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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-02-11 · Heft 7 (11.2.1873) · p. Seite 100

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 7 (11.2.1873)
Date
1873-02-11
Page
Seite 100 (sequence 2)
Language
German
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100 in dieser ihrer Verschiedenheit leicht erkennbar werden. so genirt dies jene Verallgemeinerer durchaus nicht, und sie fahren fort, was sie an einem oder einigen Individuen bemerkt haben, als Eigenschaften der gesammten Masse;n verzeichnen und nach ihrer Weise zu brandmarken. Uebertreibnng! sie ist das wirksamste Mittel, ras gefügigste Werkzeug, um die Juden zu verdächtigen und in den Augen der leichtgläubigen Masse als gefährlich erscheinen zu lassen. Sie geht nach zwei Pnncten aus. Mau gewahrt in irgend einer Brauche einige Juden, die sich empergearbeitel, dieetwa Ansehen und Einfluß erlangt haben, und sofort heißt es: die Juden haben sich derselben bemächtigt, üben darin und dadurch eine vollständige Herrschaft aus, und was sich nun ettva an diesem Berusszweige als Schattenseite erweist, das wird allein als die Wirkung der Juden ausgeschrieen. Was hat man nicht Alles unter der Botmäßigkeit der Juden gesehen! - Die Finanz und die Fabrik, die Professur und die Bühne, die Literatur und die Musik, die Journalistik und den Großhandel! Alles ist von den Juden überschwemmt, beherrscht und vergiftet! Andererseits giebt man die Juden aller Länder als unter einander verbunden, verschworen, zu einem mib demselben Ziele auf's Engste vereinigt, und man giebt hierdurch die Fäden des ganzen wirtlichen Gebens als in ihren Händen befindlich aus. Man übertreibt diese Uebertreibnng so sehr, so bis in's Lächerliche, das; man den Juden iusinuirt, die Herrschaft der ganzen 'Well anzusireben, und bereits fo ziemlich zu besitzen. Man treibt dies bis zu einer Art Wahnsinn, und da jeder Wahn, jede Vüge, je schroffer und unvernünftiger sie anftretcn, desto eher (Rauben finden, so bleibt dieses sicher nicht wirkungslos. Da man ausgehört har, die Religion in die Motive hineinznziehen, und Alles aus Racennnterschiede zurückführt, so spielen in diesem Spute die getauften Inden mit. da die Taufe die Wacc nicht auszuleschcn vermöge, ja die Enkel und Urenkel getaufter Juden gehören den Inden au, trotz mannichfacher Kreuzung, weil das jüdische Blut jedes andere überwältigen soll. Vielleicht möchten zukünftige Geschlechter Dbiges für eine Uebertreibnng von uns selbst halten. Allein wir tonnen es Wort für Wert mit Stellen belegen, und wollen dies auch thun. Wir nehmen hierzu unsere Zuflucht nicht zu den Auslassungen rer Uluamonranen oder der Soeialisten, sondern blicken nur aus Drgane rer gemäßigten Partei, wie aus das „Ausland" (1S72 Nr. 2<») und den pariser EonsLitut'.onn.el vom 21. November IS72. — Nachdem in ersterem Blatte den Juden physiognomische Eigenthümlichkeiten und ein eigenes Stinnnorgan zugeschrieben worden sind, die sich auch bei getauften Juten selbst bei Kreuzung in vielen Geschlechtern erhalten, fährt der Berfasser fort: „Wir vermögen uns daher selbstredend ans den Standpunct Jener nicht zu stellen, welche von einem Ansgebcn des Indenthumes als religiösen Bekenntnisses eine '^Besserung erwarten; man kann zwar einen Glauben ausgeben, nicht aber seine Race, und aus diese allein kommt es hier an." „2ucht ohne ungeheuchelte Bewunderung kann man zu der socialen Hohe cmporblicken, welche die jütische Race in der überraschend kurzen Spanne Zeit von etwa fünfundzwanzig Jahren erklommen hat. Ja noch mehr, sie hat theilweise sogar schon unserer Zeit ihren Stempel ausgedrückt." tSollte man es für möglich halten, das; ein christlich-germanischer 'Alttor — und er steht damit nickt allein, sondern hat Hunderte von Genossen -- behaupten kann: unsere Zeit habe ihren Stempel von den Inden erbatlen! Eulmrvölter, wie die sämmtlichen europäischen Natierien, mit einer zweitanscndjährigen Eniwickelungsgeschickte und Geistesarbeit, Völker, unter denen zum Theil nur eine sehr kleine Zahl von Inden wohnen, wie unter Millionen Franzosen jetzt nur 12,<>m> Inden, in ganz England keine :*o,onn, unter den 22 Millionen Italienern keine in ganz Deutschland I.'»<>,<><>,«, in Belgien 1 .',«><>, in Dänemark looti, in Schweden und 'N'olwegen einige Hunderte u. s. w.— diese Völler sollen sich von der Handvetl Juden den „Stempel der Zeit aufdrücken" lassen! Zu welchen Riesengeistern werten die Juden, zu welchen Schwächlingen die europäischen und americanisckeil Böller gemacht! Welch ein leerer Tunst! Redaction.» „Das Jndenthum hat seine eigene Art zu denken, seine eigene Art zu fühlen. Der Jude bemäckiigt sich der Elemente des Wissens und der Bildung durchschnittlich in einem sehr viel größeren Maße, als die den christlichen Eonsessiouen angehörenden Arier. Man merke wohl, daß wir sagen: der Elemente des Wissens. Alle Vehrer stimmen damit überein, daß ein Indentnabc im 'Atter von zwölf Jahren mehr gelernt hat, mehr weiß, als ein anderer von sechszehn bis siebzehn Jahren. Allein dann bleibt er auch meistens stehen." (Diese Behauptung ist geradezu falsch. Unter den Abiturienten der (Gymnasien undRealschulen gehören die Inden;n denen, welche in nicht geringer Zahl mit den besten Zeugnissen entlassen werden. UebrigcnS bewegen sich diese Herren stets in Widersprüchen. Wie oft erheben sie die Klage: die Vehrstühle der Universitäten werden von Juden überschwemmt! Birchow widersetzte sich der Ertheilnng von Professuren an Juden, weil sonst die Schranke gebrochen und Universitäten von Juden überfüllt würden! Und nun sollen sie schon mit dem zwölften Jahre still stehen! In der Tha! wir halten die Juten nicht für lauter Genies; deren können aus einer so kleinen Zahl auch gar nicht viele hervorgehen. Aber cs ist roch immer eine ansehnliche — wenn auch nicht übertriebene — Zahl tüchtiger Männer der Wissenschaft und Zierden der akademischen Vehrstühle früher ans den getauften, jetzt aus getreuen Juden hervorgegangen, welche derartige Insinuationen genügend widerlegen. Redaction.) „Sein praktischer Sinn läßt ihn so rasch als möglich so viel erfassen, alser zum praktischen Vcben benöthigt; gepaart mit seinem scharfen Verstände ist diese Wissenssrnmne groß genug, um manchen weitaus

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