Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-01-01 · Heft 1 (1.1.1873) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 1 (1.1.1873)
Date
1873-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226906-3226908--31314-3254224
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

angeschlagen. Ta bereits ein Fonds von lS.nOu Dollars vorhanden ist, so ist zu hoffen, das; mit dem nächsten Frühjahre das Waisenhaus eröffnet werden wird. Niemand hätte geglaubt, das; dieses Institut so bald einen gesicherten Bestand erhalten Z e u i t MamlichfaUiges von dcr Urdaclion nit die L'eler. (3 ch 1 u 15.) Einfachen Gemüthern, wahrhastigen Seelen, bleibt es immer ein Rälhsel, wie es Menschen geben kann, deren Vippen von Vitbc nberfließen, und welche Haß im Herzen tragen. Aber es ist dies eine Thaisache, die uns zu oft entgegentritt, als daß wir sie bezweifeln könnten. Das Gute ist an der Sache, daß es solchen Personen höchst selten gelingt, die Zwiespältigkeit zwischen ihrer Sprache und ihrer Gesinnung lange verborgen zu halten, und nicht selbst zu verrathen. Tiefer Gedanke kam uns wieder, als wir die Einleitung zu dem Büchlein lasen: „Ja; die Juden haben wirklich Iesnm gekreuzigt. Antwort an den Rabbiner I)r. ¥ u dwig P hilip psvn in Bonn. Bon Xarl Becker, lutherischer Pastor zu Königsberg in rer.Neumark. Berlin, Julius Litteufelv, l^72." Ter Bersasser beginnt dantit, hervorzuheben, daß wir in unserer Broschüre keine Streitschrift gaben, nicht auf dem Boden der Polemik uns bewegen wollten; er „erkennt gern ehrend diesen ruhigen Ton au" und verspricht auch seines Theilö „die Vidu* vorwallen zu lassen." -kaum hat er Ties gelhan, so wetldet er sich gegen eine Schrift des Dr. Felsemhal in Ehieago über das christliche Missionswesen, der allerdings scharfe Worte gegen die christlichen Dogmen geäußert hat. Er ruft deshalb ans Ehieago das Gericht Gottes wie auf Sodom uno Gomorra herab, und findet einen Anfang dieses Gerichtes in dem großen Brande, rer vor einem Jahre in Ehieago gewüthet Hai! Erweist ries nicht ein Her; voller ,Hiebe"? Ter Herr Pastor hat sein alles Testament nicht genug studirl; er lese doch den Enrvers res Buches Ionah, lese das Gebet Abrahams vor dem Brande Sodoms. Aber Ties sind die Herren, welche immer wieder versichern, der Gelt rer Juden sei ein zorniger Rachegott, rer Gott der Ehristen ein Baker, ein Gott rer Giebel — Toch auch wir kommen nicht so gut fort, wie es den ersten Anschein haben möchte. Weiterhin <S. d.) sagt er: „Mil solcher Frechheit, die sich hinter die americanische Freiheit versteckt, tritt der Dr. Philippson nicht aus, sondern maßgebend. Freilich könnte bei uns auch das „Strafgesetzbuch" dazwischen und gegen ihn austreten." Mit dem Worte „maßgebend" hat sich Herr Becker wohl vergriffen, er wollte wohl sagen „niaßhaltend". In seinen Schlußworten verräth sich aber wieder der ganze Mann. Tssenbar kann er es doch nicht unterlassen, seinem gepreßten Herzen Vuft zu machen, unp uns dahin zu verdächtigen, daß wir uns nur darum so niaßvoU verhallen hätten, weil wir das „Siraswürre, und Herrn Rayner gebührt in hohem Grade die Anerkennung und der Tank aller Menfthenft'ennde. Auch Frau Rayner, der edlen Wohlthälerin vieler Armen, muß ein Theil des Berdienstes ihres Gemahls zugeschrieben werden. feto n. gesetzbnch" fürchteten. Hiergegen müssen wir uns ernstlich verwahren. Tie Art, wie wir unsere wissenschaftliche Untersuchung geführt haben., charaklerisirl sich nicht blos durch das Bermeiden von Schmähworlen, sondern durck, die gesammte Haltung und den Weg, den wir verfolgten. Ter Bersasser kennt, wie es scheint, von unseren Schriften nur noch die Broschüre über die erste Synode, mit der er selbstverständlich sehr unzlisrieden ist. Würde er B. unsere „Weltbewegenden Fragen" gelesen haben, so würde er wissen, daß wir, ohne je eine Schmähung über Das auszusprechen, was Andersgläubigen heilig ist. doch sehr einschneidend unheilen können, und ries auszndrücken vermögen. So sind aber diese Herren. Auch dies Büchlein fließt über von dem Glauben an die Bracht rmd den Sieg der Wahrheit, und stützt sich schließlich aus das „Strafgesetzbuch." Glaubte ddr Bersasser etwa, das; wir ihm aulworteu werden, und wollte uns jetzt schon das Gorgonenhaupt res Strafgesetzbuches Vorhalten? Niemand hat das Jahr über mehr von Niedertracht und Schmähsucht zu leiden, als die Juden und das Iudenthum. An das Strafgesetzbuch denken jene teilte nicht, und wir erinnern sie nicht daran. Doch Herr Becker kann ruhig sein; wir werden ihm nicht ausführlich antworten, denn seine Schrift ist gar nicht dazu angelhan. Es lhul uns dies leid; wir hätten gern eine kritische Entgegnung unserer Broschüre entgegengenommen, um aus Grund derselben unsere Untersuchung noch einmal auszunehmen; denn bis jetzt hat man uns z. B. von katholischer Seite nur mit einigen Schmähworten erwiedert. Aber auch Herr Becker hat eine solche nicht pretueirt, und nennt mit vollem Rechte sein Büchlein nur eine „Antwort", und sie ist eine solche, aus welche sich eben gar Nichts erwietern laßt. Tie eigentliche Grundlage unserer Hritik giebt er selbst zu, daß nämlich bei den Inden die >'treuzigimg keine gesetzliche oder übliche Todesstrafe war, und daß außer der kurzen Notiz bei Taeitus, die doch auch erst aus zweiter Duelle geflossen ist, keine geschichtliche Nachricht über den Tod Jesu vorhanden sei, da die Evangelien keine Geschichtsbücher, sondern Glanbcnsbücher sind, aus besonderen Glaubensansichten, und zu bestimmten Zwecken geschrieben. Hier eben scheiden sich die Wege. Herr- Pastor Becker sieht die Evangelien als vom heiligen Geiste dictirt an, so das; sie den unumwundensten Glauben verdienen, folglich auch vollen geschichtlichen Werth hätten. Dieser'Unterschied wird Jedermann einsehen lassen, daß wir eine Replik auf Beckers Antwort gar nicht geben können, und daß Herr Becker seine Antwort sich hätte ersparen können. Selbst die Widersprüche unter den Evangelisten selber fechten den Herrn nicht an; um 1-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.