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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-01-22 · Heft 4 (22.1.1873) · p. Seite 59

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 4 (22.1.1873)
Date
1873-01-22
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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Stolz, ein Deutscher oder ein Franzose zu sein. Aber ein Nnmänier? Ter Ehrgeiz, mit Bojaren und stupiden watackiscken Bauern gemeinschaftlich an dem nämlichen lahmen Staatskarren zu ziehen, und zwar unter täglichen Schrecken zu ziehen, ist doch wahrlich sehr problematisch. Die Zustände in Rumänien sind eine Schwach des Jahrhunderts, und so lange man sie zu ändern kein anderes Mittel aussindig macht, als in philanthropischen Versammlungen ebenso wohlgemeinte als eft'ectlose Resolutionen zu saften, wird Nichts übrig bleiben, als die beklagenswerthen Opfer ihrem Schicksale nach Möglichkeit zn entzichcn." — So weit die „N. fr. Pr.", und wir föinicit ihren Eppectorationen, dietirt von dein edelsten Eifer für 'Recht tind .Humanität, nur beipslichten. Wenn sie aber schließ!ick die Auswanderung und deren Förderung durch gemeinsame Mittel cmpsiehlt, so fürchten wir, das; ihr derselbe Einwand, den sie gegen die brüsseler Eonferen; erhebt, entgegentreten werde, ihr Mittel sei auch nicht praktischer Natur. Die Geldmittel würden höchstens hinreichen, ein Paar Tausend Juden aus Rumänien zu schaffen, und damit wäre für ras Ganze Nichts erreicht. Was wir der brüsseler Versammlung zum Vorwürfe machen, ist, das; sie zn keiner einzigen Manifestation, keinem mannhaften Proteste, keinem Schritte bei den Großmächten oder dgl. sich anfgerasst hat, und dadurch eine Ohnmacht erkennbar machte, welche bei den rumänischen Barbaren nur einen schädlichen Einfluß üben mußte. Matt wird zwar einwenden, daß dies auch nur ein Stück Papier gewesen wäre. Dem ist aber nickt so. Der N'oihf.rrei tituß erhoben, immer von Neuem und ohne Unterlaß erhoben werden, mnß von allen Seiten intmer wieder ertönen — dann wird er nicht ohne Wirkung bleiben. Sie würde bei den Juden selbst nicht ohne Wirkung bleiben, und die jüdischen Financiers zwingen, sich gegen Rumänien zti wenden. Die Sache muß der civilisirten Welt immerfort iu's Gedächtnis; gerufen werden, bei deren Beweglichkeit und Schnelllebigkeit Alles gar zu rasch in Vergessenheit geräth. Auch jetzt ist hierfür noch Zeit — nur müßte das in Brüssel gewählte Eomit«'- auch einige Lebensfähigkeit bethäligen. Marokko. Tanger, im Deeember. Tic Alliance hat ein Schreiben erhalten, welches folgende Thatsachen berichtet: - „Eine Revolte — der Fall ist nichts weniger als selten — fand gegen die Autorität des Snltans statt, Nach dem von den RegiernngStrnppen erfochtenen Siege, nicht weit von Tanger, ließ man vierzig der obersten EhefS hiurichten, und der Pascha kam aus den Einfall, diese vierzig Köpfe einsalzen zu lassen, um sie dem Kaiser zuzuschicken. Um diese alscheuliche Procednr auszusühren, hat er nichts Besseres finden tonnen, als die jüdischen Fleischer zn zwingen, sie vorzunchmen. Diese haben es geradezu verweigert, aber sie mußten sich fügen, bei Strafe, selbst gerettet zn werden, und gerade an einem Sabbath mußten sie dies infam' Geschäft besorgen! Welche Sitten, welche Regierung! Rur der italienische Eensul allein, sagt man, hat gegen die eben bezeichneten Vorgänge protestirt." (Zrcli. isr.) Amonca. Ncwyork, im Deeember. lieber den jüngst kurz erwähnten Vorfall bericktet die newyorker Handelszeituug: „Ein junger Mann jüdiscken Glaubens, Namens Watermann, trat vor längerer Zeit in die erste Compagnie des 22. newyorker Milizregiments ein. Einige Tage später theilte ihm der Eapitän mit, daß es gegen die Statuten seiner Eompaguie wäre, Juden als Mitglieder zuzulassen. Man habe bei seiner Aufnahme von seiner Religion keine Renn tu iß gehabt, und ersuche ihn deshalb zu resigniren, was Herr Walermann auch ohne Weiteres that. Das Verfahren des 22. Regiments verdient in den weitesten Kreisen bekanttt und gebrandmarkt zn werden. Enthalten seine Statuten eine Elausel, welche die Aufnahme von Juden verbietet, so ist dieser Paragraph gesetzwidrig. Ter betreffende Herr, gegen welchen er in Anwendung gebracht wurde, hätte den moralischen Muth haben sollen, in der Eompaguie zn verbleiben, um diesen dummen, bigotten Paradehelden zu beweisen, daß sie nicht das Recht haben, für sich Gesetze zu macken, welche mit der Eonstitution des Staates und des Bundes in directem WiderPruche stehen. Seine Glanbeusgenossen aber sollten sich eine genaue Namensliste von Eompaguie A des 22. Regiments verschaffen, und mit den Mitgliedern derselben jede Verbindung abbrecken. Ihre Ideen verrathen eine solche Bornirlheit, daß cs für jeden Kaufmann riskant ist. diesen tapferen Soldaten Eredit zu geben, oder irgend welchen geschäftlichen Verkehr mit ihnen zn unterhalten." Ncwyork, im Deeember. Zum Gouverneur des Staates S ü d ca r o l i n a wurde ein Herr o s e S aus Eharleston gewählt, der erste vorn Volke erwählte jüdiscke Gouverneur in den vereinigten Staaten. Der Vater desselben ist Oberlichter des genannten Staates, und er selbst war seit einer Reihe von Zähren Vorsitzender des Unterhauses. Australien. Aus Australien, im Deeember. Wir entnehmen den Arck. isr. folgendes Resmm'', welches über die Stellung unserer Glaubensgenossen in Australien Eiligen Aufschluß gewährt. „Die Miltheilungeu, die man aus riesen entlegenen Regionen in Bezug ans die Zoraeliien erhält, sind stets sehr befriedigend: es ist eine große Genngihnuug, zu sehen, wie unser Enltns sich bei ■l*

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