Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1873)
- Date
- 1873-02-11
- Page
- Seite 101 (sequence 3)
- Language
- German
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101 gelehrteren Kopf zu überflügeln. Dem entspricht auch die Stellung, welche die Juden auf geistigem Gebiete einnehmen. Die hervorragendsten Bühnenkünstler beiderlei Geschlechtes, ein großer Theil der schöngeistigen Schriftsteller, Dichter und Musiker, nicht zu reden selbstverständlich von Allem, was sich auf Handel und Bolkswirthschast bezieht, endlich die gesaniinle Zeilungspresse, mit sehr geringen Ausnahmen, sind Inden. Damit allein sind sie so zu sagen zu Beherrschern der Silltation herangewachsen." (Hier ist Alles Uebertreibung. Mit den Bühnenkünstlern sind wir nicht so bekannt, wie vielleicht der Autor dieses Artikels. Was aber die Belletristiker beirisst, so ist seine Behauptung ge radezu falsch. Unter den Hunderten, welche den Markt der schöngeistigen Vilcratur mit ihren Erzeugnissen ansüllen, giebt es kaum ein Dutzend jüdischen Ursprungs. Die Spielhagen, Freytag, Heyse, Meißner, Hiltl, Brachvogel, Hesekiel, Werner, König, Polko, Burow, Akarlitt und wie sie alle heißen, von den sranzösischen und englischen Belletristen gar liicht zu reden, sind alle keine Juden. Man braucht nur den ersten besten Katalog einer Leihbibliothek durchzusehen, um die Unwahrheit der Behauptung des BerfasierS, ja die grobe Unwahrheit zu erkennen. Wir haben noch ein anderes Argument. Welche schöngeistigen Produele, welche Erzeugnisse der Literatur überhaupt man jetzt ausschlägt, und mau sinket darin Etwas von deti Illden — und dies ist allzuhäufig der Fall — so ist eS etwas Boshaftes und CarikirendeS; und dennoch wagt man zu behanplcn, daß die Inden die Literatur beherrschen. Diese giebt selbst Zeugnis; gegen diese Behauptung. Ueber die Journalistik sprechen wir unten. Redae liou.i „Unter den Schattenseiten des jüdischen Wesens sind hervorzuheben: ein oft biö in's Lächerliche getriebenes Bewußtsein der eigenen Borzüge, und ein gränzenleser Egoismus, der sich alles Andere als nebensächlich unterzuordnen bestrebt ist. Dank diesem EgoiSmnS sind dem Juden Selbstausopsermig, Hingebung, BaterlandSliebe fremde Begriffe. Ucbcrall fühlt sich der Jude als Kosmopolit, der er auch wirtlich ist. Der Jude ist ein Fremdling in Europa, vaterlandSloS, und daher überall bemüht, sich in der Fremde so wohnlich als möglich einznrichlen. Wir wissen sehr wohl, daß in manchen Bolksvertretungen jüdische "Abgeordnete mitunter von patriotischem Feuer turchglühie Reden halten; allein die Handlungen der Meisten stehen mit ihren RedcHl in grellem Widerspruche, »u»d zielen weit eher auf persönlichen Bortheil, denn aus daS Wohl deS gepriesenen Balerlandeö ab. DaS ist eben das Eharakleriftifche am jüdischen Stamme, daß er in keiner Lebenslage auf seinen eigenen Bortheil je vergißt, geschweige denn verzichtet, jede Stellung, die er eiunimmt, jeden Einfluß, den er erringt, für seine persönlichen Zwecke auSnutzt. Tie gestammte Tendenz des jüdischen Snebens läßt sich in dem einen Worte „Ausbeutung" znsammenfasfen." «Dies sind geradezu perfide Behauptungen. Hat der Bersasier eine einzige Thalsache zum Beweise angeführt? Wir fordern ihn hierzu öffentlich ans. Der Charakter der Juden ist dem gerade entgegengesetzt. Der Jude ist leicht entzündbar, enthusiasmirl, und von einer großen Anhänglichkeit am Herkömmlichen und Baterländischen. Es ist anerkannt, daß in fernen Ländern die Juden ihre deutsche Sprache und Sille viel ausdauernder sich erhalten, als die anderen Deutschen. Die Freigebigkeit, mit welcher sie für gemeinnützige und wohlthätige Zwecke spenden, wird überall gerühmt. Was der Berfafser über jüdische Abgeordnete sagt, ist eine perfide Vüge, die durch Thatsachen zu beweisen er verpflichtet ist. Ein Anonymus kann leicht und ungefährdet Ehrlosigkeiten über Andere hiuschreiben, er steht mit seiner Person nicht dafür ein. Kann.er, was er gesagt hat, einem Riesser, einem Kosch, Reichenheim, Geudcheaup Nachweisen, um von Gebenden zu schweigen? Er frage koch im englischen Parlamente nach, ob die GoldsmidS, Salomens, Rothschilds ihre Stellung benutzt haben, um StaalSearriöre zu machen, oder Eisenbahneoneessionen zu erhallen? Sie gehören zu den ehrenfestesten politischen Charakteren. An dem einen Beispiele kann man die Richtigkeit der anderen Behauptungen ermessen. Egoismus, Ausbeutung — sie sollet! von den Juden kommen. Wer die Blätter der (beschichte liest, der sinket Egoismus und Ausbeutung überall, und die Juden waren meist die, welche auSgebeutet und auSgebemelt tvnrden. Die Ausbeutung des BolkeS war in Rom, war in den Feudalstaaten, war unter der Herrschaft der Hierarchie und des Absolutismus allgemein herrschend. Rein, unsere Zeit hat viel Egoismus, viel "Ausbeutung, aber lange nicht so viel, wie die früheren Zeilen. WaS jetzt in Staat, Gesellschaft und Industrie dein Individuum, seiner Geschicklichkeit, seinem Fleiße und Talente gewährt wird, hat ihm keine andere Zeit gestaltet. Es sind nur verkappte Reactionäro und Ultramomanen und Soeialisten, die der Gegenwart diesen Charakter insinuiren. Redaelion.) „Sie sind tonangebend geworden, sie haben es verstanden, in ihren Händen die größten Reichlhümer zu eeneeiuriren, sie haben den allen historischen Adel aus seinen verfallenen Schlössern gestürzt, und an deren Stelle Aerienpaläste gebaut, eine neue Gekdaristolratie geschaffen, die alle Rachtheile der alten ohne einen einzigen ihrer Borzüge besitzt. An die Stelle des alten, heule viel bespöttelten „Noblesse obli"eu haben die semitischen "Ritter und Barone das „Geschäft" gesetzt, das Geschäft inseiner weitesten, bisweilen schmüzigsten Ausdehnung. Der Begriff dessen, was besonders bei den germanischen und romanischen Böllern als edel, hochehrenhaft gegolten hat, ist als überwundener Stautpunet, in der "Wahrheit aber, weil für sie völlig unverständlich, in die Rumpelkanuucr geworfen. Das Gemeine, Riedrige schwimmt oben aus. Ter Geist der Zeit hat durch sie eine erstaunliche Umwandelnng erfahren, ein Jagen nach jähen» Erwerbe, richtiger Gewinne, bemächtigt sich rer Menge, die oft unerfahren theueres Vehrgeld zahlt, und doch stets wieder in dieselbe Falle stürzt, die Unsolidilät in Fndustrie und Handel nahm überhand, ras Börsenfieber,