Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1873)
- Date
- 1873-01-08
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
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21 Erhaltung ihrer orientalischen Schulen unterstützen. Ein selbstständiges Borgehen liegt hierin nicht. Das' rumänische Eemile in Wien will und kann man nicht ab und ersetzen; denn in seiner Zusammensetzung aus den verschiedenen Ländern, und in der Nähe von Rumänien, liegt dessen eigentlicher Werth. Bei entstehenden Norhständen wird inan immer so verfahren müssen; denn die 'Bereinigung Aller, und die Beziehungen zu dem Drte des Leidens, machen die Wirksamkeit mögliw. In selchen Fällen werden die vorhandenen Mittel niemals ausreichen; man wird immer wieder zur allgemeinen Wohllhätigkeit seine Zuflucht nehmen müssen. Politische Fragen kennen nur im Inneren jedes Staates ausgekämpfl werden, und eine Beeinflussung von Austen wird mit seltener Ausnahme eher schädlich, als nützlich sein. Hat man doch selbst betreffs Rumäniens eine selche ansgegeben. Bon einer Wirksamkeit in einem besonderen Eulturstaate, z. B. in Deutschland, hat Niemand in der Bersammlnng eine Vorstellung geäustert. Diese hat ja auch der deutsch-israelitische Gemeindebund sich zur Aufgabe gestellt, und bis jetzt ist ganz linerkennbar geblieben, ob und wie dieser sie lösen werde. Hätte man sich dieses Alles in der gedachten Bersammlnng bewusst gemacht — wozu diese aber über den ihr vergelegten Streitpunct gar nicht kommen konnte —, so wäre vielleicht das Resultat, statt vager Statutenformeln, ein bestimmteres gewesen. Man hätte vielleicht siw entschlossen, den eigentlichen Gedankeninhalt der Alliance isracliie universelle nicht durch die Herstellung gesonderter nationaler Bereine zerbrechen zn wollen, sondern nur den Entschlnst gefasst, dass das Eentraleomite insofern reorganisirt werde, dass dasselbe in gerechterer 'Weise aus Vertretern der verschiedenen Nationalitäten bestehe, und diesen aus die Beschlussnahmen ein wirksamer Einfluss gesichert werde, und dass der Sitz dieses Eentraleomite s in bestimnlten grösseren Zeiträumen in den Hauptstädten der vertretenen Hauptländer abwechsele. Hierdurch erst würde die Alliance den Eharakter der Universalität erhalten; hierdurch eine Abhängigkeit von einem französischen Eomitö beseitigt; hierdurch die 'Wirksamkeit der Alliance von der Dhätigkeit irgend einer einzelnen Persönlichkeit emancipirt. Dies ist unsere Meinung , und wir hoffen, dass sich dahin auch die Entwickelung der Angelegenheit wenden werde. 'Wir müssen betonen , rast ohne eine selche Drganisation das wahre, ideelle Moment der Alliance verloren ist, und dass wiederum, ohne dieses Letztere, die Wirksamkeit derselben eines so grossen Apparates gar nicht bedarf. In jeder dringlichen Sawe wird das jüdische Herz zu aller Zeit seine Vertreter finden, und die Mittel, nm dem Nebel und Rothslaride nach Kräften abzuhelsen. Wünschen wir. dass selche Unglückssälle immer seltener eintrelen! XLreilim^aacImcßleii. Deutschland. Berlin, 22. December. tEingesantt.) Gestatten Sie mir, das; ich Ihnen eine erfreuliche Minheilung machen darf, die, wenn sie auch mich selbst betrifft, doch eine so weittragende Bedeutung involvirt, dass sie als einer allgemeinen .>teuntnissnahme wertst erachtet werden dürste. Am 17. Dclober d. I. wandte ich mich an den Herrn Enltnsminister. nm Demselben in einem ausführlichen Expose die Bedeutung der jüdischen Exegese des Mittelalters darzulegen, und unter Hinweis auf mein aus handschriftlichem Materiale construines Rafchiwerk hieran die Bitte zu knüpfen, mir ans Staatsmitteln eine Subvention gewähren zu wollen, um die in Italien angesammelten hebräischen B.'anuscripte untersuchen und literarisch verwerthen zu können. Hierauf ist mir durch das Rescript des Herrn Eulinsministers vom in. d. M. eine Beihülse von 2no Dhalern gewährt worden, mit der Bedingung, das; ich den hebräischen Originalen, welche -ich zu ediren beabsichtige, eine Uebersetzung, sei es in deutscher oder in lateinischer Sprache, beigebe, oder auch eine solche separat veröffentliche. „Rur auf diese Weise", heisst cs in dem erwähnten Rescripte wörtlich, „kann die deutsche Wissenschaft, deren Inter esse ich zu vertreten habe, aus Ihrem Unternehmen den wünschenswerthen, vollen Nutzen ziehen, da, wie Ilmen nicht unbekannt ist, bis jetzt nur einige wenige deutsche Gelehrte christlichen Glaubens eine ausreichende Kenntnis; der neueren hebräischen Sprache besitzen, um die in derselben abgesassten Driginalwerte benutzen zu können." Sie werden, hochverehrter Herr Redacteur, gleich mir Freude darüber empfinden, dass zum ersten Male in unserem Baterlande der jüdischen Literatur eine selche Berücksichtigung zu Theil geworden ist. 'Bin ich es im Stande, so werde ich. so Gott will, Ende künftigen Monats meine Reise antrelen, nm während eines längeren Aufenthaltes in Rom, Parma, Florenz, Mailand und Turin die haudsckrifilicheu Schätze durch 'Autopsie näher kennen zu lernen. Ich bin so glücklich, bereits der fördernden Theilnahme mehrerer hervorragender Gelehrten sicher zu sein. So schreibt mir Professor Fleischer in Leipzig: „Sollte Ihr Wunsch sich verwirkliweu lassen, in Parma, Florenz und Rom haudschristliche Studien zu machen, so kann Ihnen vielleiwt durch einige Einsührungsbriese an dortige (belehrte von Nutzen sein." In gleichem Sinne habe iw Zusagen von den Professoren Delitzsch in Leipzig unc Nöldeke in S t rast bürg . ebenso von l>r. Steinschneider in Berlin erhalten. Da die in jenem Laude angehäuslen Handschriften die ganze jüdische Literatur dis zum Ausgange des Mittelalters umfassen, so werde iw gern diesem oder jenem an mich gelangenden Wunsche für eine speciellere- Einsicht in eine näher zu bezeichnende Partie Nachkommen, und will daher hieraus