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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-02-04 · Heft 6 (4.2.1873) · p. Seite 94

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 6 (4.2.1873)
Date
1873-02-04
Page
Seite 94 (sequence 12)
Language
German
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94 Juden genannt wird, so der elftere, freilich ohne der Hebräer Erwähnung zu thun, als mit Ramses dirrrl) ein Gewässer verbunden. Wir haben die Vage beider Orte zu bestimmen vermocht, und zu der Stadt des Ramses im Osten des Wati Tumilüt eine andere am pelusinischen Nilarme <ras heutige FaküS) sägen können. Es war unS vergönnt, in Gosen selbst neben einem mit dem Namen Ramses II. versehenen Granittenkmale bei dem heutigen Maschnta Ziegel zu sehen, die von jüdischen Händen gestrichen worden sind. 3m berliner Museum befinden sich einige derselben, welche von Vepsius dort niedergelegt wurden. Exod. 1, l:i und I 1 heißt es: „Und die Aegypter zwangen die Söhne Israels zum Dienste mit Härte, und verbitterten ihnen das Veben mit schwerem Dienste in Thon und Ziegeln und mit allerlei Dienste ans dem Felde n. s. w." Erod. 7 und di bestehlt der Pharao, nachdem er Mose's verlangen, das Bolk in die Wüste zu führen, zurückgewiesen, den Treibern und Borstehern der Zwangsarbeit: „Ihr sollt nicht mehr dem Volke Stroh geben, Ziegel zu machen, wie gestern und vorgestern: sie sollen selbst gehen und sich Stroh zusammenstoppeln. Aberdas Mas; der Ziegel, welches sie gestern und vorgestern machten, sollt ihr ihnenohne etwas davon abzuziehen, auserlegen." — Wir erwähnen diese Stelle besonders, weil sich unter den in Gosen und anderwärts in Aegypten gefundenen Ziegeln in der That sowohl solche finden, die mit Häcksel vermengt sind, als auch andere, die kein Stroh enthalten. „Bon großer Wichtigkeit für uns ist es, das; Exod. 1, 11 die Schauplätze der Zwangsarbeit des hebräischen Bolkes genannt werden, weit weniger wegen der daraus erwachsenden Möglichkeit, ihre Vage zu bestimmen, als weil der Umstand, das; die eine der erwähnten Städte Ramses hieß, einer Mittheilung der Zeit des Frohndienstes glcichgesetzt werden darf. Die Vifton der ägyptischen Könige enthalten zwar mehrere Ramses, der erste König dieses Namens gehört aber bestimmt derselben Dynastie oder Köuigsreihe an, zu welcher der Pharao des Auszuges mit Nothwendigkeit gezählt werden muß. Dieser erste Ramseö kann schon darum nicht gemeint sein, weil er zeitlich so weit von dem genau, bestimmbaren E;odusjahre entfernt lebte, das; Mose unmöglich unter seiner Regierung geboren sein kann, und weil außerdem seine Banlhätigkeit eben so unbedeutend war, als die seines Tochtersohnes Ramses I!., dessen Name heute noch aus hundert Denkmälern in Gosen zu lesen ist, großartig im höchsten Grade genannt werden muß. Ramses II., deS großen Seti I. größerer Sohn, ist der Pharao der Bedrückung, Merneptah «in unterägyptischer Aussprache Mernephtahl, der Menephthes des Manetho, Ramses II. Sohn, der Pharao res Auszuges. Bon frühester Kindheit an trug Ramses!l. als Mitregent seines Baters die Krone von Ober- und Unterägypten. Seine, des griechischen „Sesostris", Thaten werden mit denen seines Baters zusammengeworsen, und das, was er als Kriegssürst und Bauherr leistete, ist so groß, daß er zum NationalheroS der Aegypter werden mußte, und Dichtung und Sage sich beeilten, seine Gestalt mit göttlichem Glanze zu umgeben. „Seine Jugendzeit fällt mit der des Mose zusammen. Da nun sowohl er als sein Bater das oberägyptische Theben, die Heimath ihrer Dynastie, als Reichshauprstadt anerkennen, und es mit den großartigsten von allen, zu irgend einer Zeit und an irgend einem Orte geschaffenen, Prachtbauten schmückten, so scheint aus den ersten Blick die Erzählung von der Errettung des Mose an einer Unwahrscheinlichkeit zu kranken, die keineswegs dadurch .beseitigt wird, das; einige den Pharao in der alten, übrigens auch von ihm verschönerten Residenz Memphis mit seiner Familie wohnen lassen, während er den grausamen Befehl ertheilt, die männliche 'Nachkommenschaft des sich zu stark vermehrenden Stammes zu morden. Da nämlich, so Memphis wie Theben, bestimmt südlicher gelegen war als Gosen, so würde das Binsenkästchen mit dem Kinde stromaufwärts zu schwimmen genöthigt gewesen sein, um von einer bei der Pyranüdenstadt badenden Tochter des Pharao bemerkt und gerettet werden zu können. Außerdem ist der 'Nil bei Memphis so breit, das; Mose's Schwester „von fern stehend" das Kästchen schwerlich lange im Auge behalten haben würde, und so reißend, daß ein dort ausgesetztes Kind nur durch ein Wunder, das die Mutter des Mose keineswegs zu erwarten berechtigt war, gerettet werden konnte. Und dennoch darf diese Erzählung in allen Stücken für glaubhaft erklärt werden, denn nicht Memphis, sondern Tunis ist ihr Schailplatz gewesen. Dieser Ort lag in Gosen am rechten Ufer des alten tanitischen Nilmüudungsarmes, dessen Wasser sich durch dasselbe Belt, in welchem heule der kleinere Minzeanal langsam dahinfließt, durch das Becken des seit jener Zeit bedeutend erweiterten Menzalehseees in das Mittelmeer ergoß. Seilt rechtes Ufer kann als Ostgränze von Gosen betrachtet werden, nnv überschwemmte alljährlich die Fluren, welche voll teil Hebräern bewohnt und bebaut wurden, ein Umstand, der die Aegypter, welche die Beglückung des Feindes für eine ihnen selbst erwiesene Ungunst ansahen, veranlaßte, gerade diese Nilmündung, an welcher außerdem semitische Eulte mit een ägyptischen wetteiferten, für hassenswerth zu erklären. Und doch stand von Alters her in der MündnngSgegend dieses Nilarmes eine Großstadt, die, wahrscheinlich von phönizischen Eolonisten angelegt, schon vor dem Einsalle der sogenannten Hyksos, verbündeter kanaanilischer und arabischer Stämme, als Residenz der Pharaonen blüh.e, und auch von den biblischen Büchern*) als besonders alt und in einer Weise genannt wird, welche nicht zu bezweifeln gestattet, daß die Juden in naher Beziehung zu ihr gestanden haben. Die Hyksos selbst, als deren strategische Stütze Abaris-Pelusium betrachtet werden muß, residirten zu Tanis. Das lehren die von dem Könige der Eindringlinge errichteten Denkmäler, von denen *) Zoau (k^). Hebron aber ist sieben Fahre gebaut vor Joau in Aegypten. sJiiun. Ul, 22. <>

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