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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-02-11 · Heft 7 (11.2.1873) · p. Seite 107

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 7 (11.2.1873)
Date
1873-02-11
Page
Seite 107 (sequence 9)
Language
German
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107 Großrabbiner und eine Commission von vier Laien, welche ras Centralconsistorium besiimml.— Das neue Stück von Alexander Dumas Sohn, l^rr k'emme 60 Olanlle, in welckwm der Dichter einem Juden und einer Jüdin, die er jedoch nur als Episode hineinbringt, eine ganz würdige Rolle zucrtheilt, wird bei seinem zweifelhaften Erfolge bald wieder von der Bühne verschwinden. Die Redaclion der Arch. isr. meint, daß dies das erste Bühnenstück sei. in welchen! den Juden leine boshafte oder lächerliche Rolle gegeben wäre, und hofft, daß dieser Bann nun gebrochen sei. Ties kann doch nur für Frankreich gelten, denn in Deutschland und England ist es bereits mehr als ein Jahrhundert her, daß auf den Bretern. welche die Welt bedeuten, die edelsten und hochsiunigsten Juden vorgeführt werden. Man sieht hieraus, daß zwar die politische Emaneipation, nicht aber die sociale, in Frankreich ihren europäischen Ursprung genommen hat. Uebrigens verherrlicht Herr Dumas doch nur die Meinung, daß wir allesammt nach Palästina gehören, wohin er uns durchaus wandern und ein neues Königthmn errichten lassen will. Damit hat er der Stellung der Juden in der Gesellschaft auch keinen Bortheil bringen wollen. — Ueberhaupt hat der Geist der Toleranz in Frankreich in jüngster Zeit leine Fortschritte gemacht, und kann es auch nicht unter der Herrschaft erbitterter Parteien, von denen die eine sich mit dem Ultramontanisinus, die andere mit dem Atheisnuls itentificirt hat. So beklagte in der Verhandlung der Nationalversammlung über den obersten Unterrichtsrach der Herzog von Broglie in seiner großen Nere offen, daß es in Frankreich mehrere Culte gebe, und sah darin ein Unglück für Frankreich. Ter talentirte, aber beschränkte Nachkomme bedeutender Staatsmänner könnte sich beruhigen. Die Hindernisse, welche dem papisliscken Klerus und seiner unbedingten Herrschaft geschaffen werken, rühren nicht von dem kleinen Häuslein Juden und Protestanten in Frankreich her, sondern von den freien Institutionen von 17SC», und von dem Geiste der gebildeten Elasten unserer Zeit, welcher sich auch in einem nicht geringen Theile der französischen Masse verbreitet hat, wie sich dies dem Klerus schon oft genug fühlbar gemacht hat. Rumänien. Bukarest, im Januar. Der Vorstand der israelitiscku'n Gemeinde der Stakt Bukarest hat einen Rechnnngsaiisweis für die Zeit vom 1. ouni 1S71 bis 1. Januar IS73 veröffentlicht, und da unser Land gegenwärtig ein vielfaches, freilich sehr unerquillliches Interesse einslößt, so werten einige Angaben daraus nicht unangemessen sein. In den westeuropäischen Gemeinden wird cs sonderbar erscheinen, daß bis ans einige hundert Piaster die sämmtlichen Einnahmen der Gemeinde aus der Auslage ans Fleisch, und aus der Fabrieatiou von Ssterknchen erfließen, und zwar in Summa 3 11,801 alte Piaster. Sb dies national-okonomisch, und ob e$j gerecht sei, da hierdurch die ärmeren Familien, welche zahlreiche Glieder haben, mehr zu den Stenern beitragen, als reiche Familien, die nur wenige Glieder zählen, wollen wir hier uuerörlert lassen. Tie Ausgaben bestehen für die Knaben und Mädchenschule (93,816 alte Piaster), für das Spital und vertheilte Medieamente (65,009 kl. Piaster), Unterstützungen für Mittellose und Waisenkinder (36,217 alte Piaster), worunter 320" für die Bernuglückien in Ismail, für Rabbinatsgehalte (3",512 alle Piaster), für Schächter (31,$50), für die Eanzlei (18,378t u. s. w. Jedenfalls kann man die Verwendung des Geldes nur als billig und recht anerkennen. ftujjlaiib. Alts Rußland, Ansaug Iauuar. 1 Privatmitth.l Die Petersburger deutsche Zeitung schreibt unter der Aufschrift „Mystisieatiou des Golos" Folgendes: „Bor einiger Zeit hatten wir. Gelegenheit, aus dem „Golos" eine Nachricht zu eitiren, in welcher über einen, in Mitau von einem Juden vollbrachten Mord Mittheilung gemacht wurde. Bei dieser Gelegenheit machten wir unsere Vcfcv daraus aufmerksam, in welch schändlicher Weise diese Zeitung jeden Fall benutzt, um einen Schatten auf die Juden zu werfen und sie zu verläumdeu. In der „Rigaschen Zeitung" finden wir nun aber einen langen Artikel, in welchem jener Mord auf einen Spaß znrnckgeführt wird, den sich einige Herren mit dem dortigen Eorrespoudenten res Golos erlaubt haben, ressen Leichtgläubigkeit zum Nachtheile der Juden dort hinreichend bekannt ist." Allerdings ein sehr dummer nur gefährlicher Spaß, rer gewiß besser unterblieben wäre! — Aus Duuajewilzh, Gouvernement Porolsk, wird rem jüdischen Wiestuit geschrieben: „Den schlagendsten Beweis, daß unsere Glaubensgenossen auch zu euvas Anderem geeignet sind, als Schanker, Pächter und >i lein Händler zu sein, ressen man sie doch stets beschuldigt, liefert unser Städtchen. Tie Bevölkerung desselben besteht aus Juden und Deutschen «Preußen«, letztere siedelten hier vor etwa 12 Jahren über, und zwar Dank der Initiative des Herrn Krasinski, rer einige deutsche Techniker aus eigene Kesten hierherkommen ließ; jetzt beträgt ihre Anzahl circa!"" Familien, welche in 7>> Fabriken arbeiten. In diese Zahl sind aber noch nicht diejenigen Fabriken eingeschlost'en, deren Besitzer und Veiler Juden sind, und die ebenfalls ein bedeutendes Eoutingent stellen. Es läßt sich hieraus entnehmen, zu welch großen Dimensionen in uusereiu Städtchen das Fabrikwesen Heraugewachsen ist. Was nun unsere (Glaubensgenossen aubetrisst, so sind sie fast alle in reu Fabriken beschäftigt. Diejenigen, die keine eigenen Fabriken besitzen, oder nicht unmittelbar in diesen arbeiten, beschäftigen sich mit rem Absätze rer fabricirten Tücher auf den Jahrmärkten zu Charkow, Pultawa u. s. w.; Andere tiefer:', wiederum die Wolle aus dem bcuackbarlen Bessarabien, Podekien :c. herbei. So giebt cs hier keinen einzigen Juden, rer aus Faulenzerei betroffen 7

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