Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1873)
- Date
- 1873-01-15
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
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38 Snbscription von tausend Thalern. Möge dieses schöne Beispiel recht viele Nachfolger finden! Wie bekannt gegeben ist, tritt der Spender von tausend Thalern in die Reihe der Fundatoren; durch die Gabe von zweihundert Thalern wird man immerwährendes Mitglied, durch eine geringere Summe oder einen Jahresbeitrag Mitglied des Vereins der Hochschule für die Wissenschaft des Jndemhums ijüdisch-theologische Faeultät). Gladbach, :u>. Tee. Gestern beging der hiesige israelit i s d> e 11 n t e r ft u tz u n g s v e re i n sein fünfzigjähriges Stistuugsfest. Dasselbe begann mit einem feierlichen Gottesdienste, von Herrn Lehrer Lehmann in sehr erhebender Weise geleitet, an welchem die ganze Gemeinde sich betheiligte. Hierauf felgte ein Festessen, das durch Abwechselung von ernsten Reden, heileren Toasten und Liedern belebt wurde. Vom Rheine,!>. Januar. (Privatim! th.j Bor einiger Zeit hatte Schreiber Dieses Gelegenheit, bei einer Festlichkeit gegenwärtig zu sein, welche es wohl verdient, in diesem weitverbreiteten Blatte registrirt zu werden. Bon dem Beispiele vieler Städte angeseuert, sastte der Synagegenchor zu Essen den löblichen Entschlust, zum Besten der an der Qstsee Ueberschwennnten ein geistlickes Eoncert in der dortigen Synagoge zu veranstalten. Dasselbe kam denn auch am 22. Tecember v. I. unter zahlreicher Betheiligung Seitens der Bürger jener Stadt zur 'Ausführung, und erntete, außer dem nicht unerheblichen Betrage von eirea 2>"> Thlrn. für die nothleidenden Brüder, den vollen nngetheilien Beifall aller 'Anwesenden. Wenn auch an anderen Qrlen sür diesen wichtigen Zweck ein Gleiches oder vielleicht noch Mehr ausgebracht wurde, so gebührt doch dem Synagogenchore zu Essen die vollste "Anerkennung dasür, das; seine Mitglieder ohne Unterschied mit einer seltenen Aufopferung und Selbstverläugnnng an diesem edelen Werte sich betheiligten. In ebenso ruhmvoller "Weise äußert sich das Streben des genannten Synagogenchores bei der Verherrlichung und Beredelung des Gottesdienstes, der in dieser Gemeinde ganz vollkommen den Anforderungen der 'Neuzeit entspricht. Wohl sind es einzelne hervorragende >iräfte, von tvelchen das Ganze gehoben und getragen, gelenkt und geleitet wird; aber der einmüthige Geist, welcher sämmtliche Mitglieder beherrscht, der erhabene Zweck, von rem Alle tief durchdrungen find, vermochten es nicht minder, den Eher auf einen Glanzpunet zu erheben, der ihn würdig macht, seinen Genossen in größeren Gemeinden an die Seite gestellt zu werden. Möge das Beispiel des wackeren Synagogenchoreö zu Essen in vielen anderen Gemeinten Nachahmung erwecken! L ..... . m. Fürth, l. Januar. (Privatmitth.) Wir haben in Rr. So V" vorigen Jahrgangs die religiösen Berhältnisse unserer Schwestergemeinde in 'Nürnberg versprechen. Als solche besteht dieselbe schon über ein Jahrzehnt, wenn auch schon von 1 SIS an Juden in Nürnberg wohnen, nachdem deren Vertreibung in den Jahren 131 u und I l'.ck« mit der rückstchls- und schonungslosesten Gewalt vollzogen worden war. Tie noch so junge Gemeinde ist bereits zu der respeetablen Höhe von r>»u) Familien herangewachsen, und scheint an jüdischen Einwohnern Fürth bald gleichzukommen. Sie besitzt einen (Gottesacker, hat kürzlich Herrn I)r. Lewin als Rabbiner bestellt, und baut eine wirklich großartige, der Statt zur Zierte, der Gemeinde zur Ehre, gereichende Synagoge. Es ist nur zu bedauern, daß diese an einem entlegenen und winkeligen Platze zu stehen kommt, wiewohl viel bessere Stellen zu acguiriren gewesen wären, wie man uns aus bester Quelle versichert. Das Qessnen der jütischen Kaufläden an Sabbathen und Feiertagen ist in 'Nürnberg die Regel, während das Geschlossenhalten derselben, entsprechend der verschwindend kleinen Minorität der Orthodoxen, die geringe Ausnahme bildet. Ülnx vor dem Rosch Haschanah hat eine größere Anzahl, und vor dem Jom Kippur haben Alle so viel Respect, daß sie ihre Läden geschlossen halten — bis ans Wenige, man nennt uns drei bis vier vom diesjährigen Jom Kippur, welche diesem Heiliglhume Israels durch Qessnen ihrer Laren gleichsam Trotz zu bieten scheinen. Auch vermissen wir bei der so reichen Gemeinde eine entsprechende Anzahl milder Stiftungen, wie sic in Fürth unter den verschiedensten 'Namen den Einen Zweck verfolgen, der Noch zu steuern, dem Elende, wo inib unter welcher Gestalt es sich zeigt, Hülfe und Linderung zu bringen, und den Armen wahrhaft thatkräslig und energisch zu Helsen. Wir sind dabei weit entfernt, den Wehllhätigkeitssinn der nürnberger Israeliten anzuzweiseln, wie er sich sowohl privatim als auch in Bereinen und Sammlnngen manisestirt, und Hallen auch einen Bergleich mit Fürth nicht für zulässig. Allein, daß die Leistungen nicht in richtigem Berhältnisse zu rer fast dnrchgehends mehr oder minder großen Wohlhabenheit rer jüdischen Mitglieder stehen, wird uns sicherlich jeder Borurtheilslosc bestätigen müssen. Hier können wir stolz ans Fürth verweisen, und das in Bezug auf Miltthätigkeit hier Geleistete auch unserer Schwestergemeiudc zur Beherzigung und 'Aneignung empfehlen. Wir vermuthen jedoch dabei, das; es, zur össeutlichen Bethängung des WohlthätigkeitssinneS, auch zum Besten der Nachwelt, bisher sicherlich nur an der 'Anregung durch einen tüchtigen Mann gefehlt hat, und es nicht zu bezweifeln ist, daß in Herrn Rabbiner Dr. Lewin sich dieser Mann gefunden hat. Wir sprechen den Wunsch aus, das; es Herrn I)r. Lewin gelingen möge, zur Erstarkung des religiösen Sinnes und zur Erhaltung des Judenthnms als solchen in seiner Gemeinde recht viel Gutes zu wirken. Bon hier wollen wir noch verzeichnen, daß zwei jüdische Damen, Frau Notar L)r. Qrtenan und Frau Kaufmann Kolb, welche schon das eiserne Kreuz am weißen Bande für ihre opfervolle Pflege der Kranken miV Verwundeten in den Jahren 1570 und 1 ST 1 vom deutschen Kaiser erhielten, nun auch