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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-02-11 · Heft 7 (11.2.1873) · p. Seite 105

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 7 (11.2.1873)
Date
1873-02-11
Page
Seite 105 (sequence 7)
Language
German
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mit einem Christen eo ipso nicht mehr zur jüdischen Religion gehört. — Man kann voraussetzen, daß. sobald diese Angelegenheit zur richterlichen Entscheidung kommt, die Ansicht des betresseneen Euratoriums für nicht zutreffend erklärt werden wird, und zwar um so mehr, als nach den Vorschriften des orthodoxesten Iudenthums das betreffende Mädchen durchaus als zum Indenthnme gehörig angesehen werden must. Ter Herr Rabbiner dürfte diesem Mädchen leinen untoscheren Wein, sogenannten dVestech, reichen. To wird er ihr auch wohl das ihr zukommendc Geld reichen müssen. Königsberg, im Januar. lPrivatmitth.» Hier ist die Prebcnummer einer neuen Wochenschrift in deutscher Sprache, aber in hebräischer Quadratschrist unter dem Titel „Ter jüdische Gränzbore" ausgegeben worden. Dieselbe ist vorzugsweise für unsere Glaubensgenossen in Rußland bestimmt. Die Tendenz des Blattes spricht sich in der ersten Ansprache der Reeaetion folgendermaßen aus: „Jeder, der die 'Wahrheit liebt, muß gestehen, daß bei den Juden in Rußland noch und Frömmigkeit vorhanden ist, daß sie sich unter günstigen Verhältnissen zu derselben Stufe, wie die Juden in anderen gebildeten Ländern Europa's, emporarbeiten und den Dramen „Jude" auch dort zu Ehren bringen kennen. Jeder Jude in Rußland bemüht sich seht seine Binder ausbilren. sie die Landessprache erlernen zu lassen, weil sie gut verstehen, daß dazu, um Bürger zu sein, und die Pflichten eines selchen zu erfüllen, vor Allem Einsicht und allgemeine Bildung gehört, und daß es daher nothwendig sei, solche zu erwerben; daß sie aber zu gleicher Zeit auch an unserem Glauben festhalten, und nicht, wie viele andere gebildete Inden, ihre Religion verläugncn, macht ihnen nur Ehre. Tenn durch allgemeine Bildung soll unserem Glauben kein Abbruch geschehen, u. s. w." Mit diesem Programme, wenn es ausgesührt wird, woran wir nicht zweifeln wollen, kann man sich nur einverstanden erklären, und dem neuen Blatte Verbreitung und lange Tauer wünschen. Einen eigenthümlichen Zug wollen wir nicht unerwähnt lassen. Tie Probennmmer enthält mit der Rachricht vom Tode des französischen Exkaisers eine ausführliche Biographie desselben. Ties hat die Redaetion doch nicht gethan, ohne ^eine starke Sympathie für jenen bei ihren Lesern vorauszusehen. Tie Sprache ist correet, und neben einigen schwülstigen Auslassungen einfach und verständlich. Ocsttcichisch-uiigarischc Monarchie. Papa, im Januar. Ter „R. fr. Pr." schreibt man von hier: Am!. d. M. sollte die Reuwahl des orthodoxen-Vorstandes der israelitischen Eultusgemeinde in Papa statlsinten. Ter Wahlact mußte jedoch am genannten Tage wegen einer mit Fenstereinschlagen im Wahlgebäude, beginnenden Temoustration sistirt werden. Tie vom früheren Vorstände eingesetzte Wahlleitungscommission beschloß daher am 3. d. M., die Wahl 'Wahl am 'X Januar verzunehmen, was sowohl im Tempel verkündet, als auch durch Assichen knndgegcben wurde. Inzwischen bildete sich eine Fraeiion, die ein Wahleominernannte und schon am d. einen Vorstand wählte. Tie Wahlcommission der Munergemeinde iguerirle dieses Vorgehen, uii? hiel' am bestimmten Tage eie Wahl ab: doch als die gewählte Gemeiudercpräfentan; sich in dem Gemeiudehause versammeln wellte,- fand sie dasselbe von einer mit Stöcken und mit Paprika <!« bewassneten Volksmenge beseht; es fehlte nur noch Petroleum, und wir hätten ein treues Abbild vom pariser Eomuluueausstande gehabt. Tie städtische Polizei fühlte sich zu schwach, um Assistenz zu leisten, während die im Gemeindehause Versammelten alle Schlösser und Riegel erbrachen und sich der Gemeindebücher beinächtigten. Run kam der Sabbath. Man befürchtete Skandal im Tempel, daher begaben sich die Vorsteher beider Parteien zu der städtischen Behörde, wo sie darin übereinsamen, daß, bis die Sache von rer höheren Behörde nicht endgültig entschieden wirr, an dem einen Samstag der Tempelvater der einen, und am anderen der Tempelvater der anderen Partei die rituellen Functionen in der Synagoge ausüben möge. Zwei Samstage wurden solcherweise in Frieden verlebt, aber nicht so sollte es am 2.'.. d. bleiben. Als der Tempelvater der orthodoxen Partei seine rituellen Functionen beginnen wollte, vertrat ihm der Tempelvater der anderen Partei den Weg, und damit war auch das Signal zum Exeesse gegeben. Beide Parteien strömten zum Altäre, um der bereits ansgehobenen Gesetzesrolle habhaft zu werden. Es entstand ein ungeheuerer Rrrin, der mit einem Handgemenge endete, so daß die städtische Polizei reguirirt werden mußte. Darauf wurde die Ruhe hergcstellt, und Qrthodoxe wie Reformer konnten den Sabbath «das „Fest der Ruhe", ungeprügelt weiter feiern. Aus Ungarn, 20. Iannar. (PrivatmitthI Die heftigen Kämpfe, die während der letzten Reichstagswahlen in den Monaten' Inni und Iuli das Vaud in Aufregung brachten, haben längst ansgetobt. Tie Teäkpartei, die nur der große« Anstrengung der Regierung den Sieg verdankte, hat durch die letzten Vorgänge noch mehr an Popularität verloren. Tie Gemäßigten betrachten die Teükpartei, welche den Ausgleich und die Einheit des Reiches aus ihre Fahne geschrieben hat, als eine unvermeidliche Rolhwendigkeik, obwohl sie mit Regierung und Verwaltung derselben höchst unzufrieden sind. Wir haben mit unseren Gesetzen ein eigenes Malheur, keines hat noch einigermaßen entsprechen, obschon ihre Entstehung so viel Zeit in Anspruch nimmt. Unsere Polizei-, Handels-, Eivil- und Eriminaleodices liegen im Argen. Ia. es ist gar nicht abzusehen, wie viel De eennien es dauern wird, bis unsere Gesetzgebung nur halbwegs zum Abschlüsse kvtnmen wird. Kein Wunder also, daß die Willkür überall vorherrscht. Ter eine Richter urrheilt nach dem alten ungarischen Eerpus Iuris, der andere tlach den östreichischen Gesetzen, der dritte nach rem wirren Wust der Iurexcurialccnserenz. In Politicis ist dies noch viel schlimmer! Aus solchem

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