Laster meinen ausrichiigsten Dank für den Mnth. die Hingebung und die bewunderungswürdige Geschicklichkeit auszusprechen, von der sein gestriger Vortrag ein so glänzendes Zengnist gegeben hat. t Bravo! links.) Ick glaube, daß das gaiize Haus gestern mit niir gefühlt hat, wie der Abgeordiiete Lasker den großen Verdiensten, die er bereils um die Gesetzgebung' und Verwaltung des Landes sich erworben har, ein neues glänzendes Blatt hinzngesügt hat, und bin eben so überzeugt, daß heute das Land, wenn es seine gestrige Rede vor Augen bekommt, in dieses Urthcil einstimmen wird." „Meine Herren! Ich kann aber nicht umhin, mein tiefstes Bedauern darüber auszusprcchen, daß der Herr Ministerpräsident, trotzdem er seine gestrige Aeußernng revocirte,' es angemessen gesunden hat, in einem solennen Schreiben, welches er in amtlicher Eigenschaft an den Herrn Präsidenten dieses Hauses richtete, Gelegenheit zu nehmen, eine Insinuation gegen