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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-01-08 · Heft 2 (8.1.1873) · p. Seite 18

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 2 (8.1.1873)
Date
1873-01-08
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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18 tcn Vel;vcm cevfeUvn aflertiiijjö 3cmfeine bestimmte Züchtung lial, mit? sie auch in seinen Verträgen znm Ansdrucke bringt. Was wären ras auch wohl für Männer, rie sich dazu hergeben tonnten nnt möchten, der zu ihnen sich sammelnden Jugend ganz farblose Vorträge zu halten, und ihr als Resultate rer Forschung vorzlch'ihren, was ganz ohne Forschung nur nur ans rem Gcsichtspunete berechnet wäre, weder rechts noch links einen Anstoß zu geben, weder nach rechts noch nach links einen mannhaften schritt zu thun! Tie Lorge der Hochschule kann blos dahin gehen, daß erstens nur Männer von reifer Ueberzengung und Ansrichtigkeil angesiellt werden. zweitens, daß die Behandlung der Vehrgegenßände Wissenschaft' lich gehalten sei, und drittens, daß rie Lehrer eben nicht sämmtlich einer einzigen prononeineu Züchtung angehören, sondern die Vehrstüble, ohne Berücksichtigung der Partei, von wisseilschastlichen Männern aller Züchtungen beseel wären. Ties bewahrheitet sich renn auch innerhalb des gegenwärtigen Vehrereollegiumo, in welchem, trotz rer Berschierenheit rer Anschauungen, voller Friere nur rie erwünschle Eintracht herrscht, wie sich auch jüngst bei Zlusarbeiiung dcs Vehrplans für rie Hochsckmle erwiesen hat. Mau toird nicht einwenren, daß aus diese Weise die slurireure Jugend gewissermaßen selbst zum Richter über rie verschiedenen, ihnen vorgelegten, in manchen Puneien. sich geradezu widersprechenden Ansichten eingeselzt nur zur Benrlheilnng ansgesorrert wäre. Man wirr ries nicht einwenren, weil eine solche Stellung, wir mochten sagen, eine solche kontroverse, an sich selbst in unserer Zeit rer Fugend nicht erspart werden kann, nur andererseits auch nicht erspart werden soll. Tie verschiedenen Richtungen, ja Gegensätze. stur da, sind im Veben, wie in rer Wissenschaft da, machen sich schon rem Knaben, um wie viel mehr dem Jünglinge bei jerem Schritte bemerkbar. Tb an rer Hochschule sie ihm zum Bewußtsein kommen, ist insofern gleich, als er sie. sobald er nur ein Buch oder ein Zeitnngsblatt öffnet, orer irgend eine anrerweitige Borlesnng hört, dennoch antrisfr; hier aber, ^rn dieser Hochschule, hört er riese Züchtungen nur Gegensätze auseinander, geseyt. begrüitdet m,r verlheirigl. so daß er sich ein wissenschastliches Bewußtsein nur Uriheil ztl bilden vermag. Er ist hier gewissermaßen in einen Mit'.elpunet verseht, von welchem aus er rie Radien bis zur Peripherie lausen, Ursprung, Weg und Ziel deutlich sieht. Und nun ist ja eben ras Wecken rer eigenen Urtheilskrast, .der selbstständigen Ileberzeugnng, ein wesentlicher Zweck des Studiums, und die Jugend soll von der Universität nicht blos geschulter, sondern gereister nur selbstständiger sortgehen, als sie dahin gekomuren ist. Hat es doch rie Erfahrung genugsam erwiesen, daß Schüler von Anstalten, welche innerhalb beschränkter (Ranzen nach einer bestimmten Rickmrng hin ihre Fünger bilden nur treiben, in ihrer praktischen Wirksamkeit sich sehr einseitig benahmen, nur entweder reu Gemeinden oder sich selbit, oft Beiden, nicht genügten. Tie Signatur der Hock'schnle ist die Freiheit des Swdinms, und diese ist die Vebenslnst unserer Zeit, sowohl in der Wissenschaft, als im praktischen Veben. Wir haben dies in unserer Eröffnungsrede ausgesprochen, und bis seht hat die Hochschule diesen Weg verfolgt. Hypothesen giebt es hüben und drüben, ans der resorntistischen, wie aus der orthodoxen Teile. Tie Wissenschaft und das Veben beseitigen die Hypothesen Beider. Was die sinaneietke Gebarung betrisst, so wird dieselbe wahrscheinlich in dem am Schlüsse dieses Semesters zu verössentlichenten Jahresberichte bekannt gegeben werden. Wir können hier nur miitheilen, daß ans den Zinsen der Fonts und den Jahresbeiträgen die gegenwärtigen. Ausgaben und .(lösten der Hochschule gedeckt werden, nur lein Tesieit stattsindet. Wir glauben nun nicht, daß unsere Veser nach diesen Aeuswrnngen der Befriedigung mit dem bisherigen Entwickelungsgange der Anstalt uns die Meinung Zutrauen werden, dieselbe sei nun abgeschlosseit und vollständig. Ties ist durchaus nicht ree Fall. To eifrig auch die gegenwärtigen vier Vehrer der Hochschule wirten, und so bedeutend sie in ihren Tpeeialitäten sine, so ermangelt die Anstalt doch noch einiger Tiseiplinen. welche, so wie die Hörer derselben sortschreilen, um so unentbehrlicher, aber auch im Ganzen, sowohl für die Wissenschaft, als für die praktischen Zwecke, nothwendig sind. Führen wir einiges Einzelne an,. Für die Halachah ist trefflich gesorgt, und Herr l>r. Vöwy entwickelt für sie eine ausgezeichnete Thätigkeit. Tahingegen ist Hagadah noch nicht vertreten, obschon diese einer besonderen Pflege bedarf, sic wissenschaftlich noch wenig behandelt ist, ihre enlmrhistorische, literarische und theologische Bedeutung tioch larrge nicht genug erkannt worden, und sie für Kanzel und Vehrstnhl von anßerordemlichem Wertste ist. Zücht minder sind das eigentliche Vehrgebändc res Indenihnms iTogmalik, Ethik» und die Homiletik an der Hochschule nicht vertreten und gelehrt. Wenn irgend Etwas, so bedürfen diese Beiden noch der wissenschaftlichen Bearbeitung, und die praktischen homiletischen Uebnngen müssen eine unermüdliche Torgsall erhallen, um die Schüler für das Veben milzbar zu machen, und die jüdische Homiletik von der niederen Tluse wieder zu erheben, auf welche sie in den beiden letzten Fahrzehn len durch mehrfache Ursachen zurückgesunken ist. Für diese 'Fächer muß die Hochschtile noch tüchtige Vehrlräsle gewinnen, soll sie dauerhaft ihrem Zwecke entsprechen nur sich der BoUendnng möglichst atmäherll. Tie Aussichten, die geeigltelen Männer zu finden, sind vorhanden. Es gilt aber, unn die noch nöthigeu Geltmiilel in Fonds und Beiträgen zu finden, um die bedeutenden Erfordernisse zu decken, welche die Besetzung rer angegebenen Vehrsächer mit sich bringt. Tics ist die Sache mrd die Pflicht des Pnblieums, rer Besitzenden in der gcsanim'.en Masse der Zudenheit, der Männer und Frauen, welchen noch das Herz für die wahrhaften Interessen des Juden thnuis, für die Erhebung und Klärung der Religion schlägt. Wir sagen Frauen, denn auch solche erblicken wir zu unserer Freude in der bisherigen Tpenderliste der Hochschule. Rach diesen gewissenhaften Mittheilnngen glauben wir nicht

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