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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-01-08 · Heft 2 (8.1.1873) · p. Seite 20

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 2 (8.1.1873)
Date
1873-01-08
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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besonders durch die bestehenden Zweigvereine in Deutschland getragen, wollte der 'Alliance in der bisherigen 26eise treu bleiben, im Eentralcomitö nur durch einige deutsche Mitglieder vertreten sein, und sich begnügen die Zahl der Bereinsinitglieder zu mehren. Tie andere Ansicht, welcher besonders das berliner Loealeoniitü huldigte, ging dahin einen völlig selbstständigen „Bund der deutschen Israeliten" zu bilden, rer. eoordinirt dem pariser Eentralcomit«'-, agire. Indes; war hierüber die Meinung im Schoße des Localeomir.-'s insofern gespalten, als die große Minderheit. in ihm eine gewisse Einordnung in die Alliance verlangte. Diesen Streit;n schlichten,'war die obengenannte Bersaininlnng berufen, die von vorn herein, durch die große Majorität berliner Vertrauensmänner, mehr ans dem Slandpnnete der Trennung und Unabhängigkeit sich befand. Ueber diesen Pnnet, Trennung von, oder Beebinrung mit der Alliance, fand die ganze Debatte in fünf laugen Sitzungen stall. Der schließlicki angenommene Kompromiß besteht nur in der statutarischen Iormel, das? der neue Bund den nndemschen N'amen „Tie israelitische Alliance in Deutschland" annahm „gleich der Alliaiue isr.'uilife universelle, rrnd iiu Vereine mit dieser" seinen Zweck verfolgen, und „die Erhaltung und Weiterentwickelung der bestehenden Institute der Alliance" im Auge behalten sollte. Alles Nähere soll nach Verhandlungen mit dem pariser Centralcomitö durch eine abermalige Delegirtenversaunulnng, welche, das Präsidium berufen soll, geordnet werden. Dies Inhalt und Resultat dieser Versammlung, deren ersten Sitzungen wir persönlich beiwohnten, ohne au den Debatten und Abstimmungen aetiven Theil zu nehmen. Unsere Gedanken hierüber sind nun folgende. Wir wollen in leine ergenrliche Kritik der Alliance isrnclite universelle eintrelen, weder was den Gedanken, noch was die Leistungen derselben beirisst. Was Biele der Alliance zngeneigt rnachi, ist der Gedanke der Universalität, der für die Juten aller Weltgegenden in ihr zum Ausdrucke komme. Positiv geben wir dies nicht zn; die Universalität liegt in dem religiösen Bekenntnisse, in der Geschichte tmd der Bottsabstammung der Juden, war stets vorhanden, und wird stets vorhanden bleiben. Auch sind Itt.mu» Mitglieder eines Vereins für circa 7,<><><>,<»>>>> Seelen kein starker Ansdruck. Wir finden vielmehr in der Alliance negativ das Moment, gegen ras allznstarte Betonen der, und ras dadurch bewirkte Auseinandersalten in die verschiedenen Rationalitäten, welchen die Inden jetzt angehören, zu wirken. Tie katholische Kirche will ihre Universalität behaupten, mtd deshalb keine Rationalttrchen dulden, obschon sie jercr Station als solcher ihre Selbstständigkeit zuschreibt und diese anerkennt. Ohne hierarchischen Zwang nur straffe Organisation will auch das Iudenthnm eine gewisse Universalität für sich beanspruchen,' ohne irgendwie die Angehörigkeit seiner Bekenner zu den verschiedenen Rationalitäten abschwächen zu wollen. Dieses Moment, also nicht die Universalität selbst, sondern eines der Mitte! zu ihrer Erhaltung, kennte die Alliance sein. Gerade dieses Moment aber hört völlig auf, sobald in jedem Lande, in jeder Nationalität, ein selbstständiger Verein besteht, welcher nur gelegentlich mit dem Eomite in Paris cooperirt. Alsdann ist innerhalb dieser nationalen Bereine die Universalität geradezu verneint. Intest, wird man sagen, was thnt's um dieses gedankliche Moment, wenn nur die Leistungen kräftig und nachhaltig sind? Hierüber aber fanden wir in den Verhandlungen der Bersannnlmig zu Berlin völlige Unklarheit. Man war völlig klar über den Strcilpnnet, ob selbstständig, eoordinirt oder subordinirt. Aber über Zweck und Mittel, also über die eigentlichen Leistungen, welche man durch den neuen Bund zu bewerkstelligen gedenke, erhielten wir, weder aus de« Debatten, noch aus den Abstimuningen. einen sicheren Ausschluß. Welche waren bis jetzt die Leistungen der Alliance? Sie waren dreifacher Art. Sobald in einem der orientalischen Länder eine Berfelgnug der Juten eintral, iritervenine sie, gewöhnlich durch das französische Ministerium res Auswärtigen, was zu gleicher Zeit das Board os Depmies in London, durch das englische Ministerium oder durch eine streife des Sir Moses Monlesiore, that. Tie zweite Art bestand in der Errichtung einer Anzahl. Schulen in orientalischen Gemeinden mit einem größeren oder geringeren Bestände und Erfolge, sowie auch der Ackerbauschule bei Jaffa. Endlich suchte die Alliance bei eintreteuden Rolhständen, wie in Westrußland, Hülse zu schassen. Was geschah nun in den letzten zwei Jahren, da die Alliance, durch reu Krieg von 1 STo und 1871, und die Stimmung, die ans ihn in Paris folgte, die Zügel fallen ließ? Der persischen Huugersnoth gegenüber bildete sich in London ein Eomite, und erhielt aus allen Ländern, namentlich aus Deutschland, sehr bedeutende Geldmittel. Ein anderer Platz wäre gar nicht hierfür geeignet gewesen, weit nur die Männer in London mit Persien in näherer Verbindung stehen, und man dort die Agenten kennt, durch welche die Bertheilung ermöglicht ward. Bei der jüngsten Verfolgung der Inden in Rumänien vor einem Jahre fand ein anderes Berfahren statt. In jedem Staate veranlaßte man ras Ministerium res Auswärtigen und die betreffenden Kammern, sich taut gegen diese Acte der Gewaltthat und der Barbarei anszusprechen. Es war dies von großer Wichtigkeit. Aber das französische Eentralcomite der Alliance taugte hierzu Nichts; man mußte in jedem Lande selbstständig verfahren. Auch Eomit.-s waren dazu nicht nölhig: in Deutschland z. B. veranlaßten es die Gemeinrevvrsläude von Stettin und Lyck. Als man den Unglücklichen zu Hülfe kommen wollte, bildeten sich Eomii.'s, welche Geld sammelten; die Höhe der Einnahme und ihre Berwendnng kennen wir nicht. Im weiteren Verlause fand die Ecnsereuz zu Brüssel statt, und man setzte ein Eomite ein, dessen Sitz in Wien ist. Warum in Wien? Weil dieser Platz die engsten Beziehungen zu Rumänien hat, wie man Königsberg wählte, weil es an der Gränze von Westrnßland liegt. 'Was hätte mm ein deutscher Bund mit seinem Eentralcomitö in Berlin zu thun? Man will die Alliance in der

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