Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1873)
- Date
- 1873-01-15
- Page
- Seite 45 (sequence 13)
- Language
- German
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45 Am ersten Tfterlage war EedelöckS gestorben. Am 2."». Mai, sechs Wochen später, wureeu die jüdischen Aelleften, ohne da st sie wussten, was sie sollien, aus ihren Synagogen und Schulen hervorgeholt und mit Polizeibedeckung in den Wagen gepackt. Sämmtliche Inden wurden mit einem Kommando von der Miliz hinaus nach kern Kirchhofe gebracht. Der Scharfrichter zu Pferde und seine Unechte mit rem Schinderlarren hielten arn Wege. Auf dem Kirchhofe schlossen Polizei und Militär einen Kreis, woraus das königliche Urtel verlesen, wurde. Hierauf mustren die Inten -beginnen den Veichnam auszugraben, und zwar mustte der Rabbi. zuerst Hand anlegen, und mit einem Hammer den Sarg offnen, um sich von der Identität der Veiche zu überzeugen. Dann mnstlen die Juden den Sarg einige Hundert Schrine tragen, ans ihren, von einem Juden gefahrenen Leichenwagen aufladen unk, von Polizei und Militär bewacht, unter Borrrilt -des Rabbi als leidtragenden, dem Veicheneondnele sich anschliesten. Als der Zug auf dem Iukenlirchhese ankam, harten sie ein Grab gemacht, um die leiche abseits zu begraben, aber der Pelizeimeister gebot ausdrücklich, dast die Inden selbst auch hier unter Borgang des Rabbi ein Grab in die steinige Erde graben mnstlen. Ter Bürgermeister Sieblick zu Rilolai in Tberschlesien ging 17 7t» von der katholischen zur jüdischen Religion über. Er war damals!«', Jahre alt. Uni vielen Berdricstlichkeiten ans dem Wege;n gehen, verschrieb er sein ganzes Berrnögen seinem in Sorau wohnenden Sohne. Bor Bericht gestellt, appelline er an den König. In dem Bescheide, welchen Friedrich der Eroste erliest, findet sich folgende Stelle: „Es geziemt durchaus nicht dein menschlichen Euchrer, sich in Angelegenheiten - zu mengen, die zwischen den Menschen und (>Vtt vorgefallen, hat besagter Steblick durch seinen leichtsinnigen Schritt sich gegen die göttliche Majestät vergangen, so wird diese ihm die gerechte Strafe zutemmen lassen, aber uns steht das Recht nicht zu, dem Willen (Zolles mit unserer beschränkten Urtheilskrast vorzngreisen. -- Ter'Zwang, wenn er schon etwas ansrichiet, verschafft der Kirche ein Mitglied, das nur dem Scheine nach es ist, in seinem Innern aber der seiner Ueberzeugung entsprechenden Religion anhangt." Ter .König verfügte, dast die gerichtlichen .Kosten der ÖV meinde .zur Vast falten, und da ans den Angaben zu enlnehmeu sei, dast Steblick ein treuer Unlerlhan gewesen sei, der sich während seiner Amtsdauer viele Berdiensle um die Stadl erworben habe, so solle er von allen den Abgaben, mit welchen die Juden ausnahmsweise belastet sind, frei bleibet,. Ferner ist es des .Königs ausdrücklicher Wille, dast Steblick künftig der „Reue Jude" benannt werde. Joseph ben Abraham — das war Slebticks jüdischer Raine -» wohnte noch viele Jahre friedlich in Sorau bei seinem Sohne, er erwarb sich talmukische Kenntnisse, und sang täglich hebräische Psalmen unter Begleitung der Bieline. Er starb lSi»7, und wurde ans dem jütischen Friedhöfe zu R'ilelai. begraben. U n z e i c u. Tie hiesige Stelle des Eantors, Religiensu. Elementarlehrers «bei s schulpflichtigen Kindern) mit 2<>o Thalern Erhalt, oder 120 Thalern und anständigem Vogis und Kost ist baldmöglichst zu besetzen. Will der Berverber den Elemeniarunterricht nicht leisten, ein etwas geringerer Gehalt. Ahaus «Reg.-Bez. Münster», Ter Borstant d. 21. Tee. 1S72. A. Gottschalk. L a c a n z. In hiesiger lRuneiiide ist die Stelle eines Elementarlehrers und Borbeters zum I. April d. I. zu besetzen. Gehalt bei freier Wohnung linn Thlr. T.ual. linverh. Bewerber belieben ihre Zeugnisse an den Unterzeichneten Borstant sraneo einznsenden. Hattingen a/d. Ätuhr, im Januar 1>7.2. Heinemann Hein. Tie Stelle des Religionslehrers, Eantors und Schächters, welche mit einem Tietisteinkonunen von 2.7»? Thalern delirl ist, wird zum l. April in hiesiger Snnagegengemeinde vaeant. Befähigte Bewerber, am liebsten nnverheiralhele, wellen unter Franco-Zusendung ihrer Führungsatleste und sonstiger Zeugnisse sich an Unterzeichneten wenden. Rienbnrg a. d. Weser, den 1. Januar 1S73, T e r G e m e i u d e - B o r st e h e r: Ionaö Valentin. In der Snnagogengemeinde Oberst ein wird am I. April d. I. die Stelle eines gepriisleit cku'ligions n. Elemeniarlehrers vaeant. Terselbe ha: auch den Borbelerdienst zu versehen und einen Smiagvgenchor einznüben u. zu lenen. Gehalt l<u, Thlr. mit Aussicht ans definitive Anstellung. Meldungen von Zeug nissen über Befähigung n. bisherige Führung begleitet, nitumi der Unterzeichnete entgegen. Birtenfeld, d. Januar 1S72. . Go! dm rtlllt, Vandra bbiner. Tie hiesige Elemeniarlehrer , Berberer n. Schäünerstelle ist vaeant. Erhalt 2.',n Thlr., auch Rebeneinküuste, liebst freier Webnlliig. Heizung und Beltioäsche. 'Jim unverhelräiheie Bewerber wellen sich gesl. melden. Segel l Provinz Hannover», den 0. Januar ls7:t. I. Wetttbcrg, Borsteher. Znm l. Februar oder l. Mär; I >7:: wird in hiesiger Luilagegengemeinde die Stelle des Velners nrrk Borbeters lim einem jährlichen sirirlen tRhalt von 2."»i» Tl'lrn., sowie |i; Thlrn. Ii* Sgr. jene t'i'ebengebühren nebst freier gerännuger Wohnung vaeant. Hieraus Relleetirende wellen sich güligst unter Einreickmng ihrer Zeugnisse rmd Prüsungsatteste portofrei bei uns baldigst melden. Petersbagen, Regieruugsbez. Minden, den 21». Tee. I>72. Der Vorstand der Synagogen Gemeinde.