Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 6 (4.2.1873)
- Date
- 1873-02-04
- Page
- Seite 88 (sequence 6)
- Language
- German
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für die qn. Arbeiter und Arbeiterinnen in Ihrem Etablissement möglich ist. Boransgesetzt wird, daß von denselben bei ihrem Eintritte irgend welche technische Borkenntnisse und Fertigkeiten nicht beansprucht werden. Hochachtungsvoll Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Genieindebundes. Moritz Kohner. Berehrlichcr Cultnsvorstand! Der Unterzeichnete Ausschuß ist gegenwärtig damit beschäftigt, diejenigen organisatorischen Maßregeln vorzubereiten, welche zur Beseitigung der Vanderbettelei in den deutsch-israelitischen (Gemeinden geeignet erscheinen. Hierbei glaubt er ganz besonders auch die badereisenden Wanderbettler in's Auge fassen zu sollen, unter denen den wirklich kranken und wegen eines bestimmten Körpcrleidens zum Besuche eines Enrortes geitöthigten — im (Gegensätze zu jenen, die belnrfs lnerativerer Bagabondage eine Krankheit nur simnliren — eine gesonderte Beachtung und Behandlung zu widmen ist. Die Erfahrung hat nun zur Genüge gelehrt, daß der eigentliche Zweck der Badereise für solche mittellose Kranke größtentheils nur in sehr geringem Maße erreicht wird, mid zwar lediglich in Folge aller jener Entbehrungen, Beschwerden und Aufregungen, die ans den steten Wandernnterstützungen während der Reise, und dem dlc othstandsanfenthalte im Badeorte selbst, für sie erwachsen. Andererseits führt ja auch die Anwesenheit des zahlreichen jüdischen Proletariats, das sich stets bei Beginn der Saison in den Badeorten einzusinden pflegt, und das übrige glanbcnsgenössische Badepnblienm durch zudringliches Anbctteln unaufhörlich belästigt, nicht mir für Sie, Ihre Gemeindeangehörigen und die anderen jüdischen Enrgäste, sondern für unsere (Glaubensgenossen im Allgemeinen zu einem Ehillul Haschcm, dessen nachtheilige Folgen für den Einzelnen wie für die Gesanimtheit nicht unterschätzt werden können. Wir halten es nun, um zu einer wirklich nachhaltigen und gründlichen Besserung der beregten Uebelstände zu gelangen, für unerläßlich, daß für die Folge nur solche Kranke in die Bäder befördert werden, denen im Boraus freie Aufnahme, Unterkunft und Badebenntznng zngesichert sind, sei es durch die Berwaltungen der israelitischen Krankenhäuser in den Enrorten, sei es ans dem Wege der Privatversorgnng. Zn diesem Behufe wird nun außer den durch wohlthätige Stiftungen bereits geschaffenen Freistellen in den jütischen Hospitälern auch eine Einrichtung zu treffen sein, daß das entweder schon bestehende oder erst zu schassende Eureomitö für hülfsbedürftige Kranke die Bersorgnng derselben gegen eine, Seitens der Heimalhsgemeinde zu leistende mäßige Entschädigung, in dringenden Fällen ohne eine solche, zn übernehmen habe. Ebenso würde es Sache dieses Eureomitö'ö sein, die glanbenßgenössischen Badegäste zu Beiträgen für den in Rede stehenden Zweck zn veranlassen, und es dürfte hierbei um so mehr auf die (Geneigtheit Jener zu rechnen sein, als sie ja dadurch von der Käst des häufigen Angebetteltwerdens befreit würden. Auch dürste es sich empfehlen, die gewiß gern gewährte Bermittelnng der Herren Badeärzte im Interesse unserer humanen gemeinnützigen Bestrebungen zu verwerthen. Wir würden alsdann an alle Gemeindevorstände in Deutschland, Polen und Rußland die Aufforderung ergehen lassen, nur selche unbemittelte Badereisende zu empfehlen, die, abgesehen von ihrer zweifellosen Bedürftigkeit und Würdigkeit. nach voranfgegangener direeter Verständigung .mit Ihrem Eureomit«' in den Besitz eines Anfnahmescheines gelangen. Hierbei würde allen nicht von ganz renommirten Aerzten, Rabbinern, Kehrern x. ausgestellten Privatattesten resp. Empfehlungsschreiben selbstvei stündlich jede Berücksichtigung zu versagen sein. Die Bertheilnng der Kasten würde nun vielleicht nach folgendem Modus am Billigsten und Wirksamsten bestimmt werden können: 1) Die Wohnortsgenleinde des Kranken, resp. diejenige, von welcher die Empfehlung desselben ansgeht, trägt die auf's Mäßigste zu uorlnirenden Eurkosten, wenn Gratisansnahme unmöglich ist; 21 die Gemeinden der Reiseroute leisten die 'Weiterbeförderung, V. h. natürlich nur solcher, die einen Aufnahme - schein besitzen. Ai Ihr Eureomit«- übernimmt die Unterbringung und weitere Versorgung derselben am Eurorte selbst. Wir ersuchen Sie ergebenst um Ihre gutachtlichen Aenßerungen über diese unsere Vorschläge, und würden Ihnen für etwaige Mitteilungen Ihrer sonstigen oder anderweitigen Rathschläge sehr verpflichtet sein. Sie wellen uns dieselben jedoch gefälligst baldmöglichst zukomiuen lassen, damit wir uns in der Kage sehen, die beabsicktigten Maßregeln noch zum Beginne der bevorstehenden Saison zur Ausführung bringen zu können. Hochachtungsvoll Ter Anssckmß res Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Moritz Kohner. Bonn, 2ll. Januar. (Privatmitth.) Die Mittheilung in sJh\ A über reu israelitischen Gesangverein in Essen hat uns tnehrere sehr erfreuliche Berichte über gleichartige Vereine gebracht, denen jedoch der Mangel an Raum und, bei ihrer Ausführlichkeit, ein Abdruck nicht gewährt werden kann. So wird uns aus Hechin gen geschrieben, daß der dortige Synagogenchor unter Keitung dcö Eantors Lichtcnsiein sehr viel zur Hebung des Gottesdienstes beiträgt, besonders seitdem er durch ein Harmonium unterstützt wird. Auch äuS Hirschberg in Schlesien wird mitgetheilt, daß der Eantor Rn-.anowski einen Männergcsangverein gebildet "hat, welcher an den hohen Festtagen, bei