Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-01-29 · Heft 5 (29.1.1873) · p. Seite 77

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 5 (29.1.1873)
Date
1873-01-29
Page
Seite 77 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226906-3226912--31384-3254298
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

77 zuletzt mit Vergnügen zn, daß er die Fragen, um die eS sich hier handelt, uni ein Tüchtiges weiter gebracht habe. Ans der Unmaße der Gegenstände, die er bespricht, und der Beobachtungen, die er gemacht hat, treten zwei als besonders wichtig hervor: der AnSzng aus Aegypten, und die Frage, ob der jetzt Serbül, oder der jetzt Sinai genannte Berg, als die Stätte der Gesetzgebung anzusehen fei? Diese letztere Frage übergehen wir hier, und bemerken nur, daß EberS sich für den Serbül entscheidet, und dafür allerdings recht gewichtige Gründe in's Feld führt. Die ganze Frage bewegt seit einiger Zeit die Gelehrten mehr als je; wir fügen nur hinzu, daß alle Diejenigen, welche sich mit dieser Frage beschäftigen, die doch nur auS den Berichten des Pentateuchs und in der Vergleichung der Ocrtlichkeiten mit Diesen behandelt werden kann, von vornherein die Antenthicität dieser Berichte zugeben. Von Kairo nach Suez mit der Eisenbahn fahrend, durchschneidet der Reisende hinter Zagazig, dem alten Bubastis, die Landschaft, welche zweifellos das Land Gosen war. EberS berichtet hier: „Der Schienenweg führt zunächst durch einen von dem Südwaffercanal befruchteten Landstreifen zu dem dreißig Kilometer von Zagazig entfernten Tel el Keblr, den: Hauptorte des Wadi Tumilüt. Hier blüht Gosen nach langer Vernachlässigung wiederum als das fette Land, welches Pharao der Familie seines weisen Berathers schenkte. Said Pascha hatte diesen Distriet der lessepsschen Gesellschaft abgetreten, und der regierende Vieekönig Ismail Pascha brachte ihn wieder für zehn Millionen Francs an die Krone zurück. Ter Zug braust weiter, die grünen Felder verschwinden, die Wüste beginnt, und bald entdeckt das Auge keine weitere Spur von der alten Fruchtbarkeit: der alten, denn wir wissen genau, daß dermaleinst an dieser Stelle, welche jetzt von Sand rmd Gestein und weißgranen Salzkrusten bedeckt wirv, die fettesten Weiden und ergiebigsten Aecker grünten. Hier begann das Land Gosen, von dem die Genesis den Pharao sagen laßt: „der beste Platz des Landes." In der Anmerkung habe ich Viel von den Städten Pithom und Ramses gesprochen, in denen die Juden Ziegel streichen mußten für den Pharao. Zu Tel el Kebir hat das kleine Gasthaus bei dem Eaualbaue ein Schild mit dem Namen Hntel Pithom empfangen. Gewiß irrthümlich, da die gewichtigsten Gründe gebieten, diese Stadt weiter nach Südwesten hin zu verlegen. „Je weiter wir fahren, je weniger entspricht das Wadi Tumilüt der Verstellung, die wir uns von dem „besten Platze Aegyptens" gebildet hatten, und doch war er eine kostbare Flur nicht nur für Hirten, sondern auch für Ackerbauer und Gärtner, denn eine zu London aufbewahrte hieratische Papyrusrolle aus der Zeit des Aufenthaltes der Juden in Aegypten blieb uns erhalten, in der wir lesen, daß das Land herrlich, volkreich, wohlbewässert, und ausgezeichnet durch die Produete seines Bodens gewesen sei. „Än vielen Jahrhunderten träger und leichtsinniger Vernachlässigung haben sich die reichen Fluren in dürre Einöden verwandelt. Die Wahrheit jenes Gesetzes, das Napoleon der Große in folgende Worte kleidete: „Bei einer guten Verwaltung erreicht der Nil die Wüste, bei einer schlechten die Wüste den Nil," bethätigt sich alljährlich in Aegypten. „Gerade hier hat der arabische Sand den Nil, oder vielmehr den von ihm abgeleiteten Canal, seit Jahrhunderten nicht nur nicht erreicht, er hat ihn vielmehr verschüttet, und endlich so vollkommen verwischt, daß sich nur noch an wenigen Stellen eine Spur seines alten Bettes Nachweisen läßt. Der alte Pharaouencanal verband vor Zeiten den Nil mit dem Timsahfee, und dieser ward wiederum mit deru rothen Meere verbunden. Blühende Städte lagen einst an seinen grünenden Ufern. Jetzt zieht sich an seiner Stelle durch die Flächen der Schienenweg hin. Dünne Tamariskenbüsche, deren Wurzeln den Böschungen der lockeren Seiten des Grabens Halt und Festigkeit geben, während ihre grüugesiederteu Zweige den Flugsand von dem Wasser abhalten sollen, rahmen die ziemlich schmale Rinne ein, welche von wenigen und kleinen Booten befahren wird." — Wir fügen dieser Schilderung nur felgende Bemerkung hinzu. Ist es nicht wunderbar, wie die Länder, welche die Israeliten einstens bewohnten, und durch ihren Fleiß und ihre Betriebsamkeit zu überaus blühenden, den reichsten Ertrag des Landbaucs und der Viehzucht gewährenden, machten, und ans denen sic durch Gewaltthätigkeit, hier durch die Tyrannei der Pharaonen, dort durch die bluttriefende Völkermorden!: Rom vertrieben wurden,- nach ihnen wüste und den späteren Besitzern nicht zur Freude geworden? Nicht blos Gosen, auch viele Thcile Palästinas sind jetzt vom Sande der Wüste bedeckt, oder durch völlige Vernachlässigung der Unfruchtbarkeit anheimgefallen. Man denke zun: Beispiel an die Landschaft von Jericho, welches einst die.„Palmenstadt" hieß, und noch von den Römern wegen der ringsum gedeihenden Balsamstaude gerühmt ward, und jetzt nur weithin den trostlosen Anblick des Wüstensandes und Steingerölles bietet. Aber selbst von der sinaitischen Halbinsel, in welcher jetzt nur sehr beschränkte Dasen mit Graswuchs und spärlichen Bäumen vorhanden sind, behaupten die Forscher, daß sic zn der Aegypter und zu MosiS Zeiten viel günstiger für die Pflanzenwelt beschaffen gewesen sei. (Fortsetzung folgt.) Marrnnen in ilordfrarrkreich. Schon häusig sind die Spuren spanischer Marranen in Frankreich aufgesunden worden, wo sie sich mehr oder weniger offen wieder znm Judenthume zn bekennen pflegten. Bis jetzt hatte man sie hauptsächlich im Süden, in der Nähe der spanischen Gränze, angetrosfen; es wird aber von Interesse sein zu erfahren, daß sie auch bis in den Norden Frankreichs vordrangen, und daß es ihnen hier sogar glückte, Proselyten zn machen. In einer um die Mitte des siebzehnten Jahrhnnders verfaßten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.