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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-01-15 · Heft 3 (15.1.1873) · p. Seite 37

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 3 (15.1.1873)
Date
1873-01-15
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
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37 Sreil'iiiigMiacßticßkti'. Sichtbar nicht, namentlich in Aerddeutsck'land nicht, hier in Berlin Dmtschsand. Berlin, 8. Januar. Es scheint sich jetzt zu verwirklichen, waS in diesen Blättern früher geäußert worden ist, nämlich, daß die Maßregeln gegen die Ultramontanen dadurch keine durchgreifenden werden würden, weil sie sonst die evangelische Kirche gleichfalls betreffen müßten, was man von Oben her nicht wolle. Mit einigen Strafgesetzformeln richtet man gegenden großen Apparat der katholischen Kirche Nichts auö; man nimmt sich vor Ausschreitungen gegen diese in Acht, nnd treibt die Agitation vor wie nack weiter. WaS wir oben gesagt haben, erweist sich jetzt dadurch, daß der beabsichtigte Gesetzentwurf über die obligatorische Eivilehe bei Seite gelegt worden ist, da er selbstverständlich auch für die Evangelischen hätte gelten müssen. Freilich, für die Juden war sie schon 1817 recht und gut. An Diesen den liberalen Muth zu kühlen, trägt man ja niemals Bedenken. Uebrigenö besitzt die evangelische Kirche auch ihre Hierarchie, die, wenn sieauch nichr so vieigliederig ist, doch dieselben (Grundsätze befolg! und dieselben Ziele verfolgt, ^wie die katholische. Bekanntlich hat in kiesen Dagen das brandenbnrger Eonsistorinm die AmtSenlsetznitg über den hiesigen Prediger Sydow ausgesprochen, weil ein von diesem gehaltener öffentlicher Bortrag nicht ganz in Uebereinstimmnng mit den Dogmen der evangelischen Kirche erschien. Demselben steht nun Appell bei dem evangelischen Oberkirchenrathe frei, der endgültig zu entscheiden hat; bis dahin ist er suSpendirt, und bezieht nur die Hälfte seines Gehaltes. Beidiesem Allen hat die Gemeinde gar Nichts zu sagen und gehr ihres Predigers verlustig, vbschon sie in ihrer größten Majorität ihm ihre Sympaihieen bewiesen hat. DaS kirchliche und religiöse Vebeu aber ist in Berlin so abgeschwächt, daß voraussichtlich die ganze Angelegenheit in kurzer Zeit vergessen ist, nnd nur der Prediger den Berlnst zu tragen hat. Unter solchen Umständen ist an eine durchgreifende Berändernng des Berhältnifses zwischen Staat und Kirche gar nicht zu denken, nnd matt muß sich fragen, auf welcher Grundlage hin man die Bersassnng der jüdischen Gemciitden, welche doch die Selbstständigkeit der Gemeinde, ihre Selbstverwaltung, die eigene Wahl aller ihrer Beamten, und die Freiheit von allem hierarchischen Einflüsse verbürgt, zerstören will, wenn man nicht einmal wieder seinen li beralen Mnth an den Inden demonstriren mag. — Nun, der Staat hat bereits die Fruchte seiner Beförderung der nltramontanen und pietistischen Herrschaft zu verzehren gehabt; er wird,' fürchte ich, diejenigen seiner gegetnvärligen Schwäche dereitist wiederum zu verdauen haben. Ten Vöwen reizen, und dann vor ihm fliehen, heißt sich ihm in die Tatzen werfen. Sich Jemandem feindselig zeigen, und dann die Waffen senken, ist schlimmer, als von vornherein die Dinge gehen zu lassen. Freilich fragt man: machen denn die Ultramontanen Fortschritte in ihrer Macht? nicht — aber anderswo, und unter der O berfläche sicherlich. Sie bereiten eine neue Spaltung Deutschlands vor, und sollten sie dereinst damit nicht durchdringeu, so wird es doch noch die härtesten Kämpfe kosten. Diese Politik ist mit Händen zu greisen. Da der KätholieiSmuS nicht hoffen kann, ganz Deutschland jemals wieder römisch-katholisch zu sehen, so muß der katholische Theil durch eine weite Kluft von dem protestanlischen getrennt bleiben. Doch diese Händel von ihrer politischen Seite verlassend, müssen wir immer wieder behaupten, daß mitten unter selchen strengen hierarchisch-kirchlichen Körperschaften auch die jüdischen Gemeinden einer Bersassnng, ungefähr wie sie eine haben, nicht entbehren können, um sich itichl zu zerbröckeln, und ihre Kräfte gänzlich lahm zu legen. Wenn die jüngste, hier abgebaltene, Bersammlnng von deutschen Delegirten der Allianee so sruwtloS abgelaufen ist, und sich nur in Debatten über eine Slatntensormel erging, so liegt die wirkliche Ursache wo anders, als mau annehmen tnöchte, nämlich — in dem Mangel an aller Partei diSeiplin, der bei unseren Glaubensgenossen vorhanden ist. Hieran verloren alle bisherigeir Bersammlnngen ihre faetischen Erfolge, Rabbinerversammlungen, Synoden, nnd alle anderen Eeiiferenzen, Eongresse, oder wie man sie benennen mag. Die Inden gleichen hierin leider den Polen, von denen Alle Generäle sein wollten, Niemand Soldat, und begnemten sie sich vier Wochen lang Soldat zu sein, so sielen sie auseinander, weil sie noch nichr (General geworden waren. Das Bewußtsein, der Sache die Person miterordnen, die, doch mir etwas nüaneirle, eigene Meinung einer allgemeinen hingeben zu müssen, damit wenigstens Etwas durchgesetzt werde, dieses Bewußtsein fehlt den Männern unserer GlanbenSgenistsenschask, Feder von ihnen teil! der Weiseste sein, nicht Erfahrung, Wirlsamkeit und Einfluß gewähren die Stellung eines Parteiführers, denn Feder will Dies selbst sein. Es ist möglich, daß diese schlimme und unkluge Eigenschaft mit der Zeit, namentlich durch immer wiederholte Bersammlnngen, nack, mir nach beseitigt werte; vorerst läßt sie zu keinen, mnsassenden Werke gelangen. Ich glaube anck», daß es bester sei, erst von Nuten ans zu bauen, d. h. die (Gemeinden selbst an Bereinignng und Bersammlnng in Bezirken zu gewöhnen, bevor man an Bersammlnngen anS einem großen Van de oder ans allen Väntern denkt. Die versammelten Herren gehen wieder nach Hanse, und man nimmt daselbst kaum Notiz von Dem, was vorgegangcn ist. Bonn, ü. Januar. ,Privatmittheil.> Der Appell au die (Großherzigkeit unserer Glaubensgenossen zu Gunsten der Hochschule für die Wistenschast des FndenthnmS, um deren Fonds zu vergrößern und sie durch noch mangelnde Vehrstnhle zu ergänzen, ivird feine Früchte tragen. Schon in tiefen Tagen übersandten die Herren (Gebrüder Eltzbacher in Eöln und. Amsterdam eine

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