Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 6 (4.2.1873)
- Date
- 1873-02-04
- Page
- Seite 91 (sequence 9)
- Language
- German
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- Mohel 1× ep/1006163
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Collegium erklärt. Bei seinem Scheiden machte er rer Pensionscafse für die Gemeindebeamten ein Geschenk von 2<>0 Rubeln. An seine Stelle trat Herr Israel Feinkind, rer sich gleichfalls durch tüchtige Begabung und lebhaftes Interesse für rie ihm anvertrauten Angelegenheiten auszeichnet. — Tie vom hiesigen SanitätScolleginm angeregte Mezizahfrage ist nach erfolgten gutachtlichen Aeußerungen des Rabbinats Seitens des Gemeindevorstandes dahin erledigt worden, daß bei jeder Beschneidnng zwei Moheliin zugegen fein müssen, und daß jeder Bater das Recht haben soll, die Mezizah an seinem Kinde mit dem Schwamme vollziehen zu lassen, ohne daß vom Mohel dagegen Einspruch erhoben werden dürfe. Immerhin schon ein kleiner Fortschritt. — Für den Synagogenban sind bereits 35,ooo Rubel cingegangen; wie wir hören, soll auch die Liturgie in dem neu zu erbauenden Gotteshause eine zeitgemäße Umgestaltung erfahren, von der man sich eine Erstarkung des religiösen Sinnes' innerhalb unserer Gemeinde versprechen darf. Gewiß ist, daß die Rückwirkung aus die P r o v i n c i a l g e m e i n d e n eine unberechenbar große sein wird, wenn wir erst hier einen Gottesdienst haben werden, der unserem vorgeschrittenen religiösen Bewußtsein und unserem veredelten ästhetischen Geschmacke besser entspricht. — Jüngst hat das jüdische Armenhaus einen Bericht über seine Wirksamkeit in den Jahren 1802—1871 veröffentlicht, aus dem wir nächstens die wichtigsten Daten mittheilen werden. Plock, Anfang Januar. lPrivatmitth.t Obgleich unsere jütische Gemeinde eine der stärksten in Polen ist, hatte ich doch bisher noch keine Bcranlassung, Ihnen von hier aus etwas MittheilenSwerthes zu berichten; denn dieselben Erscheinungen, wie sie in den anderen israelitischen Gemeinden der Provinz hervortreten, sind auch hier an der Tagesordnung, und bieten durchaus nichts Erfreuliches dar für Denjenigen, der ein warmes Her; für die Interessen des Judenlhums hat. Es fehlt uns an Männern, die, mit Intelligenz und Energie begabt, sich mit Erfolg an die Spitze unserer Gemeindeangelegeuheiteu stellen könnten, und eine neue Aera anzubahnen befähigt und entschlossen wären. Deshalb bleibt rer alte schmuzige Schlendrian, die Miß- Verwaltung, die Berschleurerung der financiellcn Kräfte für nichtsnutzige Zwecke. Die Ehassidiin vermehren sich wie Sand am Meere, und bekommen ein immer größeres Uebcrgewicht; unsere Rabbinischen rhun sich etwas 51t Gute darauf, daß sie keine Ehassidim sind, aber im klebrigen sind sie ganz ebenso bornirl und fanatisch und schwerfällig, für nichts Besseres empfänglich und zugänglich. Und wenn auch die jüdische Schuljugend sehr fleißig die Regierungsschulen und die Gymnasien besucht, welches Heil erwächst daraus dem Iudenthume, erwächst daraus der Sittlichkeit und dem religiösen Fortschritte, rer aus wahrer Gotteserkenntniß und Gottesfurcht, und nicht aus Inrisserentismus und Frivolität beruht? Zwar hören wir nunmehr nur Angenehmes aus Warschau, sowie auch in allerjüngster Zeit aus unserer Rachbargemeinde Wloclawek, wo sich Männer mit moderner Bildung und rüstigem Schassungslriebe rer Gemeindeangclegen« heilen angenommen haben; aber bei uns leider, sowie noch in allen anderen Provincialgemeinreu, fehlt jedes Anzeichen eines besseren, gesünderen Gebens. Die unteren Elassen namentlich müßten erzogen und erhoben werden, und roch mangelt es an Männern und Instituten, welche diese heilsame "Aufgabe vollbringen könnten. Dock, damit ich nicht mit Klagen schließe, will ich Ihnen nach jüdischem Gebrauche noch etwas Angenehmes von hier mittheilen. Bor Kurzem wurde hier ein jüdisches Krankenhaus eröffnet, dessen Existenz dem Wohlthätigkeitssinnc der Herren Bogel und?evita zu danken ist; letzterer schenkte einen großen Bauplatz im Werthe von looo Rubeln, arrangirte musikalische Ausführungen, die sehr stark auch von Nichtjuden besucht waren, zum Besten des Krankenhauses; Herr Bogel spendete die namhafte Summe von 25,o<m Rubeln zum Bane und zur inneren Ausstattung desselben. Der Feier, bei welcher der israelitische Religionslehrer aut hiesigen Gymnasium, Herr Popieruy, eine Rete hielt, wohnte außer einem zahlreichen nichtossiciellen Publicum auch der Gouverneur bei. Ter Statthalter, Graf Berg, dem von demselben telegraphisch von der stattgehabten Feierlichkeit Mittheilung gemacht wurde, antwortete in folgender Depesche: „Ich danke Ihnen für das Telegramm, das mir eine wahre Freude bereitete, und bitte Sie, meinen innigen Dank ton Gebern und allen Denjenigen auszusprechen, die an der Eröffnung dieser überaus nützlichen Anstalt Antheil genommen haben." Da ich nicht weiß, wann ich wieder einmal Veranlassung haben werde, Ihnen über hiesige Verhältnisse zu schreiben, so erlauben Sie mir noch eine kleine Mirtheiluug aus dem?ager der Ehassidim. Wie Ihnen bekannt ist, haben wir auch in unserem Gouvernement einen „Heiligenort," Tschechanow mit Ramm. Dem dortigen Zaddik ist aber nur daö Beste nachznsagen; er ist ein ebenso gelehrter, wie wahrhaft frommer Mann, dem alle „Wunder" und aller kabbalistischer Humbug in der Seele zuwider ist. Doch seine ganze Umgebung taugt Richls, beuter seinen bedeutenden Ruf zur allergemeinsten Selbstbereicherung aus. Ter Sohn und der Schwiegersohn, die Gaboim und die Domestiken, die Weinschäuker und Branntweiuhändler, sie alle machten die besten (Geschäfte, ohne daß der fromme Üiabbi auch nur eine Ahnung halte von dem niederträchtigen Spiele, das mit seiner Raivetäl und der Gläubigkeit seiner Besucher getrieben wurde. Da hielt es denn endlich, als der Skandal zu groß wurde, ein Rabbiner aus der Uingebnng für seine Pflicht, den Rabbi auf das schändliche Gebahren seiner nächsten Verwandten und Hausfreunde brieflich aufmerksam zu machen, was aber leider die Folge hatte, daß der achtzigjährige Greis, erschreckt über een Mißbrauch, der mit ihm und seiner uneigennützigen Frömmigkeit getrieben wurde, gefährlich erkrankte. Der tschechanewer Rebbe, ^r. ich tviererhole es, ein durchaus reiner und achmiigswenher Charakter ist, dürfte auch vielen Ihrer t'cj'a