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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-01-08 · Heft 2 (8.1.1873) · p. Seite 24

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 2 (8.1.1873)
Date
1873-01-08
Page
Seite 24 (sequence 8)
Language
German
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24 amcrtifht worden soll. — .Hum Bau eines hier zu errichtenden israelitischen Spitals hak Herr Adolph Baiersdorf in Wien cuis Pietätsgesühl für seinen Geburtsort den namhaften Betrag von 1<>,»»>><» st. gespendet. RumänU'». Berlin, 2t«. Deeember. sPrivatmilth.i Der Aiirft Karl hat mit einer sehr beifällig ausgenommenen Thronrede eie Session des rumänischen Abgeordnetenhauses eröffnet, aber lein Wort über die Angelegenheit der dortigen Israeliten, so brennend diese Frage auch ist, fallen lassen. Wir finden hierüber einen ausführlichen, mit eben so viel Wärme als Sachkenntnis; geschriebenen, Artikel in der zu Nom erscheinenden Zeitschrift EsjxTauce de Rome Nr. 2:> vom 11. Deeember. Wir haben schon früher Gelegenheit gehabt, den betreffenden Korrespondenten dieser Zeitschrift als einen mit den Persönlichkeiten wie den Berhäktnisscn in Rumänien auf's Genaueste bekannten Mann zu bezeichnen, und wollen daher hier den Hauptinhalt des vorliegenden Artikels slizziren. Er spricht zuerst seine Verwunderung über das gedachte Stillschweigen des Fürsten in feiner Thronrede ans, während doch seit der Emaneipation der Bauern die Frage über das Schicksal der -Israeliten in Rumänien die Hauptfrage ist. Die Minister des Fürsten hatten zu den Israeliten gesagt.: „Höret aus, euch vor Europa zu beklagen, denn ihr scheinet dadurch euere Angelegenheit zu einer internationalen machen zu wollen, und dies thnt euch großen Schaden in den Augen des Landes, welches hierin einen Angriff auf seine Autonomie steht." In gleichem Sinne hatten sie zu den Vertretern der Mächte gesagt: „Es ist dies eine innere Frage; lasset uns nur machen; wir sind die Ersten, die an einer prompten, und dein Geiste des Fortschrittes und der Civilisatien entsprechenden, Lösung interessirt sind." Jetzt aber wird man glauben müssen, nachdem man die Thronrede gelesen, die Frage epistire gar nicht. — Hieraus |tcflt der Verfasser ausführlich dar, wie es mit der Befreiung der Bauern in Rumänien zugegangen sei. Die Minister des Fürsten >kusa hatten denselben Weg cingeschlagen: sie suchten vorzuspiegeln, daß die Bauern kein Anrecht ans den Besitz des Bodens hätten, daß sic für ihre Arbeiten von den Bojaren bezahlt werden, und. wenn ste wollen, answandern kennen, daß sich die Dinge von selbst arrangiren werten, und also eine desfallstge Frage gar nicht bestehe. — Das Ganze war darauf abgesehen , die Bauern noch mehr in die Gewalt der Bojaren zu bringen, und ihnen jedes Reckst durch ihre Erbansässtgkcit zu rauben. Europa ließ sich nicht täuschen, und der Vertrag von!SrA legte der rumänischen Gesetzgebung die Pflicht auf, die Leibeigenschaft der Bauern anszuheben. Die rnmänischc Kammer bestand aber nur aus Privilegirren, und brachte fünf Jahre mit refuUatlesen Verhandlungen zu. Da durchschnitt der Fürst Kusa im Mai 1^1*1 den ganzen Knoten, indem er bei scinern Staatsstreiche die Bauern für völlig frei und für Grundbesitzer erklärte, eine Entschädigung für die alten Herren durch den Staat vorbehaltend. — Dasselbe Spiel will nun die jetzt in Rumänien herrschende Elaste Betreffs der Juden spielen. Sie sagen: „Wir sind autonom, der Jude ist kein Rumäne, sondern ein Fremder; wir sind berechtigt, hinsichtlich der Fremden nach nnserenl eigenen Ilrtheile zu verfügen; wir können den Fremden Alles verbieten und versagen, was den Rumänen Nutzen bringt. Wenn es Jenen nicht gefällt, so können sic answandern. Wir sind keine Barbaren, denn wir haben die freisinnigste Verfassung. 'Wir kennen keine Intoleranz, denn alle Rumänen sind vor dem Gesetze gleich. Nicht als Bekenncrn einer anderen Religion, sondern als Fremden, verweigernwir den Juden die bürgerlichen Reckte. Wenn wir die Naturalisation christlichen Fremden ge-, währen, jüdischen aber verweigern, so geschieht dies nicht aus Unduldsamkeit, sondern ans Patriotismus, weil wir von ihnen eine Assimilation mit unserem Volke nicht voranssetzen. In unseren (besetzen sprechen wir nur von Rumänen. Wir vermeiden jede andere Bezeichnung. Wir üben den Inten gegenüber die Gastfreiheit, welche eine Tugend unseres Volkes ist." Dies ist daS heuchlerische Räsonnement der rumänischen Machthaber. Man durchschaut es leicht, denn Leute, deren Väter und Großväter in Rumänien ansässig waren, haben wahrlich ein noch tlareres Recht ans ras Bürgerthum, als das der Bauern auf den Grund und Boden, den sie von Geschlecht zu Geschlecht bearbeitet hatten. Vergeblich stoppeln diese Herren Formeln aus dem Katechismus des Liberalismus von 17V) zusammen, während sie die Grundlage desselben von sich stoßen. Sie werden vergebens sich bemühen, der Welt weis zu machen, es sei liberal, eingeborenen und ansässigen Menschen das Bürgerrecht um des Glaubens willen zu verweigern. Selbst zweien Ausländern von sonst gleicher Qualität, dem Einen die Naturalisation gewähren, weil er Ehrist ist, dem Anderen verweigern, weil er Jude ist, das ist mittelalterliche, fapanesische oder chinesische Unduldsamkeit. Sie haben die freche Stirn, die immer wiederholten Mißhandlungen der Juden, die Freispreckumg der Räuber und Mörder, und die Bernrtheilung schuldloser Mißhandelter, für Uebnng der Gastfreiheit anszngcben, und dies im Angesichte Europa's zu behaupten! — Welche Stellung nimmt nun der Fürst Karl hierzu ein? Er hat immer viel Gewicht darauf gelegt, daß man die Verfolgung der Inden in Rumänien nicht für eine religiöse halte. Die rumänischen Minister, wir kennen sie, haben wenig Religion, aber suchen die religiösen Gefühle deS Fürsten ansznbeuten. Tie persönlichen Tugenden des Fürsten sind bekannt, er ist sittenrein und von größter Ehrlichkeit. Er ist katholisch, die Fürstin protestantisch, ihr Kind wird der Verfassung gemäß griechisch-katholisch erzogen, also Beweis der religiösen Duldsamkeit genug. Als Bratiano und seine Helfershelfer die Verfolgung der Juden in. Scene gesetzt hatten, machten sic ihm weis, er würde sich als einen schlechten Rumänen erweisen, wenn er die Juden in Schutz

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