Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1873)
- Date
- 1873-01-22
- Page
- Seite 60 (sequence 12)
- Language
- German
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ton Antipoden, in jenen australischen Kantern, entwickelt, deren Entdeckung so zu sagen von gestern ist: wir resuiniren die Berichte, welche die Iew. Ehrou. in London, und ein Localblatt, der Australiau Israelit, geben. Herr Laut Samuel, der schon häufig Schatzmeister der Eolouie Lceusüdwales gewesen, ist in das Oberhaus der Eoloniallegislatur berusen worden : er ist Bi'eepräsident der Berwaltung, und vertritt die sttegierung bei der Kammer. — Ter (Geistliche der israelitischen Gemeinde von Simen, Herr Tavis, hat dort ein Bezirkscomitö gebildet, das von der Auglo-Iewish Association in London abhängig ist; zu diesem Zwecke hat er Circulare an die Glaubensgenossen in den verschiedenen australischen Eoloiiieen gerichtet, um sie auszufordern, theils Voealeomit-'-s zu bilden, theils sich an dem von Simen zu betheiligen; die Aussorderung des lw. Benisch war es, welche diese ganze Bewegung hervorries. — Ein zahlreich besuchtes Meeting hat sich in Melbourne versammelt, um der .Hungersnot h in Persien zu Hülfe zu kommen. Ter Bischof entschuldigte sein Nichterscheinen, aber versprach eine Subscription. Ter Bürgermeister prästdirte. 2äno Fres. wurden während der Sitzung gezeichnet, und in kaum einem Monate gingen 22,«»00 Francs ein. — Eine Bersammlung israelitischer junger Leute vom verschiedensten Alter (von zehn bis sechsundzwanzig Jahren) kam in derselben Stadt zusammen, um einen philanthropischen Ingendvereiu zu bilden, dazu bestimmt, die Mittel des großen israelitischen philanthropischen Vereins zu Melbourne zn vermehren. --- Herr Edward K'ohen hat den Posten des Handelsuud Touauenconuuissars der Eolonie Bictoria übernommen. — Einer der Eigenthüuier des Hobart Town Mercury, Herr Tavies, Mitglied der gesetzgebenden Versammlung dieser Eolonie, ist jüngst gestorben. — Tie Zeitung zeigte die Berufung mehrerer Israeliten zu richterlichen Aeintern an. — In Saint-Kilda. nahe bei Melbourne ^Victoria!, wo sich jetzt eine Gemeinde gebildet hat, beabsichtigt man, eine Synagoge zu erbauen. — Herr E. Koben. welcher im Eabinel von Victoria die Stelle des Tonanencommissars angenommen hat, hat sich zur Wahl in Melbourne vorgestellt, und ist auch wieder gewählt worden. — Ter jüdische Lileralurvcreiii von Melbourne hat seine erste Jahresversammlung gehalten. — Herr Harris V. Nelson ist vom Tislricte Orange wieder zuiu. Parlameutsmitgliede von Nensndwales gewählt worden. J e u l s filme Berliner Briese. VI. Bekanntlich wundert sich Terjenige, welcher — ganz abgesehen von den Eisenbahnen — die gegenwärtigen Chausseen und Posten mit denen vor einem halben Jahrhunderte noch zu vergleichen vermag, über die Ungeschicklichkeit unserer Vorältern, welche so große Beschwerden und Uebel ertrugen, von denen wir uns eines großen Theiles entledigt haben. Sicherlich werden sich unsere Enkel über die Geduld verwundern, mit der wir, Tag ans, Tag ein, das berliner Straßenpsiaster befahren, noch dazu in berliner Troschkeu, die einer Landstadt selbst zur Schande gereichen würden — es giebt allerdings jetzt auch Troschkeu erster Elasse, aber in so geringer Zahl, daß es ein reiner Zufall ist, wenn man eine solche aufgreift. Tiefes Pflaster ist eine der Schwächen Berlins, die in Erstaunen setzen, wenn man erwägt, daß man es mit einer Weltstadt, mit der Residenz des deutschen Kaisers und des Königs von Preußen, mit einer Stadt zu thnn hat, unter deren Million von Einwohnern so viele ganze und halbe Millionäre sind. Auch die Omnibusse leiden an Unbequemlichkeit, mehr noch an Mangel einer einheitlichen Organisation, so daß die einzelnen Linien nicht, wie in Paris, genau in einander greisen. Je nothwendiger mm bei den riesigen Entsernungen innerhalb der Stadt alle diese Eonunnnieatioiismittel sind, um so lästiger fällt ihr'Gebrauch bei so mangelhafter Beschafsenheir. Ties verhindert selbstverständlich die Menge'nicht, unaufhörlich C c t o u. zu Fuß, zu Roß und zu Wagen durch die Haupt- und Nebenstraßen zu fluthcn. Und wirfst Tn nun eilten Blick ans diese ewig bewegliche Masse, so drängt sich Tir wohl die Frage ans: Was treibt sie wohl und drängt sie hin und her zu strömen? Ist es außerdem täglichen Erwerbe, dem Genüsse, dem Streben des Einzelnen für sich und die Seinigen noch etwas Allgemeines? ein Gedanke, eine brennende Frage, die ein allgemeines Interesse zum In-! halte hat?! Tas gegenwärtige allgemeine Leben in der deutschen Haupt- ' stadt ist ohne ersichtliche Bewegung. Ich habe in den verschie- ' deusten Kreisen ein größeres Interesse zu erlauschen gesucht, das ' ans diesem Oceane einen stärkeren Wellenschlag Hervorrufe. Ich! habe Nichts erhorcht; es ist Windstille, und die Oberfläche krän- . selt sich kaum. — Was in früheren Zeiten die Gesellschaft sehr ^belebte, selbst Parteien und Eoterieen hervorries, die sich beseh- ■ toten, alte Freunde trennte und alte Gegner zusammenführte,! das Schauspiel und die Oper, gilt gegenwärtig in Berlin Nichts, ■ und bietet kaum den Stofs zu einer flüchtigen Unterhaltung mehr. In der Thal sind sie auch in dieser Saison kaum dazu : angethan, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Es fehlt an 'allen betcutenden Novitäten; es fehlt an hervorragenden Tar- 'stellern und Künstlern, cs ist Alles Mittelgut, und durch die 'seit der Freigebnng angewachsene Zahl von Theatern hat diese Kunst an Ausdehnung, nicht aber an Erhebung und Beredelung l gewonnen. Ebenso wenig giebt die plastische Kunst dem' groß-