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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-01-29 · Heft 5 (29.1.1873) · p. Seite 75

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 5 (29.1.1873)
Date
1873-01-29
Page
Seite 75 (sequence 9)
Language
German
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75 waren, weshalb wir hoffen, daß die Bitte der Deputation berücksichtigt werden wird. WünschrnSwerth wäre, daß endlich klare Bestimmungen über die Nichlanstetlungsfähigkeit der Juden als Richter erlassen würden. Wir hoffen und wünschen gerade im Gegentheil, daß die Staatsregierung sich nickt als willenloses Werkzeug von gewissenlosen Intriguanten und bornirten Fanatikern zu Ungunsten der Juden gebrauchen lassen, sondern vielmehr in Theorie und Praxis diesen gegenüber fortan nur den Forderungen der Gerechtigkeit und der Humanität Folge geben werde. Jene talmudischen Bestimmungen, auf welche sich die „Neue Zeit" beruft, existiren gar nicht, und das Beispiel derjenigen Länder, in denen die Juden schon längst als Richter fungiren, beweist hinreichend, daß die Justizpslege unter diesem Umstande gewiß keinen Schaden erleide. Tie „Russische Welt" berichtet, daß im Ministercoinitö von Seiten des Finanzministers der Antrag gestellt worden sei, die noch auf den Juden des Gouvernements Kowno lastenden Rückstände von Staatsabgaben auf zwanzig Jahre zu vertheilen. Tie Bestätigung dieser Mittheilung bleibt abzuwarten. — Dem heizsüchtigen „Golos", der in Haß und Abneigung namentlich gegen die Juden das Unglaublichste geleistet, und diesen in den Augen urtheilsloser Leser nicht wenig geschadet hat, ist, wie Ihnen schon anderweitig bekannt geworden ist, wegen seiner gemeinschädlichen Tendenzen am 13. v. M. vom Minister des Inneren die erste Verwarnung ertheilt worden. Möge eine gewisse Gattung von Journalisten endlich einsehen, daß durch ihr giftiges, ihre ganze sittliche Verkommenheit decumenlirendes Wüthen gegen die Mitglieder der einen oder der anderen Nationalität oder Konfession im Staate diesem selbst die tiefsten Wunden geschlagen werden, welche die innere und äußere Entwickelung desselben nach allen Züchtungen hin hemmen. Aus die wildesten Volkslcitenschasten speculiren, verräth immer den niedrigsten Parteistandpnnct, die denkbargrößte Rohheit des Gemüthcs, und intellectuelle Einseitigkeit, . sowie nicht »linder den vollständigen Mangel an wahrer Vaterlandsliebe! Kiew, Ende Tecember. fPrivatmitth.) Bornirte Judenfeinde machen unseren Glaubensgenessen mit besonderer Vorliebe den Vorwurf, daß sie nur Sinn und Neigung für Schacher und Wucher besitzen, daß sie jeder anderen Beschäftigung, die ihnen nicht schnellen, reichlichen und mühelosen Verdienst gewährt, abhold sind. Es ist daher gut, von Zeit zu Zeit solche verlänmderische Angaben, di« nur den Zweck haben, den Haß der übrigen Bevölkerung gegen uns stets wach und srisch zu erhalten, durch Anführung von bestimmten Thatsacken, die das Gegentheil beweisen, Lügen zu strafen. Ich will jetzt nicht daraus Hinweisen, daß die Schulen von Seiten der jüdischen Schuljugend sehr stark, weit, weit über Berhältniß besucht werden; auch nickt darauf, daß die Jlidustrie, taS Fabrikwesen durch unsere Glaubensgenoffeu in einem bedeutenden Grade gefördert und einer immer größeren Zukunft entgegengesührt wird, sondern auf eine ganz andere Erscheinung, der wir ein größeres Gewicht und eine tiefere Überzeugungskraft beimeffen muffen. Wer sich nämlich in unserem Gouvernement ein Wenig umsieht, wird finden, daß von den Juden, namentlich der Mittelclaffen, sehr stark Ackerbau getrieben wird, und nickt allein von den Männern, sondern — merkwürdig genug! — weit mehr noch von Frauen und Mädchen. Sie haben von der Regierung Grundstücke gepachtet, und bearbeiten dieselben nach allen Richtungen hin mit Eifer, Ausrauer und Geschick, als ob sie geborene Landleute wären, die von ihren Aeltern und Großältern nichts Anderes vor sich gesehen hätten! Wir sehen also auch hier wiederum, ras; rer Jure nickr ausschließlich dem Handel zugeneigt ist, daß er vielniehr, wenn rie Verhältnisse es nicht geradezu verhindern, gern auch anderen gemeinnützigen Beschäftigungen, die mit viel Schweiß und wenig Lohn verbunden sind, mit ausdauerndem Fleiße obliegen kann und obliegt. Bekanntlich ist die Frage, ob dahin zu wirken sei, daß die Juden in größerer Anzahl dem Ackerbaue zugeführt werden sollen, in unserer russischen Presse pro und contra lebhaft besprochen worden. Die gewichtigsten nationalökonomischen Stimmen sprachen sich dagegen ans. weil dadurch der städtischen Bevölkerung, welche im Ganzen ca. I l,5 «.« der Gesammtbevölkerung res Reiches auömacht, und eher eine Stärkung als eine Schwächung verlangt, die thätigst'en und belebendsten Elemente entzogen würden. Die umfassenden Werke des Fürsten Waffylschtschikow „Ueber Selbstverwaltung", und des Professor Jansou „Forschungen über den Getreidehandel im ganzen Nordwestlande" u. 's. w. geben an der Hand der eingehendsten statistischen Nachweise über diese ganze Materie, sowie namentlich über den segensreichen Einfluß der Juden auf die Entwickelung des Handels, der Industrie und des Nationalwohlstandes des Reiches, die beste und unparteiischeste Auskunft.?(ujrac«. Cincinnati, im Tecember. Nach dem hier erscheinenden Jöraelite haben sich in Great: Rapids achtzig Israeliten niedergelassen, eine Gemeinde gebildet nur eine Synagoge cingcweiht. Der Bürgermeister der Stadt ist zu gleicher Zeit der Präsident dieser Gemeinde. — In Las Vegas lNeumexico» wohnt eine Anzahl Juden. Sie ließen den "Reverend M. Fleischer von Denver kommen, um ihre Knaben, eine ziemliche Zahl in bereits mehr oder weniger vorgerücktem Alter, in den abrahamitischen Bund ansnehmen zu lassen. — In Little-Reck (Arcansas) ist eine neue schöne Synagoge mit 275» Sitzen errichtet worden. — Nach dem Jewish Meffenger haben die israelitischen Studirenden an der Universität zu Sanamento in Ealifornien an tu«' Verwaltung derselben das Gesuch gerichtet, die hebräische Sprache unter die Universitätsgegeustäntc aufzunehmen. Diesem Gesuche ist bereitwillig nackgekommen, und ein Profeffor der hebräischen Sprache angestellt worden. 5

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