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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-01-22 · Heft 4 (22.1.1873) · p. Seite 50

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 4 (22.1.1873)
Date
1873-01-22
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 zufrieden sein, die auch in der Thal ein Recht hätten, ihn der Zweideutigkeit zu beschuldigen, wenn er den Begriff der Erlösung und des Erlösers in irgend einem zurechtgemachten Sinne noch festhaltcu wollte. Roch mißlicher wirr die Aufgabe am Osterfeste. Hier ist es kaum möglich, in einer christlichen Kirche das Ding beim rechten Flamen zu nennen; und thut man ras nicht, so ist alles Reden darüber nur Wonmacherei. Endlich am Himmel-- fahrtsfeftc tritt gar die Schwierigkeit ein, sich der Satire zu enthalten. Bon tiefem Borgauge als von einem ihatsächlichen zu sprechen, ist gebildeten Menschen gegenüber heut zu Tage geradezu eine Beleidigung. Also symbolisch, wie schon die Auferstehung, wie weiterhin alle die Wuudergeschichien, die Krankenheilungen, Todtenerweetnngen, Teufelaustreibnngen, worüber alt gewöhnlichen Sonntagen so oft gepredigt wird, und die Alle eine moralische Wendung möglich machen. Allein wozu überhaupt riese Umwege, wozu sich immer erst mit Dingen herumfchlagen, die wir nicht mehr brauchen können, um enrlich aus Das zu kommen, was wir brauchen, ras wir aber viel einfacher und zugleich bestimmter hätten haben können, wenn wir gleich unmittelbar darauf lesgegangeir wären?" — Hierauf bespricht Strauß auch die kirchlichen Saeramente. Es ist nicht unsere Sache, diese Darstellung zu kritisiren. Auch läßt sich wohl Wenig dagegen sagen, sobald man von der Beranssetznng des Bersassers anogeht, nämlich rast der betreffende Christ, sei er Geistlicher, sei er Laie, die christlichen Dogmen auf Grund seiner wissenschaftlichen Bildung nur vernunftgemäßen Anschauung verwirft. Die obige Slizzirung zeigt, rast der christliche CnlruS dermaßen mit riefen Dogmen verwachsen sei. und der Inhalt der christlichen Feste und Ceremeuieen von diesen Dogmen so völlig ausgcfnllt werde, daß sie mit einander stehen oder fallen. Ta tritt nun die Frage an uns heran: ist cs mit den jüdischen Festen ebenso? Sind sie ebenfalls auf Dogmen ansgebant, nur haben von diesen ihren Inhalt empfangen, mit welchen Wissenschaft und Bernuuft in Wirerspruch stehen, so rast auf diesen! Boren einem wissenschaftlichen nur vernünftig deutenden Menschen sie mitzufeicrn unmöglich ist? Wir rollen das Bild unserer jährlichen religiösen Feste auf, faifen ein Jedes derselben scharf in'S Auge und rufen dann erst recht kräftig nur bestimmt dieser Frage ein 'Rein! zu. Das Peßachfest ist die Feier jenes Auszuges Israels aus Aegypten, durch welchen die Israeliten ein Bolk, und-zwar ras 'Religions' elf, das Bolk des Monotheismus, wurden, zugleich aueft cm Stlaveuvolt zur Freiheit nur zu dieser hohen Bl isst on gebracht wurde. R'nn kann wohl ein Israelit gleichgültig gegen die beschichte und Religion feines Slanunes sein, oder auch die sogenannten Wunder in den biblischen Berichten als solche für sich nicht glaubhaft finden: der eigentliche Gegenstand und Gedanke des Festes, erwiesen selbst durch anderweitige historische Zeugmsie, umst selbst ihm ehrwürdig, ein Heiligthum der Ration, durch seine Folgen für die ganze Weltgeschichte wichtig erscheinen, und er wird bei seiner Theilnahme an dem Feste keinen Widerspruch in seinem Berstanre und seinem Herzen finden. Cs folgt das Schabuothfest. Wir geben zu, daß die eine Bedeutung dieses Festes als Ersttingsfest für den abendländischen Inden gegenstandslos geworden ist, denn wir haben in dieser Jahreszeit keine Ernte mehr, und keine Crstlingsfrüchte darzu-. bringen. Desto mehr tritt die Bedeutung desselben als Iahresfest der sinaitischen Gefehgebung in den Berdergrund, wie dies auch seil der Zerstreuung in der Synagoge geschehen ist. Run, die Thatsache dieser Gesetzgebung, und daß das Fundament derselben, die Zehnworre, für die ganze eivilisirte Gesellschaft, für die sittliche Erziehung der Jugend von unermeßlicher Wichtigkeit geworden ist, und durch sie den zarten Herzen schon die Anbetung Gottes, die Berehrnng der Aeltern, die Heilighaltuug des Gebens, der Ehe, des Eigenrhums u. s. w. eingepslanzt wird, ganz abgesehen von den übrigen T heilen der Gesetzgebung, welche für den Geist und das Leben des israelitischen Bolkes, für den sittlichen und foeialen Inhalt des Iudenlhums bis auf den heutigen Tag so entschieden gewirkt haben, diese Thalsache, sagen wir, steht unerschütterlich fest, und ist sicher dazu angelhan, Geist und Her; befriedigend zu beschäftigen. Reihen wir hieran alsbald das Dritte der sogenannten Wanderfeste, .das Sukkothfest, so ist es für uns vorzugsweise, wie es auch die Bibel bezeichnet, „das Fest der Einsanunlung", das jährliche Ermedantfest, nachdem der Getreideernte sich auch der Segen an Wein, Dbst u. dgl. hinzugesellt.hat. Tie anderweitigen eigenthümlichen Züge dieses Festes, die Erinnerung an die Wüstenzüge des Bolkes durch die Laubhütten, an die palästinensische Pflanzenwelt durch die Palme u. s. w. find der, der speeisischen Religion und (beschichte inehr zugewandteu (Besinnung empfohlen. Welchem, noch irgend religiös gesinnten Menschen sind aber die beiden übrigen hohen Feste nicht voll Ehrfurcht und Weihe? Jene beiten Feste, Re sch haschanah und Jom Kippur, welche zusammen den Gedanken der gönlichen Bergeltung und Borsehung, der Selbstprüfnng und Selbsterkenntnis^, der Rene über unsere Fehle, der Läuterung in den edelsten Borsäh-en, der Versöhnung mit sich selbst, mit seinen R'ebenmcnschen und mit Gott, der Zusicherung der göttlichen Barmherzigkeit und Liebe, zum klaren Bewußtsein und zum vollen, alle Kammern unserer Seele durchdringenden Gefühle bringen sollen, sie sind die erhabensten Erzeugnisse der Religion für den Enlius, und nnr der vollendete Atheist kann ihnen den Rücken kehren. So, wie sie das jetzige Iudenthum, und zwar seil vielen Jahrhunderten, ausfaßt, enthalten sic keine Spur von Musterien, keinen gcheunnißvollen Borgang, keinen unverständlichen Eharaklerzug, sondern sie sind ganz geläuterte Religion, und nichts Anderes. Was endlich die beiden Halbfeste, Ehannlkah und Purim, betrifft, so sind ihre geschichtlichen Beranlassungen einfach und klar, und stellen Borbilder aus, das eine für das kämpfende, das

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