Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1873)
- Date
- 1873-02-18
- Page
- Seite 117 (sequence 3)
- Language
- German
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117 die Aufhäufung von Neichthümern in den Händen Verhältnis;- mäßig Weniger für ein Nebel in der menschlichen Gesellschaft, für ein schädliches Erzeugnis; ihrer großartigen, und doch einfachen Gesetzen unterworfenen, Organisation. Dieses Nebel ist so alt, wie die Gesellschaft selbst. Glücklich noch, wenn ungeheuere Besitztümer nicht durch Gewalt, Unrecht, Eroberung, sondern ans dem Wege des Erwerbes, der industriellen und mereanrilischen Betriebsamkeit den Einzelnen Zufällen. Daß die mosaische Gesetzgebung diesem bei allen alten Bölkern wuchernden Nebelstande entgegentrat und ihn im israelitischen Staate unmöglich machen wollte, brauchen wir hier nicht abermals ausznführen. Indes; konnte dies nur in den einfachen Verhältnissen eines ackerbauenden, abgeschlossenen Bolkes einigermaßen Berwirklichnng finden. Ebenso wenig sind wir blind für die Auswüchse au rem modernen Finanzwesen, und jede Art von Schwindel, rer mit ihm so leicht verbunden ist, ekelt uns nicht weniger an. als irgend einen Anderen, dem Rechtlichkeit, Solidität und die Wohlfahrt der Menschen am Herzen liegen. Alles ries nimmt aber der großartigen Entwickelung res modernen Finanzwesens ihre hohe Bedeittung tiicht. nur das wesentliche Berdieust, welches ihrer Wirksamkeit anhaftet. Der eigene Reichthnm macht keinen Financier groß; er ist doch nur der Träger des Ererils, und der Bermittler des allgemeinen Publicums, rem das eigene Bcrmögen des Financiers und seine Solidität als Bürgschaft und Unterlage dient. So entwickelt es sich immer mehr, daß die allgemeine Verwendung der vorhandenen großen und kleinen Eapitalien, des mobilen Besitzstandes der ganzen Wcir, durch die Financiers ermöglicht wird. Glicht mehr, wie in früheren Zeiten, ruht das Eapital unfruchtbar in den Truhen, in Gold- und Silbergerälhen und ertragsarmen Hypotheken, sondern fließt in unermüdlicher Strömung durch alle Adern des Gewerbsleißes und der Arbeit, befruchtet diese, und bringt so den Besitzern, wie den arbeitenden Elassen, Lohn und Gewinn. Andererseits ist das Finanzwesen das alleinige Mittel, die großen Staalsoperationen, die Anlegung der Eisenbahnen, die Entstehung und Erweiterung zahlloser Industrieanstalten, den Aufschwung des Bergbaues und die Berar beilitug seiner Prodnetc zu ermöglichet!. Welche unabsehbaren segensreichen Wirkungen deshalb die moderne Entfaltung des Finanzwesens hat, läßt sich leicht erkennen. Auch wir haben es schon oft ausgesprochen, daß die Wohnverhältnisse der sogenannten Arbeiterclassc zu deni Gewinne der Arbeitgeber noch in keinem genügenden Maße geordnet sind. Allein cs heißt doch die 'Wahrheit auf den Kopf stellen, wenn man immer wieder von der Ausbeutung des Bolkes durch das Eapital spricht. Ter betreffende Theil des Belkes wird durch die Arbeit ernährt; diese Arbeit muß ihm geschaffen werden, und dies wieder kann nur durch 'das Eapital vollbracht werden. Dient also die Arbeit dem Eapitale, so dient auch das Eapital der Arbeit, und zahllose Menschen würden ohne Arbeit, d. h. ohne Nahrung sein, wenn das Capital diese nicht hervorbrächte. Das jetzige Finanzwesen aber bringt auch dem ärmstett l?ande das nöthige Capital zu, um die Arbeit in ihm in den Gang zu bringen, und lohnend zu niachen. Auch das ist falsck, was mau von der Herrschaft der hohen Finanz sagt; sie herrscht nicht, sie dient; sie macht sich überall dienstbar, wo sich ihr ein Bortheil bietet; die Eoncurrenz in ihr beseitigt jede Herrschaft Einzelner, und diese Eoncurrenz ist bereits groß genug, um den einzelnen Häusern, wer sie auch seien, die Oberhand zu entziehen. — Dies hier über das Finanzwesen. Für Paris ist es unwahr, daß es „ganz und gar in den Händen der Israeliten" sei. Aus zuverlässiger Ouelle wißen wir, daß daselbst „auf fünfzehn Häuser der hohen Finanz nur zwei israelitische Häuser gerechnet werden können." Daß es z. B. in London sich ebenso verhält, ist sicher. Au einigen anderen Orten, wie Berlin, Wien, Frankfurt, ist das Berhälruiß auf Seilen der Juden ein größeres. Aber was will dieser kleine Bruchtheil jütischer Financiers gegen die große Gesaiumtmasse der Juten sagen? Wie will man dieser daraus einen Vorwurf, ein charakteristisches Merkzeick-en machen'? Wir anderen Juten erfreuen uns dieses Umstandes turchaus nicht. Die großen Opfer, welche unsere Eultuo- und Gemeinkeanstalien uns auferlegen, an jedem großen und kleinen Orte uns auferlegen, werden uns durch daö Dutzend reicher Banguiers nicht erleichtert, von denen eine Anzahl das Iudenthnm verlassen haben, eine andere für Religion und religiöse Institute so überaus gleichgültig sind, daß kaum einige Brosamen von ihrem Tische für diese abfallen. RedactionI Den 'Ausspruch, daß das jüdische Blut das französische absorbire, erläutert Suchard in folgender Weise: „Wenn ein Katholik, Mann oder Frau, vermittelst einer Heirath in eine jüdische Familie eiulrilt, so herrschen bei den aus dieser Verbindung hervergegangenen Kindern, ich weis; nicht durch welche physiologischen Ursachen, der jütische Geist und das jüdische Blut vor." ,Au der Absurdität dieses einen Satzes erweist sich die aller anderen Behauptungen des Verfassers. Ir. ganz Frankreich bestehen vielleicht einige Dutzend Ehen zwischen Katholiken und getauften Juden, und dadurch soll die ganze große Ration vorn jüdischen Blute überschwemmt werden! Redactionl. Das sonderbarste Zeug aber saßt der Verfasser in felgendem Satze zusammen: „Rur durch daö Iudenthnm allein, durch die geduldige Ueberwiudung aller europäischen Racen kann man die Brüderlichkeit der Völker erträumen; die Handwerker und Arbeiter werden nieruals dieses Utopien, welches die Eisenbahnen und Telegraphen ermöglichen, verwirklichen; die Juden sind es, die es zur Wahrheit machen werden durch das Bündniß l tvckörution), welches der wirtliche Kitt ihres Bankvereines durch ganz Europa ist; cs ist augenscheinlich, wenn eine neue Monarchie sie nicht auzicht, werden sie sich des Eapitalbüudnisies bedienen, um zu eincut politischen Bündnisse zu gelangen." (Herr Richard träumt selbst von einem Bündnisse der jüdischen Banquiers, das nicht besteht, denn sie sind öfter Rivale und Eoncurrenten, als 8*