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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-02-18 · Heft 8 (18.2.1873) · p. Seite 116

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 8 (18.2.1873)
Date
1873-02-18
Page
Seite 116 (sequence 2)
Language
German
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NC ftvim, nach Eochinchina, China, Italien, Mexico geführt hat, und den übrigen Staaten gegenüber stets die Hand am Schwerte hatte. 2Bir glauben, daß die Niederlagen in Mexico und tut ( deutschen Kriege wohl mehr die Abnahme des Chauvinismus be-! wirkt haben, als die Hand voll Juden mit einer Welt von : Friedensliebe. 2m Uebrigen ist es höchst verwunversam: soeben_ wirst man den Juden eine gewaltige Selbstüberschätzung, eine ( übertriebene Meinung von sich selbst vor, und mit demselben Athem treibt man mit ihnen die lächerlichste Ueberschätznng, und schreibt ihnen die Herrschaft der Welt, die Leitung der Sitten , und des Geistes der Nation zu, und wir, die eingebildeten Juden, weisen dies als Wahn und Thorheit zurück! Eines oder das. Andere. Entweder wir sind allzu bescheiden, und wollen unsere; eigene Größe nicht anerkennen, oder es ist Alles leerer Tunst, was man über unö in die Welt hinansschreict. Redaction.) Womit unterstützt Herr Richard 'obige Behauptung? Er sagt: „So lauge das jüdische Volk seine Selbstständigkeit besaß, war es zu-gleicher Zeit industriell und kriegerisch; seitdem es sie verloren hat, ist es friedliebend und handeltreibend geworden. Sobald mau kein Vaterland mehr hat, sobald man kein Recht zu besitzen mehr hat, hat man kein Interesse mehr, Krieg zu führen, sondern seinen Besitz verheimlichen und verpflanzen zu können." (Wir läugnen cs nicht ab, daß die Juden den Frieden lieben. Aber auch als sie noch das Land ihrer Väter bewohnten, waren ihre Waffen stets nur zur Vertheidignng ihres Landes und ihrer Religion erhoben. Ihr Ideal war nicht ein Universalreich, nicht die Herrschaft über andere Völker, sondern, wie ihre Propheten verkündeten, ein allgemeiner Völkerfriede, die Herrschaft der Gotteserkenntniß, der Freiheit und Gleichheit. Hierin unterschieden sie sich von allen alten Völkern, die davon nicht einmal eine Ahnung hatten, und deren Dichter und Denker das Menschengeschlecht auf dem Wege wachsender Verschlimmerung ansahen. Nedactivn.) „Gegenwärtig, wo sie fast überall, aber besonders in Frankreich, ein Adoptivvaterland wiedergesnnden und das Brecht haben zu besitzen, erscheinen ihre alten Eigenschaften wieder: sie haben wieder Geschmack an rer Fabrication gesunden, und man hat in der Armee bemerkt, das; sie sich als gute Soldaten betragen; aber ihre Instinete als Proseribirte und Heruntwanderer beherrschen sie noch. Inlaet geblieben während vieler Jahrhunderte durch die Unmöglichkeit, ihr Blut mit dem ihrer Verfolger zu vermischen, zu guten Sitten vernrlheilt (!'.), zur Mäßigkeit, zum Familienleben, während ihre Verfolger sich in allen Genüssen abnutzten, rächen sie sich gegenwärtig, indem sie die Rare absorbiren, welche sie ntißhandelr har." (Das sink sonderbare Geständnisse! Die europäischen Völker sollen in Sittenlesigkeit versenkt, und durch diese altsgerieben und entartet, die Inden durch ihre strengen Sillen riesenhast groß, und so mächtig sein, daß sie alle jene Rationen absorbiren, und darin soll ihre Rache bestehen. Zugleich der Gedanke, daß, um sittlich zu bleiben,' man „verurtheilt" d. h. ansgestoßen, von der Gesellschaft verachtet und gemieden sein müsse. DaS ist nicht geistreich, das ist verschroben, daS ist jedenfalls ein Erzcugniß sittenlosen Geistes, der sich seiner Schwäche und Entartung bewußt ist. Ja, konnte ein Solcher sich den Gang rer Dinge nicht auch anders denken? Warum kam er nicht auf die Idee,.daß die vermeintliche allgemeine Sittenlostgkeit in Europa die in das Volksleben cingetrelenen Juden fortreißen und absorbiren werde? Hätte er nicht in Paris, aber auch in Berlin und Wien, bei der jüdischen jeuncss«; «lorce Erfahrungen genug hierüber machen können? 2a, Gott sei Dank! die große Masse der Juden steht noch auf dem Standpuncte der Sittlichkeit ihrer Väter. Aber diese Herren denken sich in jedem Juden einen Principienmenschen, welchem die ganzc Vergangenheit seines Stammes vom Rilc' bis zur Seine, Spree und Donau, der Gedanke seiner Mission, und eine bestimmte Vorstellung einer allgemeinen jüdischen Tendenz, im Bewußtsein liegen und sein Handeln bestimmen. So verhält cs sich nun wahrlich nicht, und obschon im Allgemeinen die Einslüsse der vergangenen Zeiten durch ihre traditionelle Wirkung aus die Juden bis zitr Gegenwart in gewissen Zügen vorhanden sind und sein müssen, so stehen sie doch viel zu sehr in rer lebendigen Gegenwart, und mitten in der Strömung der Zen, als daß sie die Beweggründe ihres Thuns und Schaffens sich' rnsden Erfahrungen und Erlebnissen früherer Epochen, oder aerseiner allgemeinen Tendenz, herholen sollten. Tie Inden streben auch heule nicht nach einer Weltherrschaft, und wissen wohl, daß ihnen hierzu alle Mittel fehlen. Jedermann von ihnen arbeitet und müht sich für die Interessen, die ihm als Individuum naheliegen. Er will sich und die Seinigen ernähren, und möglichst vorwärts bringen, seine Pflichten gegen die Gesellschaft, den Staat und die Gemeinde nach Kräften erfüllen, in seiner Umgebung gellen, was er kann, sich in allem Diesen frei bewegen, dabei seiner religiösen Üeberzengnng nach seinem Gewissen leben, gerade wie es jeder andere Mitbürger thut. Von Rache wegen Rußhandlung seiner Vorältern weiß er ebenso wenig, wie von Schwärmerei für eine politische Herrschaft seines Stammes. Möchten riese Schriftsteller dies doch endlich begreifen! Redaction.) Da dem Verfasser dieser Versuch einer Teductivn so ganz mißglückt ist, sucht er auch Thalsachen heranzubringen. Was hören wir da abermals? „Das Theater ist durch die Inden überschwemmt, und zwar weil sie daselbst zu glänzen hoffen. Ter Journalismus, die Literatur, der Advecatenstand sind von ihnen ganz angefüllt." (Wir brauchen wohl auf diese, gerade für Paris ganz unwahre Behauptung hier nicht noch einmal einzugchen. Einer ruft es dem Anderen nach, ohne irgend einmal bestimnite und genaue Thatsachen anzuführen. Redact.) „Das ganze hohe Bankwesen ist in den Händen der Israeliten." (Wie wir in der vorigen stummer versprochen haben, wollen wir auf diese Phrase etwas näher eingehen. Auch wir halten

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