Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1873)
- Date
- 1873-01-29
- Page
- Seite 72 (sequence 6)
- Language
- German
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72 die Zahl der Bernrtheilten und Freigesprochenen ist die Betheiligung nach Konfessionen nicht angegeben. Berlin, im Januar. «Privatin.) Das Centralcomitö der «Vllianee isr;u*.life universelle in Paris hat in der Sitzung vom s,. d. M. beschlossen, den jährlich für Leistungen aus dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft ausgesetzten Preis von 2<m Francs dieses Mal dem Herrn I>r. A. Berliner in Berlin zuzuerkennen. Osterspai i^lassaui, Januar. (Privatmitth.> Am 7. d. M. feierte ein zwar unbemitteltes, aber noch recht gesundes Ehepaar unter den wenigen hiesigen Israeliten Fine „goldene Hochzeit", woran sich viele Israeliten ans der Nachbarschaft und auch hiesige Christen betheiligt haben, weil sich der Jubilar, Jakob Kaufmann, und dessen Ehefrau, Beronica geb. Heymann, ihres rechtschaffenen Lebenswandels halber bei ihren Glaubensgenossen und Mitbürgern, trotz ihrer Armnth, von jeher eines guten Leumundes zu erfreuen hatten. Ties bewiesen auch die vielen Hoch;eitsgaben, welche dem Jubelpaare schon vor Beginn der religiösen Feierlichkeit verehrt worden sind. Der Herr Bezirksrabbiner Pr. Hochslädter aus Bad Ems leitete den Gottesdienst, und hielt eine sehr ansprechende Predigt. Ter religiösen Feier folgte ein Festmahl, bei welchem unter Anderen der katholische Ortspfarrcr einen schönen Toast ansbrachte. — Gewiß ist hier abermals der Beweis geliefert, wie in der Provinz Aassau, als Folge der seil IS17 bestehenden Eommnnal- (resp. Simultan-) Schulen, kein Eonfessionshaß, wie solcher in Altpreußen bis in die jüngste Zeit groß gezogen winde, sich eiuwnvzeln konnte, sondern vielmehr die Bekenner der verschiedenen Religionen friedlich zusammen leben. Oestrnchisch-migaiischc Monarchie. Aus dem Tokajergebirge, im Januar-. «Privatmitth.) Seit mehreren Monaten wülhel in unserem Gebirge die Cholera, die in jenen Ortschaften, welche an Flüssen liegen, besonders heftig arrslrat. Wer gleich uns Gelegenheit fand, das Verfahren anderer tlieligionSgenessenschaften zu beobachten, muß rer Energie der Israeliten Beifall zollen; denn das Srerbevechältniß bei den Inden war nicht nur ein geringeres, sondern auch die Mildthätigkeit unserer Eonfession des Lobes würdig. Glicht allein, daß in den Eholeraspilätern bei den Inden mehrere tüchtige Aerzte der Start täglich ein- und ausg'mgen, Krankenwärter mit den Medieamenten stets bereit standen, und die Chewra-Kednscha in crncm Zeiträume von sechs Wochen an fünftausend Gulden verausgabte, wurden von Privaten bedeutende Snmnien unter die Armen der Stakt vertheilt, damit die Krankheit nicht noch mehr um sich greise. Man kann annehmen, daß die Juden der christlichen Bevölkerung zum Muster dienten. Während man in den christlichen Spitälern sich ängstlich von den Kranken fernhielt und die Pflege Zigeunern übertrug, die den Patienten die Kleider stahlen, lernte man von den Inden beherzt mit den Unglücklichen umgehen, und die christliche Liebe machte praktische Studien beim jüdischen und mancher christliche Kranke verirrte sich in das jüdische Hospital. DaS Synagogen- und Schulwesen macht im Gebirge wenig Fortschritte. In Tekaj dauert der Hader fort, und in Sätorallja Ujhely kann weder das Gemeindewesen, noch die Schule sich entwickeln. Auch Liszka hat sich vom Schauplätze einstweilen zurückgezogen, da sein Wunderrabbi, von der Cholera verscheucht, nicht in seinem Rabbinatssprengcl anwesend ist, und die Fremden das Wallfahren während der Dauer der Epidemie eingestellt haben. Auch Patak bleibt seinen Traditionen .treu, das Schulwesen liegt danieder, die Gemeinte ist ohne Organisation, und sein Rabbi hat ebenfalls Reißaus genommen. Homonna, welches so glücklich ist keinen chassidischen Rabbi zu besitzen, hat sein Schulwesen neu organisirt, und zeitgemäße Kräfte angestellt. S.->torallja Ujhely, welches bisher eine Mnsterschule aus Mitteln des Schulsonds hatte, kann sich von seinem Ehederwesen nicht trennen, und war untröstlich, als man vor wenigen Wochen seine Winkelschulen aus Sanitätögründcn auf einige Monate schloß. Seit dem Erlöschen der Epidemie ist ihr Lieblingskind wieder geöffnet, und wird von 500 Schülern besucht, während die neu organisirte Gemeiudeschute 100 Schüler zählt. Einstweilen liegt sich das orthodoxe und das fortschrittliche Judenthnm Ungarns in den Haaren, und überläßt den Ehassidäern die fetten Bissen. Um ein Bild der ungarischen Zustände an dieser Stelle zu geben, sei hervorgehoben, daß. Ujhely eS mit seinem orthodoxen Gewissen nicht vereinbar fand, sich um eine Unterstützung aus dem ungarisch-israelitischen Schulsonds bei dem Diftrictspräsidenten, Herrn Dr. Ungar, zu verwenden, und das Bittgesuch der fünskirchencr Cnltnsgcmeindc, obwohl sie in ihrer Mehrzahl dem Fortschritte huldigt, vom hohen Ministerium für CultuS und Unterricht an die orthodoxe Eanzlei in Pest gewiesen ward. Das sind die Früchte des Ministeriums Pauker, die Resultate des Congresses. Tie Gebildeten wenden sich mit Widerwillen ab von solchem Treiben, und unser neuer Eultusminister möchte wohl thuu, bei einigen hervorragenden Theologen und Vertrauensmännern die Wirren der Gegenwart zu studircn; eS wäre an der Zeit, dem tactlofen Treiben rechts und links auf die Finger zu klopfen. Bon den ehemaligen Musterlehrern der bestandenen Musterschule in Ujhely wurden zwei der hervorragendsten magyarischen Kräfte, die Herren Stern und Führer, an die Uebnngsschnle nach Pest berufen; es steht zu erwarten, daß die hochlöbliche israelitische Landescanzlei in Pest im Vereine mit dem hohen Eultnsministerium die Angelegenheit der übrigen Lehrer dieser Anstalt baldigst regeln wird. Insbesondere wollen wir durch diese Zeilen Herrn Pr. Simon, Sccrctär der LandeScanzlei, darauf aufmerksam gemacht haben, daß das Schulwesen Oberungarns gänzlich daniederliegt, und daß es patriotische Pflicht ist, Inspektoren aus Mitteln des Schulsonds zu ernennen, denen