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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-02-11 · Heft 7 (11.2.1873) · p. Seite 108

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 7 (11.2.1873)
Date
1873-02-11
Page
Seite 108 (sequence 10)
Language
German
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103 werden könnte, Alle erfreuen sich eineS gewissen Wohlstandes. Wie sehr die Juden die Fabrikarbeit bevorzugen, geht schon aus dem Umstande hervor, daß die Wohlhabenden sich ihre Domestiken aus den umliegenden Städten bcschasicn müssen. Die allgemeinen Interessen bringen die Juden mit den Deutschen in nähere Verbindung, die das wohlhabendere Element bilden, aber immer noch einen gewissen nationalen und gesellschaftlichen Dünkel gegen jene zur (Geltung bringen. Die neu cingesührten Schwurgerichte werden das Ihrige dazu beitragen, allen überflüssigen Nationalstotz ihnen abznnehmen." — Daß namentlich in Folge der auch bei uns sich mehr und mehr entwickelnden Industrie die große Masse der jüdischen Bevölkerung sich geistig und materiell immer mehr hebt, braucht nicht erst nachdrücklich betont zu werden. Zu wünschen wäre nur, daß von Leiten der ^Regierung etwas geschähe, um der Ansiedelung der Juden im Inneren des Reiches etwas niehr Borschub zu leisten. -Aegypten. Alexandrien, 3. Januar. «Arch. isr.) Hier hat eine imponirende Feierlichkeit stattgefunden. Der hiesige Banquier Jakob Levy Menasce hat mit einem Aufwande von 30<V*<*0 Francs eine prachtvolle Synagoge erbaut, die soeben eingeweiht worden ist. Das ganze Hechal, der Fußboden und die zehn enormen Säulen, welche die Frauenempore tragen, sind ganz von carrarischem Marmor. Der Khedive war durch den Marineminister und een Gouverneur von Alexandrien vertreten; das ganze Personal res östreichischen Eonsulats und Vertreter der Muselmänner, Katholiken' und Protestanten waren zugegen. Zwei Gebete für den Khedive und den Kaiser von Oestreich wurden nach ihrer Verlesung, das eine dem Marineminister, das andere rem östreichischen Eonsul für ihre resp. Monarchen in zwei prächtigen Albums überreicht. Bei der Eröffnung des Tempels wurden dem ältesten Sohne des Herrn Menasce die Ehrenzeichen als Osficier des Medjidieordens überreicht. Zenit durch Gosen jitin Sinai. «Fortsetzung.) Als der Pharao den grausamen Befehl des Kindermordes ertheilte, muß er sich unter dem unmittelbaren Einflüsse der Eindrücke befunden haben, die er in Gosen selbst, als Augenzeuge, empfangen. Er weilte in seiner dortigen Residenz, das ist zu Tauis, als das Knäblcin ausgesetzt ward, und, angemessen den Gewohnheiten des Hofes, seine Familie mit ihm. Tie Prinzessin badet mit ihren dienenden Frauen im tanitischen Nilarme, dessen langsam rinnende und leicht zu überblickende Wogen das Kästchen nicht ans dem Schilfe zu reißen drohten, das in der Zeit, in welcher an den Wasseradern des Delta die nur noch am weißen ')lik vorkommende Papvrosstaude gedieh, dichter gewesen ist als heute, und wohl geeignet gewesen sein muß, den königlichen Badeplatz, den die Schwester des Kindes gekannt haben wird, dicht zu umhägen. Es darf nicht vergessen werden, daß, wie Seti, so auch Ramses, nur zeitweilig zu Tauis residirten: wir meinen aber in einer interessanten Inschrift aus der Zeit des Letzteren eine Notiz gesunden zu haben, welche dafür spricht, daß achtzig Jahre vordem Exodus, dessen Zeit genau bestimmt worden ist, also im | Geburtsjahre des beim Auszuge achtzig Jahre alten Biese <Ex-od. 7, 7), sich der Pharao in der Stadt Ramses, also bestimmt in Gosen, befunden habe. ES läßt sich ferner mit Sicherheit behaupten, .daß, als Mose geboren ward, Seti I. und neben ihm, als Mitregent, sein Sohn Ramses regiert habe. Wenn also von einer „Tochter" des Pharao, welcke den Knaben Biose rettete, geredet wird, so kann diese nur ein Kind Sen's und eine Schwester des Ramses gewesen sein. Schon in seiner feto n. frühen Jugend hatte dem Letzteren sein Vater nach der Sitte des Orientes Frauen auS feinem Harem überlassen, und es ist wahrscheinlich, daß sich unter diesen seine Schwester befand; galt doch, wie int alten Persien, so auch in Aegypten, wo diese Sitte selbst noch in der Ptoleinäerzeit sortbestand, eine Verbindung von Bruder und Schwester für die beste Ehe eines Fürsten, der so das Blut seines göttlich verehrten Geschlechtes rein erhielt. Die Tradition nennt die Retterin des Mose Thermuthis iOtQitorfog), und cs kann wohl sein, daß damit diejenige seiner Gattinnen gemeint sei, welche die Denkmäler lmit dem weiblichen Artikel) T-mcr-en-mut neser-t ari oder nur Tmermut nennen. Der gerettete Säugling empfing den in Aegypten und gerade in dieser Zeit mehrfach vorkommenden Namen Mes oder Mcsn, was einfach „Kind" oder „Knabe" bedeutet, erhielt feine Mutter zur Amme, wurde von der fürstlichen Frau adoptirt, und sie erzog ihn sich zum Sohne. Ueber die strenge und sorgfältige wissenschaftliche Ausbildung, welche die Söhne der Aegypter aus den besseren Stänken genossen, haben die Denkmäler vielfache Einzelheiten erhalten. Wie der feurige, hochbegabte Israelit die dargebetene Lehre zu benutzen verstand, das beweisen seine späteren strategischen und legislatorischen Leistungen, während der Umstand, daß das Bewußtsein der Zugehörigkeit zu seinem Volke und zu seiner Familie in ihn: erweckt und lebendig erhalten wurde, vielleicht dem Einflüsse seiner mütterlichen Amme zugeschrieben werden darf. Als Mose ein Mann geworden, sucht er seine Stammcs- - genossen in Gosen auf, erschlägt den Ausseher, welcher einen seiner Brüder mißhandelt, und flieht nach Midian, d. h. in die im Osten der Sinaigruppe nach Palästina hin gelegene Landschaft, und erwirbt sich dort die'genaueste Kenntniß der physischen

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