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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-02-11 · Heft 7 (11.2.1873) · p. Seite 110

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 7 (11.2.1873)
Date
1873-02-11
Page
Seite 110 (sequence 12)
Language
German
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110 der herkömmlichen Deutung geknechtet, so fuhrt man cs jetzt in die Irre, ohne Weg und Steg. Um davon einen Begriff zu geben, wollen wir hier ein Beispiel, das bis in's Lächerliche geht, aus einem sehr achtenswerthen Blatte „Das Ausland" anfuhren. Hier giebt in 9fr. 1 0 (1872) I)r. N. Hassencamp einen Aufsatz: „lieber die Spuren der Steinzeit bei den Aegypteru. Semiten und Indogermanen". Unter Steinzeit versteht man bekanntlick diejenige Periode des Menschengeschlechtes, wo man den Gebrauch deS Metalls zu Werkzeugen noch -nicht kannte, und sich darum nur der Steine bedienen tonnte, und gri'utdct dies darauf, daß man an vielen Orten Steine ausgräbt, die offenbar zu Werkzeugen bearbeitet waren. Ties bestätigt auch die heilige Schrift, denn sie berichtet 1 Mos. 4, 22: „Tubal-Kain hämmerte allerlei Werkzeug von Kupfer und Eisen." Da nun dieser Tubal-Kain nach der biblischen Genealogie zur siebenten Generation gehörte, so nehmen die vorhergehenden Generationen die Steinzeit ein. l)r. Hassencamp will aber die Steinzeit bei den Hebräern noch über die Zeit Mosis hinunter erkennen, und waS führt er dafür an? Das Verbot, den Altar aus behauenen Steinen, über welche Eisen geschwungen worden ist, zu bauen, und glaubt, daß diese Bestimmung nur darin ihre Erklärung findet, „daß der Ursprung jener Altäre in die Steinzeit zu verlegen ist." Jeder vernünftige Erklärer findet vielmehr die Ursache dieses Berbotes darin, daß vermieden werden sollte, an den Altären Figuren einzuhauen, was in jener Zeit soviel hieß, als sie anbeten lassen.*, Daß das Verbot den sonst allein herrschenden Gebrauch eiserner Werkzeuge erweist, leuchtet einem Kinde ein. .Noch mehr! Die Uebergangszeit aus der Steinzeit in die Epoche der Brouce findet der scharfsinnige Autor erst gegen Ende der Nichterzelt, und zwar weil es 1 Sam. 12, 10 heißt: „Es war kein Schmied im ganzen Lande Israels, denn die Philister fürchteten, die Hebräer möchten sich Schwerter und Spieße machen. Und mußte ganz Israel hinabgehen zu den Philistern, so Jemand Pflugschar, Hane, Beil oder Sensen zu schärfen hatte." Er fährt fort: „Wenn also damals (gegen 1 <»'.><> vor Ehristus, die Israeliten mit der Metallbereitung noch nicht bekannt waren, sondern ihre Werkzeuge bei den Philistern, d. h. bei den Phöuieiern, verfertigen und ausbefiern lassen mußten, so sind wir wohl zu dem Schlüsse berechtigt, daß sie überhaupt die Metallgeräthe damals noch nicht sehr lange gekannt hatten." Nein, Herr L)r. Hassencamp irrt sich. Die Steinzeit hat bei den Hebräern viel später aufgehört, erst um 000 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung, denn 2 Kön. 21, 11 und Jerem. 21, I wird erzählt, daß die Chaldäer alle Schmiede und Schlosser auö dem Vitnfce Israel wcgführten, so daß also die Israeliten abermals wegen Schärfung ihrer Werkzeuge nach den Gränzen der *) S. Mor. 'Jicb. III, 4f». Die traditionelle Auslegung besagt: weit daö Eilen das Leben verkürz tMidd. III, 4», f. unseren Bibclcouunentar zu 2 Mos. 20, 22. Nachbarländer gehen mußten, folglich noch in der Steinzeit lebten! Das heißt doch den Wald vor Bäumen nicht sehen. Die Politik, aus einem unterworfenen Lande die Metallarbeiter wegzusühren, damit sich die Unterjochten keine Waffen machen könnten, ist bei den Allen nickt ungewöhnlich gewesen, und Plinins erzählt es auch vom Könige Perfenna betreffs der Römer. Die citirte Stelle aus l Sam. sagt eS mit klaren Worten aus, aber — ein moderner Gelehrter weiß es viel besser. In Paris wird jetzt ein neues Drama „Femme, de Fhuule“ von Dumas Sohn anfgesührl. Der „Figaro" erzählt bei Gelegenheit der ersten Borsiellnng: „Als episodische Figur führt das Stück eine Jüdin Rebekka vor, welche in mystischer Weise von der Wiederherstellung des Königreichs Jerusalem schwärmt. Während der Vorstellung suchte rer Vanquier Bischofföheim den ihm befreundeten Dichter hinter den Eonlisien auf, um ihm die üblichen Artigkeiten zu sagen. „Nun," kommt ihm rer junge Dumas entgegen, „ich hoffe, daß Sie mit mir und meiner Propaganda für Ihre Glaubensgenossen zufrieden sind?" — „Gewiß ," antwortete Herr Bischosssheim, „und ich wünsche von ganzem Herzen, daß Ihnen diese Agitation gelingen möge. Dann hätte ich aber eine Bitte an Sie: Wenn alle Israeliten glücklich in Palästina vereinigt sind, so inlriguiren Sie doch gefälligst am dortigen Hose, daß man mich als Botschafter nach Paris schicke, wo es mir recht gut gefällt." Hohes Alter. Am 12. v. M. starb, wie man uns von dort schreibt, in Siroka (s.-roser Eomitat» ein Israelit, Namens Samuel Löwy, im lootcu Jahre seines Lebens. Derselbe erfreute sich nach seiner, wie nack der Aussage der ältesten Leute, die ihn kannten, von seiner frühesten Jugend ununterbrochen der besten Gesnudheit, so daß er nie einen Arzt brauchte. So war es ihm ein Leichtes, ja es wackle ihm Vergnügen, Strecken von einer Meile in seinem 1 <>2ten Lebensjahre zu Fuße znrückzulegen. In Gesellschaft war er stets heiter und bester Laune. Vier Wochen vor seinem Tote sing er an, Widerwillen gegen Fleischspeisen zu empfinden, und seine Kräfte nahmen bedeutend ab. Sein Heller, klarer Verstand verließ ihn bis zur letzten Minute nicht. Als ihn die Umstehenden kur; vor seinem Tode fragten, ob er nickt das Gebet, wie es bei den Juden vor dem Tode gebräuchlich, verrichten wolle, sagte er: „Daran brauche ich nicht erst erinnert zu werden; wußte ich so lange als religiöser Jude zu leben, so weiß ich auch als solcher zu sterben, und sehr gut weiß ich, die Gelegenheit zur Ueberfahrt stehe bereit."

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