Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 im Oafjrc 1 SOS auf rJu^ienni^fi'fieii auf zwei Jahre nacü teilt Cricnt reifte, um altbabylonische und ägyptische Denkmäler zu erforschen. (Gegenwärtig 33 Cu lu e alt, hatte Herr Harkawy erst im 2". Lebensjahre mit reu Elementen des Wissens begonnen nur, in die Rabbinersd>itlc zu Wilna eingelrelen, den zehnjährigen Eursns derselben innerhalb fünf Jahren abseloirt, woraus er sich dann an rer orientalischen iyacultät der hiesigen Universität immatricukiren liest. Selche Theilnahme die Promotion des Herrn Harkawy auch in den höchsten wissenschaftlichen Kreisen erregte, geht u, A. noch daraus hervor, daß selbst rer Ditector der kaiserlichen Bibliothek derselben beiwohnte. Anikkica. Königsbcrg, I '■>. Xfccmfccr (■fviratin.i Sic kennen cic Verläumdungen, welche über die Thätigkeit nur die Erfolge des hiesigen Hauptgränzcomite's geflissentlich von rer sogenannten orthodoxen Presse ausgestreut worden sind. Hauptsächlich sagt man, das; die Ausgewanderten entweder in America nntergehen, oder nack Europa zurückkehren. Da man nun in Deutschland selbst von selchen Znrückkehrenden noch niemals Etwas erfahren hat, so sagt man, sie kehrten über England zttrück. Um diesen Verdächtigungen enkgegenzntreten, haben wir von hier atrs einen völlig unverdächtigen, und mit den Verhältnissen genau bekannten Zeugen, um sein Urtheil befragt, und den folgenden Bescheid erhalten. Rewyork, 1!». Ang. iS7 2. Rev. Dr. I. Bamberger, Königsberg, Hochgeehrter Herr! In Beantwortung Ihrer Anfragen: inwiefern erweist sich die Beförderung von westrussischen Juden nach America nützlich? finden die Leute dort ihre Existenz, oder verkomnten sie dort? verbleiben sie in Anterica, oder kehren sie einzeln zurück? erlaube ich mir Folgendes zu sagen. 1) Tie Einwanderung dieser Leute ist den hiesigen Juden nicht wünschenswert!), da sie een hiesigen Inden und dem jüdischen Rainen wenig Ehre zu machen pflegen: jedoch für diese Leute selcht kann es nur einen glücklichen Erfolg haben, verausgesetzt, Die schicken nur junge Leute von Ick bis 35 Jahren mit nicht zu grosten Familien. 2) Obnc Zweifel finden sich Viele dieser Leute bei ihrer Ankunft hier in ihren Hoffnungen etwas getäuscht; denn das Geld liegt nicht aus der Straße, sie müssen dafür arbeiten,- was ihnen in der ersten Zeit nicht sehr leicht wird, da sie die Sprache und Sitten des Landes nicht kennen. Dieses ist aber sehr häufig der rcafl mit Deutschen, welche selbst mit Mitteln hierher kommen. Lettte jedoch, welche Energie und AuSraucr besitzen, haben hier diese Schwierigkeiten in drei 'Monaten überwunden, und kontnten dann gut vorwärts. 3) Meine. Meinung nach allen Erkundigungen, welche ich darüber eingezogen habe, ist die, das; nur sehr Wenige nach Europa zurückkehren; nur zwei habe ich, weil sie unheilbar krank waren, aus ihr Verlangen zurückgesandt. Von den klebrigen der, von den, Hauptgränzcomite zu Königsberg hierher gesandten Juden macken die Meisten nicht nur einen guten Erwerb, sondern Viele sckicken Gelder an ihre zttrückgebliebenen Fantilicn, und Manche haben auch schon ihre Familien aus eigene Kosten hierher kommen lassen. Es mögen wohl Fälle verkommen, wo Leute hier ihr Brod nicht erwerben können, aber dieses sind nur Ausnahmen, und wohl nur ältere Lettte mit großer Familie. Weshalb russische Inden von hier über England zuriickgehen sollen, kann ich mir nicht erklären, da sie billiger direct nach Hamburg oder Bremen gehen können, sie ntüstlen denn Geschäfte dabei int Auge haben. Ich würde der Alliance israeliie universelle rächen, einen einsichtsvollen, gebildeten, und Einfluß habenden Mann, wo möglich von dem Hanptgränzcomitö, hierher zu senden, um sich tiicht ttur allein mit den Verhältnissen und Aussichten dieser Emigration bekannt zu macken, sondern auch um die Alliance israeüte universelle in diesem Lande besser zu ergauisiren, in welchem Falle ein Zweig dieser Gesellschaft die ganze Sache in die Hände nehmen kann, und ich zweifle nicht, daß, wenn ordentlich organisirt, für diese Auswanderung viel mehr gethan werden kann als jetzt. — Ich sehe nickt gern meinen Rattten in Zeitungen oder öffentlichen Verhandlungen, und bitte Sie nur so viel von diesem Briese zu benutzen, als nöthig ist, Vcrlänmdungen ztt widerlegen. Die Redaction der A. Z. d. I. bemerkt hierzu, daß ihr das Original des obigen Brieses mit der Unterschrift vorgclegt worden ist. Der Sckreiber des Brieses ist eine sehr angesehene Persönlichkeit von völlig genügender Position, um ein vollgültiges Urtheil in dieser Angelegenheit zu fällen. — Bei dieser Gelegenheit wollen wir noch bemerken, daß, wenn jüngst von Mißhandlungen polnisch-jüdischer Emigranten aus einem englischen Transportschisse berichtet worden ist, so daß diese von dem Eigenthümcr eine Entschädigung erhielten, die betreffenden Auswanderer nicht von dem Hauptgränzcomite verschifft worden waren, was um so mehr einleuchtet, als dieses Eomite nur mit einer einzigen Ausnahme, und zwar einer früheren, für ihre Schutzbefohlenen niemals den Weg über England wählt. Baltimore, im Rov. Herr William S. Rahner, einer der gebildetsten und reichsten hiesigen Israeliten, hat ein prachtvolles, in einer gesunden und rontantischen Lage stehendes Gebäude zu einem israelitischen Waisenhause geschenkt. Das palastähnliche Hans liegt in einer geringen Entfernung von der Stadt, ist durch eine Pserrceisenbahn leicht zugänglich, und besitzt alle Erfordernisse, die es zu einem Waisenhanse geeignet machen. Ein großer (Zarten und ein Spielplatz umgeben daS Gebäude, und der hockherzige Geber hat mit bedeutendem Kostenauswande dasselbe höckst dauerhaft und geschmackvoll renoviren lassen. Allgentein wird der Werth des Geschenkes ans 30—lOOOo Dollars