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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-02-11 · Heft 7 (11.2.1873) · p. Seite 104

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 7 (11.2.1873)
Date
1873-02-11
Page
Seite 104 (sequence 6)
Language
German
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104 ich, so Gott will, den vielfach an mich gelangten Wünschen für eine nähere Vergleichung mancher Handschriften zu genügen suchen werde, wie ich auch -von Zeit zu Zeit in diesen Blättern einen kleinen Bericht über den Fortgang meiner Studien zu geben gedenke. Di-. A. Berliner. Fürth, 31. Januar. Herr Rabbiner I)r. V ö wi erreichte heute seinen siebzigsten (Geburtstag. Die Berlretung der (Gemeinde benützte diese Gelegenheit, ihrem Herrn Rabbiner einen Aufdruck besonderer Achtung und Vic&c darzubringen, indem die Bertretung der (Gemeinde, die Mitglieder des Armenpslegschaftsrathes und der Borstand des Uuterstützungsvereins für durchreisende Israeliten, ihm ihre Glückwünsche in einer von Herrn Vehrer Schweißer mit Meisterhand ansgesührten und reich ausgeschmückten Adresse ausdrnckten. (5s wurde ferner dem Jubilar ein Ehrengeschenk, bestehend aus einer prachtvoll gearbeiteten, in Silber getriebenen Base, gleichzeitig überreicht. Auö dem Rieö (Baierni, 2-1. Januar. Bi an schreibt dem ,/Nürnberger Anzeiger" wie folgt: In Schopflcch, einem Dorse mit einer israelitischen und einer protestantischen Gemeinde, starb vor kurzer Zeit die Frau des Israeliten Eondilor Block. In Ermangelung eines Rabbiiters ging der Witlwcr 'zu Pfarrer Buck in Schopflech und bat denselben, bei der Beerdigung seiner Frau eine Leichenrede zu halten, welchem Gesuche der Pfarrer dahin entgegetikam, dast er auf dein Friedhöfe erschien, hier aber, anstatt einer Grabrede, eine Missionspredigt hielt, die von Arroganz strotzte, und die jüdische Religion kurzweg als Blödsinn zu charakrerisiren versuchte. Der Pfarrer sprach ungefähr wie folgt: „Tie Juden sind sehr bedauernswerlh; dieses Bolk irrt im blinden Nebel herum, ohne zu wissen, wem es angehört; es wartet auf den Messias, und dieser ist doch längst gekomttten. Die Juden haben das Heil von sich gewiesen, jetzt in der Akventzeit wäre der richtige Zeitpunct zur Belehrung" n. s. w. „Ueber die Berstorbene", fuhr der würdige Herr fort, „weist ich Nichts zu sagen, — denn sie hat leinen christlichen N'benswaiidel geführt" (allerdings, sie war ja eine Jüdin, aber eine rechtschaffene ehrliche Frau«. Trotzdem aber empfiehlt der grostherzige Geistliche die Frau, wahrscheinlich aus Barmherzigkeit und Mitleid, seinem Heilande. Wahrlich, selch ein Pfarrer verdient einen Missionserden! Es ist geradezu schade, dast das Missionsgenie nicht nach Ehina versetzt wird, sondern in Schopslech seine schönen Talente vergeuden, und feinen edelmüthigen Samen ans so fruchtlosem Boden verschleudern muß! Denn da ist doch rein gar N'ichrs. selbst bei der unverschämtesten Aufdringlichkeit, mit Proselytenmachcrei zu verdienen. Es ist jetzt schon eine ziemliche Zeit verflossen, seitdem der schopslocher Demosthenes seine gediegene Rede gehalten hat, und noch ist nicht eine einzige arme Iudenseele zu dem liebenswürdigen Herrit gekommen, um ihre Bekehrung bei ihm anznmelden. -- Es gehört wahrlich eine große Impertinenz dazu, das Bertranen und die edele tolerante Anschauung eines Israeliten, der den Dorfpfarrer um Abhaltung einer Leichenrede ersucht, damit zu erwiedern, daß man an einem Platze, wo es sich am Allerwettigsten schickt, einer ganzen Gemeinde grundlose Scknnähungen und Berletznngen in's Gesicht schleudert, und über die verstorbene Frau wie über eine arme Sünderin mit der anzüglichen Bemerkung weggeht: „lieber sie will ich Nichts sagen." — Tadelnswertst aber dürfte andererseits auch der Mangel an Energie des Borstandes der israelitischen Gemeitide Schopfloch sein, welcher den Auslassungen des Pfarrers zuhörte, anstatt denselben dadurch ein Ziel zu setzen, dast er mit der Trauerversamiultmg das Grab verliest und den Pfarrer in's Blaue schwätzen ließ, so lange es ihm gefallen mochte! «So weit der ,/U. A." In Schopfloch sungirte der brave Rabbiner Ehrlich, der im vorigen Jahre verstarb. Wahrscheinlich waren die Mitglieder seiner Gemeinde durch ihn daran gewöhnt, bei ihren Bestattungen ein Wort des Trostes und der Erhebung ztt vernehtnen. Deshalb wohl der Wunsch des betreffenden Israeliten, dessen Naivetät zu bewundern ist, da man an einem kleinen Drte koch wohl die Stimmung eines selchen Pfarrers kennen mußte. Das obige Ereignis; zeigt einmal recht grell, wie tief durch die dogmatische Berknöcherung das religiöse und sittliche Bewilsttseilt, und daö humane Gefühl, heruntergebracht und erdrückt wird. Dieser Prediger weiß sich gewiß noch viel mit dem Zeugnisie, welches er für seine Üirche abgelegt zu haben vermeint. Tie Wahrheit, dast er an diesem offenen Grabe und vor diesen schmerzerfüllten Herzen das stärkste Zeugnis; gegen diese seine Kirche abgelegt hat, kommt ihm gewiß nicht einmal zur Ahnung. Wir gaben das Dbige in seiner ganzen Ausdehnung, um unsere Glaubensgenossen aufmerksam zu machen, das; sie sich bei ähnlichen (Gelegenheiten nicht ohne vorhergegangene sorgfältige Prüfung der betreffenden Persönlichkeiten so in die Gewalt andersgläitbiger Geistlichen geben mögen. Redaet. d. A. Z. d. I.) Pinne tPosen), in. Januar. Der „Pos. Ztg." wird von hier geschrieben: .Bor einigen Jahren ist hierselbst ein wohlhabender jüdischer Kaufmann gestorben; derselbe hat ein Capital von 2.">,000 Thalern zu einem Stipendium bestimmt, dessen Zinsen armen, namhaft gemachten Berwantten, beziehungsweise ihren Nachkommen, bei ihrer Berheirathung zu (fyite kommen sollen, jedoch unter der Bedingung, daß letztere sich zunr jüdischen Glauben bekennen. Tie Stipulation ist dem Rabbiner, dem Curator (einem frommen Kaufmannes und dem Eorporationsvorslande überwiesen. Bisher hat nun jeder Stipendiarius sein Vegat erhalten, ohne das; ihm irgend welche Umstände gemacht worden siud. Nun hat sich eine im Testamente mit 3«»«» Thalern bedachte Berwandte in Berlin in einen — Christen verliebt und zu ihrer Berheiralhnng ihr Vegat verlangt, leider aber vergeblich, weil der Herr Rabbiner und mit ihm die übrigen Herren behaupten, das; die Bittstellerin durch ihre Berheirathung

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