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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-01-29 · Heft 5 (29.1.1873) · p. Seite 74

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 5 (29.1.1873)
Date
1873-01-29
Page
Seite 74 (sequence 8)
Language
German
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BanquierS aus dem Ghetto, Mitglieder deS MunicipalratheS von Rom geworden waren (die Herren Piperno und Alatri, zwei Namen von zwei Ortschaften, die als Namen von Männern dienen». Zu gleicher Zeit haben verschiedene Zeitungen, deren Tircctoren Juden sind, die Opinione, die Liberia, die Nuova Noma, ganz besonders den Groll der Priester und der Mitglieder der Gesellschaft für katholische Interessen erregt. Es ist in der klerikalen Welt zur Mode geworden, sich an die Ebrei zu halten als an eines der Elemente, über welches der Vatican sich am Meisten zu beschweren hat, und Pins IX. hat sich zum Echo dieses Eindruckes gemacht. Ich benutze diese Gelegenheit, Ihnen das allgemeine Auftreten der in der italienischen Politik bewanderten' Juden zu charaktcrisicen. Man kann behaupten, daß im Allgemeinen es nichts Ungerechteres gicbt, als die Politiker und Schriftsteller jüdischer Religion in Italien als besonders heftig in den politisch-religiösen Fragen zu bezeichnen. Fast alle israelitischen Schriftsteller und Deputirte - gehören für das Ganze der Fragen der gemäßigten Partei, dem rechten Centrum an, und dementiren ihre gemäßigte Haltung keineswegs in den politisch-religiösen Fragen. In der Angelegenheit der Generalate haben fast alle israelitischen Deputirten, und zwar die bedeutendsten unter ihnen, die Herren Dina, Aurogonato :c., mit der gemäßigten Partei für Artikel 2, d. h. zu Gunsten der Generalate gegen die besondere Ausschließung der Jesuiten, votirt. Tiefe Abstimmungen wurden ihnen selbst durch einige dem Fortschritte huldigende Organe zum Vorwurfe gemacht, welche von Freidenkern katholischer Herkunft redigirt werden. ES ist wahr, daß in Rom Zeitungen, wie die Liberin und die Nuova Roma, in religiösen Fragen eine, wenn auch nur wenig jakobinische Haltung einnehmcn; aber sie sind weniger heftig, als die von Katholiken redigirten jakobinischen Organe, und die Opinione behandelt alle diese Fragen mit der größten Unparteilichkeit. Wenn man von einigen seltenen Ausnahmen absieht, fällt daS israelitisch-italienische Element dem aufmerksamen Beobachter durch den Geist seiner seltenen Mäßigung auf. Pius IX. hat ein allgemeines Urtheil nach Ausnahmen gefällt." — Soweit der TempS. Sein unparteiisches Urtheil ist unS wichtiger, als die Anschuldigungen des alten Pius, der Alles verurtheilt, was sich ihm und seinem Unfehlbarkeitsanspruch nicht zu Füßen legt. Rumänien. Bukarest, 9. Januar. Wie die „Rumänische Post" erfährt, sind die rumänischen Israeliten fest entschlossen, eine Petition um ihre bürgerlichen Rechte jetzt an die versammelten Kammern zu richten. Rußland. St. Petersburg, im Jan. lPrivatmitth.) Die von der Staatsgesetzgebung seither vollständig ignorirt gebliebenen ehe- - rechtlichen Verhältnisse der Juden sollen, wie man hört, der hierher zu berufenden Rabbinerconfereuz zur Regulirung überwiesen werden, und das Ergebniß der Berathungen und Beschlüsse derselben ihre Sanction durch die Staatsregierung erhalten Es handelt sich um Prüfung der bis jetzt als Norm dienenden talmudischen Bestimmungen über Eheschließung und Scheidung, sowie Ehalizah, Wiederverheirathnng Geschiedener:c. vom Standpuncte des staatsgültigen Eherechts, in Verbindung mit den veränderten politischen und socialen Verhältnissen der Juden in der Gegenwart. Eine eingehende gesetzliche Regelung aller einschlägigen Fragen hat sich schon längst als unabweisbare Nothwendigkcil erwiesen, da die gerade auf diesem Gebiete herrschende Verworrenheit und Rechlsnugleichheit zu den größten, tief in's Familienleben eingreifenden Unzuträglichkeiten, sowie zu den mannichfachsten verwickellsten Eollisionen mit der, aus modernen Anschauungen beruhenden, allgemeinen eherechtlichen Gesetzgebung geführt hat. — Durch die neuerdings bekannt gewordenen Bestimmungen über die Militärpflicht der Juden sind dieselben bis auf wenige, auf Lccalverhältnisse Bezug nehmende Modisicationen, den Bekennern der übrigen Confessionen gleichgestellt. Wir kommen später einmal ausführlicher auf diesen Gegenstand zurück, von dessen richtiger Behandlung das Einleben der Juden in das politische und Eultirrleben der Station so sehr abhängt. — Für die diesjährige Necrutenaushebung ist behördlich wiederum daran erinnert worden, daß fortan durch die Taufe kein Jude etwa das stecht erlangt, von rer Militärpflicht befreit zu werden. Der russischen ,/Neuen Zeit" entnehmen wir Folgendes: „Obgleich das Gesetz nicht geradezu verbietet, daß Juden zu Richtern gewählt werden und als solche fungiren können, so geschieht es in der Praxis doch, daß sie, wenn gewählt, vom Senate oder, in Westrußland, vom Justizministerium, nicht bestätigt werden; nur in denjenigen Fällen, in welchen diesen Behörden die jüdische Abkunft des zum Richter Vorgeschlagenen zufällig nicht bekannt war, erfolgte die Bestätigung desselben. Der Grund, weshalb die Juden vom Richteramte fcrngehalten werden, liegt darin, daß nach den diesbezüglichen talmudischen Bestimmungen (?) ein jüdischer Richter einer jüdischen Partei gegenüber nicht diejenige richterliche Unparteilichkeit und Auctorität bewähren könne, wie sie das Gesetz und die Wohlfahrt der Gesellschaft verlangen. So kaur es denn, daß, wie uns berichtet wird, eine Deputation aus Jalta soeben in St. Petersburg eingetrosfen ist, mit dem Aufträge, die Cassation der dort stattgehabten Wahl eines Juden zum Richter zu erwirken. Derselbe hat nämlich nur die Stimmen seiner Glaubensgenossen erhalten, während die Christen und die Tartaren gegen ihn

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