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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-01-29 · Heft 5 (29.1.1873) · p. Seite 78

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 5 (29.1.1873)
Date
1873-01-29
Page
Seite 78 (sequence 12)
Language
German
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78 Schrift, De la Religio« Catliolique en France von Lezeau, heißt cS: „Gewisse in Nonen wohnhafte Portugisen und andere Kaufleu 1 e der genannten. Stadt, welche durch gerichtliche Untersuchung angeklagt und überführt wurden, das Zudenthuul geübt zu haben, find von dieser Anklage durch einen Beschluß aus der ZeitFes Herrn (5ardinals Richelieu (Premierminister 1621—1612) befreit worden, in Felge reichlicher Bezahlung ihrerseits <mo)'0iinant finaiice)." *i War dies dock ein Besänftigungsmittel, das selbst bei der bigotten spanischen Negierung, den Juden gegenüber, seine Wirkung meistens nicht verfehlte. __ Vermischtes. Vor Kurzem erschien eine neue „Geschichte der Wissenschaften seit den beiden letzten Jahrhunderten" unter dem Titel: „Ilistoire des Sciences et des Savants depuis deux siecles, par Alphonse de C an dolle, t 873." In derselben läßt sich der Verfasser über die Juden folgendermaßen ans: "„.Tie Vergleichung der Israeliten mit den christlichen Völkern scheint mir in dieser Beziehung von hohem Werthe. Sie zeigt Verschiedenheiten , welche die civile und religiöse Geschichte nicht erklären kann, während der Atavismus id. i. Erblichkeit h. Eigenschaften von den Ahnen) genügende Rechenschaft gicbt.Ich habe die jüdische Bevölkerung stets arbeitsam, intelligent, sparsam, zuweilen freilich bis zum Geize, aber milrthätig, wenig geneigt zu Gewaltthätigkeiten, zu Verbrechen gegen die Personen, und wenig der Völlerei ergeben gesehen. Man wirft ihr den Mangel an Würde, die Unterwürfigkeit, die Schlauheit in Geschäften vor. Im Ganzen hat sie die Eigenschaften und die Fehler der hechcivilisirten Völker, das heißt vortreffliche Eigenschaften und erträgliche Fehler. Wäre Europa allein von Juden bewohnt, so würde es ein seltsames Schauspiel bieten. Es gäbe keine Kriege mehr: das moralische Gefühl würde also nicht so oft schmerzlich berührt, Millionen von Menschen würden nicht nützlichen Arbeiten entzogen, die Staatsschulden und die Steuern würden geringer werden. Wissenschaften, Künste, Literatur, besonders die Musik, würden blühen; ebenso Handel und Industrie. Wenig Attentate gegen die Personen; enorme Vermehrung des Reichthums; ausgiebige Mildthätigkeit. Leider auch viele Bestechungen, und bei den Angestellten wenig Festigkeit. Frühzeitige und zahlreiche Heirathen; wenig Immeralität — die Bevölkerung würde gesund und schön werden.Freilich wäre diese Gesellschaft nicht lebensfähig. Wenn in Europa oder den Nachbarländern nur einige -Nachkommen der alten Griechen oder Lateiner, der Gelten, Germanen, Slaven oder Hunnen übrig wären, so würde diese Gesellschaft bald unterjoch! und ausgeplündert sein. **) *) Ij. Cimljoi' et F. Danjöu, Archives Curienses le l'kistoire de France, Serie I Bd. XIV iPariö 1S.J7) p. $;>. **) Hätten die Silben von ihren -Ihnen in Palästina gar nicht die Fähigkeit geerbt, sich zur Wehre zu setzen und zu verteidigen? Redaction. . . . . Mit einem Worte, man kann sich kein großes, hochcivikisirtes, das heißt sehr menschliches, sehr sanftes, sehr intelligentes und sehr reiches Volk vorstellen ohne Plünderer, die über eS herfallen, und ohne Despoten, die ihren Nutzen daraus ziehen/' Warum so? „Die Juden", sagt Candolle, „sind eines der ältesten Eulturvölker — die Christen kommen eben erst aus der Barbarei. Fallen jene durch Atavismus in einen früheren Bildungsgrad zurück, so ist es immerhin in einen Eultnrzustand, wahrend wir christlich-romanischen oder christlich-germanischen Völker, wenn wir durch Rückschlag unseren Ahnen ähnlich werden, damit zugleich nothwendig in die Barbarei zurückfallen müssen." n a ch t r a g. Leipzig, 20. Januar. (Privatmitth.j Die vom Ausschüsse des deutsch-israelitischen Gemeindebundes veröffentlichte Broschüre „Tie Einordnung des israelitischen Religionsunterrichtes in die Volksschule" ist von demselben an die betreffenden deutschen Cultusministcricn und Landtagsschulcommissionen, an die Vorstände der Bundesgemeinden, an die Redaetionen der jüdischen und der bedeutendsten politischen und pädagogischen Blätter, sowie an einige hervorragende Privatpersonen gesandt worden. Es dürfte interessiren, zu erfahren, daß die genannte Broschüre sich bereits eines theilweisen Erfolges zu erfreuen hat, insofern nämlich, wie uns von gutunterrichteter Seite mitgetheilt wird, der Herr Eultusminister l)r. Falk sofort Veranlassung nahm, sie dern Referenten für Schulsachen im preußischen Enltusministerium zu eingehender Berichterstattung zu überweisen. Es steht demnach zu erwarten, daß „Thesen und Gutachten" das Ihrige dazu beitragen werden, die in Rede stehende Angelegenheit in denjenigen deutschen Staaten, die damit noch im Rückstände sind, ihrer Erledigung im Sinne vollster religiöser Gleichberechtigung baldigst entgegenzuführen. Von Seiten des genannten Ausschusses sind in diesen Tagen zwei Circulare versandt worden*), deren Inhalt auch in werteren Kreisen unserer Glaubensgenossen eine aufmerksame Beachtung finden dürfte. Das Eine, an die Eultusvorstände in den Badeorten gerichtet, bespricht die in denselben durch die bade reisen den Wauderbettler veranlassen Uebelstände, und die zur Abhülfc geeigneten Maßregeln; durch das Andere, an die Besitzer gewerblicher Etablissements adressirt, will der Ausschuß die Möglichkeit gewinnen, solchen Unterstützung begehrenden Personen, die arbeitsfähig sind, durch Stellennachweise theils zu begegnen, theils behülflich zu sein. Durch neuerdings erfolgte Beitrittserklärungen ist die Zahl der dem deutsch-israelitischen Gerneindebupde angehörenden Gemeinden auf 132 gestiegen. — *» Sie werden in nächster Nummer mitgethcilt werden. R e d a c t i o n.

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