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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-02-11 · Heft 7 (11.2.1873) · p. Seite 102

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 7 (11.2.1873)
Date
1873-02-11
Page
Seite 102 (sequence 4)
Language
German
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102 also das Spiel, ist zum normalen Zustande der civilisirten Gesellschaft geworden, die ruhige ernste Arbeit ist in Mißcredil geralhen, überall ein Jagen, Drängen und Ueberstürzen, was über kurz oder lang zu einer wirthschasllichen Katastrophe führen must. Daß unter solchen Umständen die Menge nicht sehr wählerisch in den Mitteln wird, welche ihrer Ansicht nach dem Zwecke entsprechen, bedarf kaum der Erwähnung. Wollen wir diesen Zustand mit einer einzigen Bezeichnung charaklerisiren, so stellt sich uns unwillkürlich nur das eine Wort zur Verfügung: Eorruption." (Was wir oben gesagt haben, bestätigt dieser Absatz vollständig. Die gestürzten Mächte der Vergangenheit rächen sich an der Gegenwart dadurch, daß sie dieselbe so schwarz wie möglich schildern, und nun als Urheber alles Dessen, was sie als dunkele Schalten hinzeichncn, die Inden brandmarken. Das Mittelalter, die Raubritter aus ihren Schlössern, das Faustrecht in Land und Stadt, die blutigen Aufstände des Adels gegen ihre Lehnsherren, das geheime Gericht, die Foltern, die Inguisiriön und die Hcxenproceffe, die Sittenlosigkeit an den Höfen, und was Alles dazu gehört, das war „edel und hochehrenhaft" — aber die Bvlkörechte, die gesetzlichen Freiheiten, die öffentliche Gerichtsbarkeit, die Freizügigkeit, die Gewerbefreiheit, die Pflege der Gesundheit und Wohlthätigkeit für das Volk, die Schulbildung, die Wissenschaft, diese sind allesammt „gemein und niedrig," und die Inden die Urheber! Diese Alles vermögenden Juden haben erst den Adel gestürzt, und dann Alles corrumpirt! Ist dies nicht Blödsinn? Jedoch ein Blödsinn, den man bei den Parteigängern der mittelalterlichen Institutionen häufig findet. Wir verkennen die Schattenseiten der Gegenwart durchaus nicht; daß zu solchen Schilderungen, wie der Verfasser sie giebt, immerhin einige Anhaltepuncte vorhanden sind, geben wir zu. Was läßt sich aber nicht aus den Dingen durch Verallgemeinerung und Uebertreibung machen! Unter solchem Pinsel wird auch das, was Wahres daran ist, zu Unwahrem. Ter Hauptpunct bei ihm ist doch wieder nur: die Juden haben die Reichthümcr in ihren Händen concentrirt. Ueber daö Finanzwesen werden wir weiter unten noch zu sprechen haben. Tie Fabel von den Reichlhümern der Juden, verursacht durch eine Anzahl großer Banquierhäuser, ist bereits zahllose Male widerlegt. Die Financiers erhalten die Milliarden aus den Händen des Publicunis, um sic zu verwerthen. Dieses Publicum ist christlich, nicht jüdisch. Der unermeßliche Grundbesitz ist nicht in den Händen der Juden. Der enorme Großhandel in allen Weltthcilen der Erde wird nicht durch jüdische Häuser vermittelt. In allem Diesen trügt der Schein, oder vielmehr der kleine Anthcil der Juden erregt den Neid der „edelen, hochehrenhasten" Christen, und mit diesem Steide den bitteren Haß, die Verfolguugssucht, die sich durch Worte Luft macht, weil Thaten nicht gut mehr möglich sind. Redaction.) „Tie Macht des gedruckten Wortes auf den großen Haufen kennend und wohl berechnend, waren die Juden bemüht, vor Allem die zu immer erhöhter Wichtigkeit anschwellence Tagespresse in ihre Hände zu bekommen. An vielen Orlen ist ihnen Ties auch vollständig gelungen; dort ist Journalistik und Jude gleichbedeutend. Mit seichtem Halbwisien, das schlimmer ist denn gänzliche Unwisienheil, dasselbe aber im Gewände einer geschickten bestechenden Darstellung verhüllend, treten sic auf als Lehrnicister des Volkes, jedem Einflüsse zugänglich, sobald er in klingender Münze sich ausdrückt, und bilden mit ihren prunkenden Leitartikeln, mit ihren nach Skandal haschenden Feuilletons, ihren bezahlten volköwirthschaftlichen Notizen, marktschreierischen Inseraten und pikanten Tages- und Localneuigkeitcn einen Herd der Eorruption, wie er nicht verheerender gedacht werden kann. Wem diese Schilderung rer in den Händen des Semitenthums besittdlichen Presse zu drastisch erscheinen sollte, der nehme sich die Mühe, an Ort und Stelle hinter die Coulissen zu blicken und den Dingen auf den Grund zu gehen. Es steht sehr zu befürchten, daß es ihm ergehen möge wie dem Jünglinge vor dem versteinerten Bilde zu Sais." lTa haben wir nun wieder die leidige Journalistik. Sie soll durch und durch verderbt und von den Juten beherrscht sein. Welch ein Mittelchen, um diese Art der Literatur, weil sie zu einem großen Theile auf liberaler Seite steht, in Verruf zu bringen! Von vorn herein könnten wir entgegnen, daß gerade der Theil der Tagespreise, welcher der Grobheit, der Gehässigkeit, der Beschimpfung, der Berläumdung, der Lüge am Zugänglichsten ist, den Parteien augchört, in deren Reihen ein Jude gar nicht sein kann. Aber das ganze Factum ist unwahr. Es mag sein, daß cs in Wien und Berlin einige Netactionen giebt, die Juden sind; daß es auch hier und da eine Anzahl jüdischer Eorrespondenten giebt, ist gewißlich wahr. Dann aber hört es auch auf. Selbst in Berlin sind mindestens zwei Drittel der Zeitungen von keinem Juden bedient. Tie ganze Provincialpresse hat keinen Juden in ihrem Dienste. In der französischen und englischen Iournalistit giebt es kein halbes Dutzend Juden. Viele, ja die meisten liberalen Blätter, zeigen sich den Juden sehr ungünstig, und wenn sie principiell Recht und Gerechtigkeit auch für die Juden vertheidigen müssen, weil sie ihren Principien nicht widersprechen können, so hauen im Detail doch auch sie auf die Juden los, und wäre dies nicht, die Iudenhasser würden es nicht wagen, den Mund gegen uns so weit aufzusperren. Um es schließlich zu sagen: Was die Juden auch thun, was sic ergreifen, worin sie auch exeelliren, man macht ihnen daraus einen Vorwurf, man drein daraus einen Strick, mit welchen! mau sie möglichst hängen möchte. Ter Bärenführer in Atta-Troll sagt: Die Inden mögen Alles werden, nur nickt Bärenführer, und jener Oberbürgermeister im preußischen Herrenhause sagte: Ich gestatte den Juden Alles, nur Bürgermeister dürfen sie nicht werden. Da kommen aber die „edelen" Journalisten, die „hochehrenhasten" Literaten, und sagen: Die Juden dürfen Nichts werden, es sei ihnen Alles untersagt, denn wehe! sie sind schon Journalisten und Literaien geworden! R e d a c t i o n.) tSchluß folgt.)

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