Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1873)
- Date
- 1873-01-08
- Page
- Seite 25 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Als die neue Synagoge iit Bukarest von einem Raufen Handeltreibender und Studenten zerstört worden war, gab der Fürst <;<>00 Tucaten zu ihrer Wiederherstellung als Vorschuß her; kein Minister gab zu, daß diese beträchtliche Summe für den Fürsten vom Abgeordnetenhause zurückverlangt werde; ja man ließ die ganze Thatsache durch die Journale längnen, denn, um so Etwas zn ihm, sei der Fürst ein viel zu guter Rumäne. Ter Fürst war hierüber ansgebracht, weil er wenigstens die moralische Wirkung vor Europa haben wollte. Als am 22. Mai IMiS die Stadtbebörde von Bukarest dem Fürsten ein Fest gab, unv davon alle Inten ausschloß, gab der Fürst in seinem Sommerpalaste ein großes Tiner, und lud dazu die angesehensten Israeliten ein, reuen er die ehrenvollsten Plätze anwies. Er sprach zum sranzösisct'en Generalconsul, Herrn Mellinet, im Mai IST ii reu dringenden Wunsch aus, daß die Israeli len frage günstig gelöst werte. Inreß hat er dis jetzt Riehls gethan, um sie herbeizuführen. Nun, besitzt der Fürst keine Eharaktersesiigkeit? En- Hat Eisenbahnen haben wollen: er hat sie. Er will eine Armee haben: er wird sie haben. Wollte er die Emaneipation der Israeliten, so würde sie vor siel, gehen. Tie Männer, die an der Macht sind, halten überall Biel daraus, sie zu behalten, aber nirgends mehr, als in Rumänien. Ein rumänischer Minister weicht vor 's Nichts zurück, um Minister zn bleiben; würde daher der Fürst aus dem Bürgerrechte der Inden eine Bedingung machen, so würden die rumänischen Minister sie durchsetzen. Ta er als constitutioneller Fürst seine Minister zn wählen hat, so stände er ganz in seinem Reckte. Fragen wir, von wem gegenwärtig die Emaneipation der'Juden ausgehen kann? Tie Kammern bestehen aus Personen, die das entgegengesetzte Interesse haben; die Minister müssen den Kammern und dem Fürsten gefallen. Vegt also der Fürst sein Wort nicht ein, so werten die Minister nur mit den .Kammern gehen. An dem Tage daher, wo der Fürst seinen Entschluß in der Israelitensrage entschieden anssprechen wird, wird sie auch beschlossen sein. So hat der Fürst die .Kammer von 1S<»S aufgelöst, von der er die Krone erhalten hatte, um eine solche wählen zu lassen, die dem Bratiano die Majorität gab; so löste er sie im April 1S(U) auf, mit Bratiano zu entfernen, und dieser konnte nur mit Mühe einen Sitz in derselben erlangen. Veranlaßt dies nicht zu dem logischen Scklusse, daß. wenn der Fürst seinen Willen, wie für die Eisenbahnen und die Armee, so für das Bürgerrecht der Inden in die Wagschale legen würde, an dem Erfolge nickt zn zweifeln sein würde? Tie Behauptung, daß die Bewilligung der bürgerlichen liechte einen Bottsausstand bewirken werde, ist eine Vüge des Herrn Bratiano, und der Verfasser des Artikels nennt mehrere hohe Beamte, welche das Gegentheil behaupteten. ^Sicher ist es, daß der Fürst Karl durch die Vertagung dieser 1 Angelegenheit wohl seinen Ministern einen Tienst leistet, seinem ^Vaude -aber großen Sckaden zufügt. Tenn das Mißtrauen gegen Rumänien steigt in allen europäischen wandern mit jedem Acte der Willkür und der Rohheit. Wir hoffen, daß dieser Artikel der Kspünmce de Korne dem Fürsten Karl zu Gesichte komme. Cöln, Ende Teeember. Tie hies. Zeit, enthält Folgendes: Ans den Rundschreiben, welche die rnmäniscken Minister nach ihren lürzlick vorgenommenen Inspeerionsreisen erlassen haben, erhellt, daß die Verwaltung in den Tistrielen eine im höchsten Grade mangelhafte ist. Nur fünf Präfeelen sollen etwas gewissenhafter gewirthsckaftet haben; die Friedensrichter sind meist Ignoranten, welche weder das 'Wort noch den Sinn der Gesetze verstehen, und welcke die Gerecktigkeit nach Maßgabe rer ihnen in die Hand gedrückten allmächtigen Rapoleonst'or walten lassen. Tie Schulen stehen meist leer, und wo sie überhaupt bestehen, sind die Vebmunwissend und haben keine Ahnung von Unterricht und Methode. Tie Steuereinnehmer beschwindeln die Steuerzahler und den Staat. In den Tistrietseassirämtern sind Überall Unterschlagungen und Tiebstähle an der Tagesordnung. Tie öffentliche Unsicherheit wird täglich größer; Mord und Todtschläge häufen sich. Ter sanitätswidrige Zustand der Stadtnnd Vaudgemeinden schasst allerhand Epidenneen und Krankheiten. Tie Achtung vor der Behörde und der Altiorität endlich spiegelt sich in dem Umstande, daß in diesem Jahre nickt wenige als sechs Präsecten mit Thrseigen traetirt worden sind. Rußland. Riga, L>>. Tee. Xev „.ff. Z," wird von hier zcschricbdn: Tie Regier ungsrälbe von Stein, von Glaes; und Blnmenbach sind aus rer obersten Verwaltungsbehörde Vivlands ausgetreten, weil der Gouverneur Generalmajor 'Baron Wrangell in einer äußerst heftigen Scene ihnen den Mund verboten und durchaus keinen Einspruch in seinen Willen hat dulden wollen. Es handelte sick nämlich darum, die von der israelitischen Gemeinde tabier getroffene Wahl eines neuen Rabbiners, des Dr. E. ans Berlin, willkürlich nmzustoßen zn Gunsten eines gewissen Pumpianski, rer, in der wilnaer Rabbinerschule erzogen, sich! durch seine Viebedienerei gegen alles Russische auszeichnet und deshalb bevorzugt werden soll. Tagegen hatten jene drei Männer , Einspruch erhoben; der vierte Regierungsrath hat es vorgezogen, jim Amte zu bleiben. 2