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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-01-29 · Heft 5 (29.1.1873) · p. Seite 69

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 5 (29.1.1873)
Date
1873-01-29
Page
Seite 69 (sequence 3)
Language
German
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6S vorauszusetzen, als die Trennung der arischen Völkerstämme vor sich ging. Aber nur auf das erste Moment wirr gefußt, und nun ein wesentlicher Unterschied zwischen der semitischen und der arischen Racc constatirt, dessen 5Tpfcr die Juden sein sollen. Das verschweigen diese Leute, daß in der großen geschichtlichen Entwickelung die arischen und semitischen Bölkerslämme sich vielfach vermischt, daß sie sich gegenseitig beeinflußt, daß die arischen Völker, namentlich die abendländischen, von den semitischen Hebräern die tief umbildende religiöse Lehre und die Grnndprincipien der Gesellschaft empfangen und in sich ausgenommen, dagegen die semitischen Völker und insbesondere die Juden von den arischen die stärksten Impulse der Cultur erhalten haben, daß also durch Vermischung, Ineinanderleben, Geben und Empfangen solche Racenunterschiede, wo sie nicht durch besondere Umstände und Verhältnisse in ihrer Schärfe erhalten blieben, längst verwischt sind, oder doch so abgeschwächt, daß sie für faetische Zustände keine Bedeutung mehr haben. Es war ein neues Stichwort gefunden, wenn auch nur neu dem Namen nach. Tie Juden sind, heißt es. Semiten, und darum mit den Ariern tmvereinbar, eine für sich bestehende und abgeschlossene Race mit so unterschiedlichen, charakteristischen Merkmalen an Geist und Körper, daß an eine Amalgamation, daß an eine nationale und staatliche Verschmelzung, ja nur an Vereinbarung der Interessen nicht zu denken sei. Man sieht leicht, wohinaus Dies eigentlich will. Die Inden sollen fort und fort eine fremdartige Masse, ein wo möglich feindlicher Theil mitten unter den Völkern und in den Staaten sein; in alten össemlicheu trnd gesellschastlichen Verhältnissen soll man sie als fremde, anderen Zielen zustrebende, mit der eigentlichen Bevölkerung zusammenhangslose und ihr antipathische Menschen betrachten und behandeln, und ist Ties nur erst wieder der öffentlichen Meinung eingesenkt, so wird man auch aus die gesetzlichen Bcstiinrunngen umwandelnd wieder einwirkcn können. Ties ist das geheime Raisonnement unserer unversöhnlichen Feinde, und sie werten es daher nicht müde, mit ihren Racebezeichnungen zu spielen, so kindisch diese auch an sich sind. Tenn | selbst, gesetzten Falls, es beständen solche charakteristische Unter-! schiede, so ist es doch dem modernen Staate und der modernen! Gesellschaft nicht zuzumutheu, ans derartige Individualitäten ir-! gend ein Gewicht zu legen. Jedermann weiß und fühlt au sich ' selbst, daß die menschliche Gesellschaft aus Individuen sich zu-' sammensetzt. die niemals eine gänzlich eensormc Masse zu bilden vermögen; Niemand kann sich seiner Individualität entkleiden, und Niemand soll dies auch. In dieser Individualität liegt die größte schöpferische Kraft der Menschheit, und eine völlig nivellirte Masse würde dem Stillstände anheimsatlen. Ja, Staaten, welche, wenn auch mit Maßen, verschiedene Nationalitäten und Konfessionen umfassen, werden gerade hierdurch, und durch die hieraus entstehenden Reibungen, znm Fortschritte genethigt und angetriebeu. Der Staat, der nur eine uniforme Masse ertragen kann, ist ein rein despotischer, und muß es werden, wenn er eS noch nicht ist. Der Staat faßt die ihm einwohnende Masse in ihren allgemeinen Interessen zu einem Verbände zusammen, und läßt innerhalb dieses Verbandes die Individualitäten sich entfalten und thätig sein. Er hat sich um diese Letztere so lange nicht zu küntmern, als er sie nicht feindlich gegen sich gerichtet sieht. Dies kann Niemand hinsichtlich rer Juden Nachweisen, und ohne Nachweis ist eine Behauptung mit oder ohne Absicht falsch und sträflich. Sollten also selbst die Juden eine gewisse Individualität behalten haben, so darf dies auf ihre staatliche Stellung keinen Einfluß üben, Noch weniger aber, als der Staat, darf die Gesellschaft ans solche Schulweisheit, oder Geburten des Hasses, eineu Werth legen. Sie, die nuanshörlich an ihre Ausdehnung, an das Herein ziehen der fernsten und fremdartigsten Völker in das große Netz ihrer Gemeinschaft, ihrer Solidarität der Interessen, ihres Austausches in geistiger mit materieller Produetion und Eonsumlion, denkt und dafür mit den höchsten Anstrengungen, mit Wagnis; und Spsern, thätig ist, kann nicht in ihrem Schoße, in den Mittelpnnctcn ihres Lebens, ans theils singirten, theils für sie unwesentlichen Unterschieden heraus, Ausschließung und Beschränkung geltend machen. Bon hier aus bestrebt man sich nun auch den ersten jener drei Puncte wieder fruchtbar zu machen. (Schluß folgt.) Die Israelitische Melilnstalt. Unter den in jüngster Zeit gemachten Anstrengungen, für die Verhältnisse unserer Glaubensgenosseuschaft nach außen hin wirksam zu sein, und die dafür vorhandene Theilnahme in Vereinen zn eoucentriren, dürfen wir diejenigen Institute nicht in Vergessenheit gerathen lassen, die dazu angcthau sind, die innere Pflege und Hebung des Judenthums zu fördern. Vielleicht bedürfen Diese thalkräftige Aufmerksamkeit mehr als je, da man sonst den Kern vernachlässigen könnte, während man für die Schale sorgt, des Wesens uueingedenk ist, indeß man der Erscheinung möglichen Glanz zu verleihen sucht. Zu diesen Anstalten gehört gewißlich die israelitische Bibelanstalt. Man wird sich erinnern, daß diese von dem Gedanken aus gegründet ward, durch freiwillige Beiträge die Stcreotypirung des Textes und der deutschen Uebersetzung zu bestreiten, und so den Preis für die zu liefernden Bibeln auf die Kosten des Druckes, des Papiers und der Rabatte (in einem Freiexemplare aus je zehn bestehend, zu beschränken. Diese Beiträge flössen bald in dem Maße zu, daß an die Berwirtlichung dieses Gedankens gegangen werden konnte. Für die Ausführung vereinigten sich der Sberrabbiner Dr. Landau in Dresden, der Rabbiner Professor Nr. Kacmpf in Prag, und der Herausgeber dieser Zeitung. Von diesen wurde die zn Grunde gelegte phiUppsousche Uebersetzung revidirt und, vom Slandpuncte des populären Ausdrucks und

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