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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-01-15 · Heft 3 (15.1.1873) · p. Seite 44

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 3 (15.1.1873)
Date
1873-01-15
Page
Seite 44 (sequence 12)
Language
German
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unabsehbaren Ln asten, über die ööobnungen zahlloser Menschen und Thiere, und die ans's Lchlechteste ansgestanlen und atls's Unangenehinste abgesührten Ausscheidnngeit derselben hinweg wälzen must, lieber den lebten Pnnel will ich schweigen, da er der (Gegenstand unablässiger Tiseussion, und vielleicht baldiger Abhülse ist. Liese völlige (^leitt>güliigkeit der Berliner . würde ganz nnbegreislich sein, wenn es nichi nnler den begüierien Clajsen immer mehr Line geworden wäre, die Lommermona'.e ailSwäris znzn bringen. Mehr als irgend eine Ltadtbevölkernng überschwemmen daher die Berliner die nahen nur fernen Vandschaslen, und ihr Ltrom zieht, umgekehrt Wandervögel, während ces Lommers tveil nach Lüden ■ in die Lünoeiz und Italien hinein. Andererseits Werren Lie es deshalb Temjenigen nach-- empfinden, der mitten im Grünen zu leben gewohin ist, wenn ihn all die Glanzseilen der Residenz und das vielseiligste freundliche Entgegenkommen ans die Vänge nichl fesseln mögen. Die ilrt!>ei!e der Vömer über nndere Völker. In der jüngsten ^eil hat man,;. B. der >lritiler in der rr;m.;;iisf, NM die Inden ZN schmähen, ans die Anslassnngen rölnischer Lchrifisleller wieder hingewiesen. Last Cicero in seinem RedepathoS die bilden und die Lnrer für „zur >tnechischasl geborene öl'aiionen" mit „barbarischem Aberglauben" er. Ilärre, Horaz und Invenal über ihre (Gebräuche spotteten, Tacttus von ihnen sagr, dast ihre Litte „absurd und schmnzig" sei, dast „bei ihnen Alles profan, was bei den ücömern heilig, hingegen bei ihnen erlaubt. was bei Jetten nnsinlich sei" — das wird für Uubeile, welche die (beschichte 'gefällt habe, ansgegeben. Run sehe man sich aber die Urtbeile an, welche dieselben Römer über andere Böller gesprochen haben, und man wird Lbiges noch sehr gelind, derartige Auslassungen der über- »lüthigen und eiitgebildeiett ücömer über fremde Rationalitäten überhaupt bedentnngslos finden. Wir sehen darüber eine stelle ans dem n,it bewiindernngswürdigem gleiste gearbeiteten Bö eile: „Tarstellnngen ans der Lillengeschichle ÜcotnS von Professor Vndwig Friedländer" Th. I. L. <',s ss. her, in welchem für jedes Wort die Lteile eitirt ist, der es entnommen werden ist: „Ter Grieche in :)umii erscheint in einer bekannten Schilderung ans jener Zeit schnell von Geist, von betäubender Retesertigleil, in alle Läuel gerecht, ein rmerreichier Meister in der ttntlst des Lchmeichelns und Hetlchelns, zum Lchanfpieler geboren, unerhört frech, und in der Wahl seiner Mittel unbedenklich >lnd ruchlos. Abgesehen davon, dast hier die Farben slart ansgetragen sind, sind die Borzüge, die auch die gesunkene Ration noch schmückten, vergessen: ihre höhere und feinere Bil dang. die Anmnih ihres Böesens, ihre Erfindungsgabe und Gefchäftsgewanttheit, durch die sie sich schon am Hofe von Persepolis und Lnfa ebeiifo.unentbehrlich gemacht hallen, als seht in Rom. Tie Lnrer galten für klug, zu Lcher; und Lpott ebenso geneigt als dafür begabt, leichtfertig, und zur Berändernug geneigt. aber auch für hinterlistig und verschlagen. Ter Rationalcharakter der Aeghpter erschien den ^riechen und ütömern als ein seltsames Gemisch widersprechender, rech meist nnliebenswürtiger und schlimnier Eigenschaften. Geist und Lcharssinn wurde an ihnen gerühmt, ihr Witz war als schlagfertig und beistend, wie als ebfeön und poffenreisterisch bekannt; ihre Indolenz und Aufgeblasenheit, ihre Frechheit und Unverschämtheit im Reken galt als beispiellos. Lie waren sowohl zu kühnen Thaien, als zur Ertragung der Knechtschaft beanlagt. Lie waren wollüstig und üppig, aber ertrugen Foltern mit bewnndernngSwertber Liandbairigkeit. Veicht entzündlich und anfbranfend, Händel- und nenernngsfnchtig, waren sie zugleich voll Reid. tiefer Arglist und finsterer Berstecklbeit, die sich namentlich auch in ihrem religiösen Fanatismus kundgab." Vermisch tes. Bur etitnehnien der „Wahrheit" folgende Pikee, welche den raschen Fortschritt im vorigen Jahrhundert in zwei gegensätzlichen Borsällen recht eelatänl zeigt. Im Angnstheste der Keilschrift für deutsche Culturgeschichte vort I )r. I. H. Müller findet sich mitir der Ueberschrist „Buntes" eine Mittheilnng von Wilhelm Llricker über Renjuten des achtzehnten Jahrhunderts. Im achtzehnten Jahrhundert find zwei näher bekannte Uebertriile vom Christenthnme zum Indenthnme vorgekoinmen, und haben verschiedene Mastnahmen der Lbrigkei: zur Folge gehabt. Im Jahre 17:i 1 erschien zu Cöln ein Lchristchen von 72 Leiten: „Ter sonderbare Glaube, Veben, er staunender Tod und merkwürdiges Begräbnist des Cnraterio Jens Gederfen GetelöckS, welcher am ersten Tster und AnferstehnngS-Lage Jesu Christi in >toppenhagen als ein verhero gewesener Christ wie ein ungläubiger Jude gestorben, deren darinnen vorkommenten sonderlichen Begebenheiten halber der enriensen Welt initgetheilt, von I. H. >r." Ter genannte I. (T Gerelöcks ist, wie in dem Lchriflchett aiisgeführl wird, beschuldigt worden, als Christ zum Indenthnme übergelreten zu sein, weil er durch ganze fünf Jahre nicht zum Abendmahle gekommen, und anstatt des Lonntags teti Labbalh gefeiert, und überhaupt mit den Inten viel nmgegangen und nach deren Litten gelebt Hai. Rebftdem hat er auf seinem Todtenbette „das Abendmahl verschmäht und Christi Ankunft im Fleisch" bezweifelt. Tie Reiche wunde ans dem (^aruisonkirchhose bestattet; als es aber zu Ohren des Polizeimeisters gedrungen war, nnler welchen Umständen Gedelöcks gestorben war, ordnete er eine Untersuchung an, nach deren Resultat GetelöckS von den Aelleslen der jüdischen Ration von denk Garnisonkirchhofe sollte ansgegraben, und nach ihrem eigenen Kirchhofe gebracht und beerdigt werten.

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