Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 6 (4.2.1873)
- Date
- 1873-02-04
- Page
- Seite 89 (sequence 7)
- Language
- German
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S9 Eonfirmationen, Trauungen u. s. w. durch tüchtige Gesangesleistnngen den Gottesdienst verhen licht, aber auch in geselligen Vereinen schon AncrkennenSwerlheS geleistet hat. Ochreichisch-imgarischc Monarchie. - Wien, 21. Jan. lPrivatmitth.j Die „Jüdin von Toledo" von Grillparzer, über die wir Ihre scharfe Kritik in 3fr. 11 v. I. ganz zutreffend fanden, ist nun endlich hier über die Bühne gegangen, und, wie man voraussah, durchgefallen, wahrscheinlich für inimer zurückgelegt. Indes; will man in Teutschöstreich nun einmal Grillparzer durchaus zu den classischeu dramatischen Dichtern gezählt wissen, und die hiesigen Feuilletonisten, statt das Mißgeschick des Stückes diesem selbst, seinem Mangel an höherer Charakteristik, an dichterischer Kraft und psychologischer Wahrheit zuzuschreiben, legen cs den Darstellern zur Last, und gehen so weit zu sagen, daß es in Wien überhaupt keine Schauspieler gäbe, die dieses Drama darzustellen vermöchten. Was sollen die armen Schauspieler thun? Wehrlos, wie sie sind, müssen sie ruhig die Sünden des Dichters tragen. Wir sind das häßliche Stück los, und es wird wohl seine stelle nach kurzem Dasein ausgespielt haben. Grillparzer ist wenigstens dadurch gerechtfertigt, daß er dieses sein Crzeugniß stets vorder Welt, ja vor seinen intimsten Freunden, geheim gehalten hat. Pest, int Januar (Privalmitth.) Die von Ihnen früher und bis jetzt so vielfach befürwortete Idee, an den Universitätsplätzen Vereine zur Unterstützung armer Stuvirender zu. bilden, geht ihrer Verwirklichung immer näher. Den betreffenden Vereinen in Berlin, Leipzig, Dresden, Frankfurt am Main, Prag und Wien, der Stipendienstiflung zu Bonn, hat sich seit fünfzehn Monaten auch Pest angeschlossen, und zwar mit bestem Erfolge. Ter Ausschuß des „Ungarischen israelitischen Landesstipendiumvereines" veröffentlicht seinen ersten Bericht, und kann sich mit Recht schöner Resultate rühmen. Derselbe geht von anderen Grundsätzen aus, als sein Genosse in Wien. Während hier die Unterstützungen zum allergrößten Theile für die Collegiengelder und Promotionskosten, und darum an eine große Zahl Bewerber gewährt werden, sucht der hiesige Verein seine Mittel dahin irnmerfort zu vermehren, Stipendien von je 100 sl. an einen armen Studirenden, also zu dessen wesentlicher Unterstützung, zu verleihen, wozu auch die Eölvösstiftung gehört, welche jährlich 2<mi fl. an einen hülssbedürftigen israelitischen Studenten verleiht. Unser Verein ist nun in der zurückgelegten kurzen Zeit im Stande gewesen, schon zehn solcher Stipendien zu 100 fl., also locio fl., auszuzahlen, mit der Eölvösstiftung elf Studircnde mit I 100 fl. zu subventioniren. Er zählt jetzt 00 gründende und ordentliche Mitglieder. An Mitteln besitzt er gegenwärtig 17,oso fl., und kann deshalb im nächsten Jahre dreizehn Studirente, einen mit 2<>o und zwölf mit 1 <*o fl., unterstützen. Zu diesem Ende schreibt er jährlich einen EoncurS aus, und wählt die Würdigsten und Hülfsbedürftigsten aus den Bewerbern. Auf diese Weise empfiehlt sich der Verein zu wachsender Theilnahme ganz besonders, da mit jeder Steigerung der jährlichen Einnahmen um loo sl. ganz bestimmt ein bedürftiger Studirender mehr Hülse sindet. Es wäre daher gewiß an der Zeit, daß die edelsinnigen Männer in der Provinz diese schönen Bestrebungen der Pester thatkräftig unterstützen, da die Mehrzahl der Unterstützten Söhne der Provinz sind. Bis jetzt hat sich das Beispiel in Wien auch hier erneuert, daß die Geber Bewohner der Residenz, die Empfänger Sohne der Provinz sind. Zu keiner Zeit aber lhat es wohl mehr Roth, den Jüngern der Wissenschaft unter die Arme zu greifen, da die großen Erfolge der Industrie die fähigen Jünglinge immer mehr anzieheu müssen, sich dieser znznwenden, und sich der Roth der Gegenwart und einer nicht sehr günstigen Lage in der Zukunft, wie die Wisienschaft sie bietet, zu entziehen. Niemand aber wird verkennen, welch ein bedrohlicher Zustand hieraus mit der Zeit hervorgehcn würde. Keine größere Genossenschaft kann sich auf die Dauer erhalten, wenigstens auf der Höhe, wenn in ihrer Mitte die Pflege des Geistes fehlt. Auch die Befähigung für die Industrie geht dann in ihr zurück. Der Zustand unserer orientalischen Glaubens- und Stammesgenoffen giebt dafür den Beweis. Ter völlige Mangel an Eultur ist es vorzugsweise, der sie auf die niedrigste Stufe der Bevölkerung herumergebracht hat. Lemberg, 2!. Januar. (Privatmitth.» Die vielen politischen Kämpfe, denen der Kaiscrftaat seit Jahrzehnten ausgesetzt war, haben endlich auch auf die jüdischc Bevölkerung Galiziens einen vortheilhaftcu Einfluß geübt, reffen weitere entwickelnde Kraft auch aus ihnen etwas Anderes machen wird, als sie bis jetzt gewesen sind. Tenn mitten zwischen ringenden Rationalitäien gesetzt, von teilen feine die Juden in sich anfnehmen will, zwar um ihre Gunst buhlt, wenn sie ihr nutzen können, aber sie schmäht nur verfolgt, sobald sie sich Herrin fühlt, sind die galizischen Juden allmälig auch zum Scllstbewußtfein gekommen, und haben den Weg einer selbstständigen Politik Angeschlagen. Welchen? ist unschwer zu erkennen. Sie haben ihre bürgerliche Gleichberechtigung durch die Tecemberversaffung des cisleithanischen Kaiserstaates erhalten; die Aufhebung derselben würde sie wieder in die alle Knechtschaft stürzen, wie die Polen in Galizien thalsächlich bewiesen haben, so daß die Herstellung eines Föderalivstaalcs. die Selbstständigkeit Galiziens, die Juden wieder unter das alte Joch bringen würde. Abgesehen deshalb von den, den Inden so natürlichen liberalen 'Ansichten, erfordert cs die Selbsterhaltung, sich eng an die Verfassung anzuschiießen. Zunächst thar sich dieses erwachte Selbstbewußtfein in rer Bildung des Vereines „Schomer Israel" knur, der auch eine Zeitschrift „Der Israelit" herausgiebt. Es ist bekannt, daß bisher rer Reichstag durch Abgeordnete, welche die siebzehn verschiedenen Landtage res Reiches wählten, gebildet wurde. Waren nun schon die Landtage durch die Rationalitäten beherrscht, so fand