Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1873)
- Date
- 1873-01-08
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
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19 mehr genöthigt;n sein, Anschuldigungen, welche gegen die Hochschule von gegnerischer Leite erhoben worden sind,;n widerlegen. Man bat unter Anderem durch die Leitungen verbreitet: ras; im ersten Lemester nicht mehr als I s Hörer gewesen seien, erweise, das; die neue Anstalt kein vertrauen besitze. Tem verständigen wird die Falschheit dieser Folgerung einleucktcn. Wir können sür ein neues Institut mit 2:'. inseribirren Hörern im zweiten Halbjahre sehr zufrieden sein. An der neuen slraßbnrger Universitär kommen aus die Faeultät nicht mehr, nur- Ta.-„i:äten anderer Universitäten zählen audv nicht mehr, trotz ihres Alters, ihres Rufes und ihrer reichen Ausstattung. Bon Freunden der Anstalt wird ihr das Tilemma gestellt: dieselbe müsse entweder sich ganz allein sür die Wissenschaft des Indenihums, oder sür den praktischen Zweck rer Heranbildung von Rabbinern, Predigern und Eandidaien des l,öl,eren Vehramts bestimmen, und dies als ihr Ziel festhaltcu. Wir sehen dies als völlig irrig an; das Tilemma ist gar nickt vorhanden. Tie abstraete Turchbildung der Wissenschaft ist Lache der Viierainr. Ter Zweck jeder Universität ist: der Fugend den wissenschaftlichen dVift ein zupflau zen, d ie wisseusckasrlicke Methode zu eigen zu machen, und die Resultate der Wisseusckast zu übergeben. In je größerem Umfange und in je größerer Bertiesuug dies geschieht, desto mehr entspricht die Universität ihrem Zwecke. Hierin liegt die Bereinigung jener beiden Ziele von selbst. Es ist von höchster Wichtigkeit, daß gerade die Tiseiplinen, welche für das Veben unmittelbar von praktischer Folge sind, aus der Hochschule wissenschaftlich behandelt und gelehrt werden, um sic aus der Höhe zu erhallen. Ties führt uns zu Tem zurück, was uns für die Hochschule am Herzen liegt, nämlich zu den Vehrstühlen für das Vehrgebäudc des Iudenthnms und die Homiletik. Man fordert jetzt vom Staate und den Eemmunen, daß an den höheren Vehranstalten dem jüdischen Rcligiensnnterrichte nicht sowohl ein unbedingtes Tbligalorinin, als vielmehr ein gleiches kitecht mit dem ckrisllickeu Religionsnuteriickie eingeräumt werde.. Wir können uns aber nicht verbergen, daß au manchen Taten selche jüdische Religiouslehrer noch nicht verhandelt sind, welche Schülern der obersten Elassen einen genügenden Religionsunterricht zu geben vermöchten. Gerade unsere Hochschule wäre berufen, diese Vücke auszusüllen, und in Bälde eine bedeutende Anzahl höher gebildeter Retigionslchrer zu erzielen, »nt Tas vermöchte sie wiederum am Meisten durck die Vehrstühle für das Vehrgebäude und die Homiletik. Mögen dies die Freunde des Iudenthnms nicht übersehen, und durck spenden von Fonts und Jahresbeiträgen das Enratorinm baldniöglichst in den Stand sehen, riese Vehrstühle zu schaffen. Auch nach einer anderen Leite hin muß neck Manches geschehen, nämlich zur Unterstützung rer Ltudireitdeu selbst. Es sind einmal nickt die Löhne unserer Begüterten, welcke sick dem Studium der jüdischen Theologie widmen. Hierzu kommt, daß Berlin jetzt zu den theuerften Plätzen gehört. Es ist nun bereits nach dieser Richtung hin Manches geschehen, und wird dahin gestrebt, den Jünglingen die äußerste 'JiVtb zu ersparen, anck die Eellegiengelder für Berlesnugen an der berliner Universität selbst zu beschaffen. Auch muß erwogen bleiben, daß man durch unterschiedslose Beribeilung von Uuterßüeinigen nicht Veute heranziehe, welcke-mehr dem Tckeine, als rer Wirtlichkeit nach, der Hockscknle angehören würdett. Man wirr also immer den Werth und den Fleiß der Lludirenden bei diesen Unterstützungen zu beackten haben. Allein bis jetzt sind die sicheren Mittel sür Unterstützung rer bedürftigen Hörer noch gering, und auch Ties muß dem Wehlthätigkeilssiune empfehlen werden. Le können wir aus die bisherigen Veistuugeu der Hochschule mit Befriedigung, aus die zukünftigen mit froher Hoffnung blicken. Ben der sickeren (Grundlage ans, die sre bereits gewonnen bat, wird sie eine tüchtige Fortentwickelling nehmen, und die Erwartungen erfüllen, die fick an sie knüpfen! Die jiiiifllle .llcrfiinuulung mm iUIctjivlen imd Ucriniucnömnitnerit in Berlin. Wir haben in Rr. .'.1 nur 7,2 sowohl einen allgemeinen, als einen specictlen Bericht über die obengenannte, die Alliance betreffende Borsammlung vom ln. und II. Tooomber in völlig objekiver Weise gegeben, so daß sick jeder Veser ein eigenes Urtheil bilden konnte. Temnngeacklet sind wir von mehreren Leiten ersucht worden, unsere Ansicht um so mehr ansznsprecken, als es sich um eine allgemein wicktige, und dock noch verworren liegende, Angelegenbeil hantelt, die zur Klärung kommen muß. Es kann ja hier nickt die Rede davon sein, daß irgend welche Persönlichkeiten oder persönliche Interessen berührt werden, sondern nur von dem Werthe der Lacke selbst. Es war zur allgemeinen Ueberzeugnng geworden, daß die AIii:itir<> isr:ieli1<> universelle seit 1 ST<* in einen gewissen Berfa ll gerarben sei. Mau hatte in Paris die Fäden aus der Hand fallen lassen, und au eine Stärkung und uölhige Abänderung der Trganisation nickt gedacht. Mau mußte sich sagen, daß, wenn nickt Etwas in dieser Lacke geschähe, der ganze Berein in die Brüche gehen werde. In kern praktischen England war man insofern schnell zur Thal geschritten, als sich eine selbstständige englische Alliance daselbst bildete, welche mit dem pariser Een trat eoiuit.'- gelegeutlick in Berbiudung tritt. Bekanntlich besteht außerdem seil langer Zeit in England ein Board of Tepnties, Lir Moses Menlesiere an der Spitze, welches mit der Alliance in keiner Berbiudung steht, und seine Wirlsamkeit völlig selbstständig und unabhängig, und zwar oft mit großen Erfolgen, sür im Trier,le nntcrrrü.tte (Glaubensgenossen ansübte. In Tentsckland war cs anders. Unter den Anhängern der Alliance entstand eine ganz zwiespältige Ansicht. Tie Eine, 2*