Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1873)
- Date
- 1873-01-08
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
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dürfte sich also gewiß zur Erwägung der Frage durch imfcvc Stadtverordneten eignen, ob es denn soweit mit den Schuten in der ehemals freien Stadt Frankfurt kommen soll, das; eie an denselben wirkenden Lehrer zu politischen Parias herabgedrückt werden können. Es wurde dies eine gar merkwürdige Itknstration zu der Bestimmung der preußischen Berfassung sein, nach welcher „jeder Preuße seine Meinung frei in Wert nnc Schrift äußern darf!" Wir hatten bei unserer Kritik der sallschen Bererdnnng ausgesucht, daß es gegen den Geist der Bersassung verstoße, Personen vom schrämte auszuschließen, über deren Befähigung selbst kein Zweifel obwaltet, und die nur einer den; herrschenden Systeme nicht entsprechenden politischen 'Anschauung huldigen. Besonders hatten wir daraus hingewiesen, daß die Billigung dieser Bersassungsverlehung die Regierung stillschweigend berechtigen würde, gegebenen Falles auch die liberalen und Temetralen vom /Grämte anszusebließen, bles weil ihre politische Anschauung nicht conoenirt. Ter vorliegende Fall ist eine schlagende Bestätigung unserer Befürchtung. Wir sind begierig daraus, was die liberalen zu dieser Maßregelung sagen werden. Osterode < Ostpreußen), 2". Teeember. tPuoalnnttheil.i In unserem Rachbarstärlchen Aeumark in Westprenßeu vollzog ein polnischer Rabbiner eine Trauung, ohne sich vorher um die Eintragung in das Eivilstandsregister zu kümmern. Tieselbe war in der That, wie es leider oft geschieht, weder beantragt, noch vollzogen. Turch.einen Zufall erhielt das dortige Preisgericht Kunde davon, und sofort wurde von der Staatsanwalt schast eine Untersuchung ans Grund des $ 7 des deutschen Strafgesetzbuches eingeleitet. Tas Brautpaar, alias Ehepaar, mußte eidlich den ^Aamen des Rabbiners angeben; der Mann, bei welchem derselbe, ohne polizeilich angemeldet zu sein, übernachtete, wurde zur Beranwerlnng gezogen, und sieht noch einer Ordnungsstrafe von einem THaler entgegen, und da schließlich der Rabbiner bis nach 'Rußland nicht verfolgt werden kann, haben Polizei, Gränzanfseher und Gendarmen den Auftrag, aus ihn zu vigitiren, und ihn, sobald er sich in Preußen sehen läßt, sofort dem Gerichte zu überliefern. Tiefe Thalsache beweist zur Genüge, daß der $ :::i7 des Strafgesei.wuches bis zur Einführung der obligatorischen Eivilehe fast nur für 3nden ezistirt, und daß es Pflicht eines jeden Eultusbeamten ist, keine Trauung verzunchmen, bis ihm nachgewiesen worden ist, daß die Eintragung stattgefunden hak. 3. Sturmann, Vchvcv und Prediger. Bielefeld, 22. Tee. Tie Westph. Ztg. schreibt: „Ter Regierungspräsident Telius aus Minden Halle im 'Austrage des hohen Ministeriulns auch hier die Frage zur Erörterung und Erledigung zu bringen, ob das hiesige Gymnasium, bisher als ein „lutherisches" betrachtet, in Zukunft ein „eensessionsloses" sein solle. 'Am vergangenen Tonnerstag fand denn unter dem Borst he des Herrn Regierungspräsidenten eine eombinirle Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten statt, in welcher die Frage dahin präeisin wurde, I) ob die Anstellung von Lehrern aller Eonsessiouen am hiesigen Gvmnasium zulässig sei, und 2, ob Mitglieder aller Eonsessiouen in das Euralorium gewählt werden könnten. Beide Fragen wurden von der Bersammlung niit großer Majorität bejaht. Ta anläßlich eines geäußerten Zweifels der Herr Regiernngspräsikenl sich dahin erklärte, daß unter „Eonsessiouen" nur die innerhalb des Ehristenthmus bestehenden verstanden würden, tourte ein weiterer bezüglicher 'Antrag dahin entschieden, daß auch Fudeu in das Euralorium des Gymnasiums gewählt, und als Vehrer an demselben angesulll werden können/' ^estrcichlsch-lmstarische Monarchie. Wien, Aus. Fan. Malt schreibt der „R. fr. Pr.": 'Alls 'Anregung der augsbmger jüdischen Synode hat das k. k. Ministerium des Filneren Erhebungen eingeleiret über das Fueemyinu in Testreich. Tie eingelangten Resultate wurden von der Ti reelien der Statistik bearbeitet, und besiudeu sich bereits in der Trllckerei. Eine Fülle illleressanter Taten geht daraus hervor, die bisher nur in allgemeinen 'Umrisse» bekannt waren. Hervorheben wollen wir bles die relativ große Zahl der Fsraelitcn in Galizien, wo ein Jude auf neun Bewohner kommt, in der Bukowina kommt einer aus elf Bewohner. Ferner gehl aus der Slatistik hervor die große Fruchtbarkeit <!<>.-. -linder auf eine Ehe«, und allch ein ethisches Moment, der hohe Gcmeinsinu und die werkthälige Rächstenliebe der Fsraeliten. 'Wir werten auf die interessante Broschüre später noch zmmtkeiiimeu. «Was uns in Obigem aussällt lind wir nicht für. möglich halten, ist die Angabe, daß dlirchschnittlich zehn -linder ans jere Ehe kämen. Bekanntlich rechnen alle Statistiker auf jede Familie durchschnittlich fünf Köpse, und hier sollen zehn Kinder, ohne die älteren Personen, auf jede Ehe kommen'. 3nceß ist es noch eil« anderer bedeutsamerer Schlnst, der sich selbst ans einem, jener Angabe sich nur annähernden Zahlenvethällirisse ergeben würde, und den wir hervorznheben hätten. Tie statistischen Tabellen erweisen seit langer Zeit, daß in Preußen die Zahl rer Geburten bei dc>l Fueeu um einen kleinen Preeeulsav geringer ist, als bei den Ehristen. Es würde sich also hieraus ergebeil, das; das Raeeirlu S lammverhältniß bei den 3utc u doch n i cht so stark ist, NM nicht in den verschiedenen Ländern einen sehr verschiedenen Grad der Fruchtbarkeit zu zu lassen. Redaet. d. A- Z. d. 3.» -Prksiburg, 2. Januar. iPrivatmitlh.j Tie Trellllllug der gemäßigt resornlistischen Gemeinde von der allen, in Felge der aus ungehörige Weise geschehenen 'Besetzung res Rabbinals, geht so weit, das; bereits eine besondere größere Synagoge gebaut werden soll, für welche man aus rem israelüischeu /ankcssonds 2<»/u>" sl. als Darkehn erhalten wird, das in l.', Jahren