Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 und Beweglichkeit der Juden. Hierauf übertreibt man über die Maßen ihren Einfluß, ihre Machtstellung im europäischen Veben, unv nun — legt man loS: man schmäht sie in leiblicher und geistiger Beziehung, man spricht ihnen jede wahrhafte geistige und wissenschaftliche Fähigkeit ab, und weilt ihnen einen sittlichen Charakter zu, der zum abschreckenden Beispiele dienen kann. Diese Methode zeigt sich in Frankreich wie in Deutschland, um den Schein der Unparteilichkeit und Gerechtigkeit zu retten. Co versteht sich, daß wir hierauf noch oft zurückkommen müssen. Es gilt, in unserem Blatte die Witerlegnngsgrünke auszustellen, um auch nach Außen hin die richtigen Waffen vorzubereiten für Die, welche sie dorthin zu führen Gelegenheit haben. Man sieht also, daß die Arbeit nicht zu Ende ist, daß sie vielmehr in größerem Maße sich gehäuft hat. Bagdad, den A 1. Juli. Die fuge kr 3iiktt in Persien. Unter obigem Datum hat die Alliance israelile universelle folgenden Brief erhalten: Die Vage unserer unglücklichen persischen Glaubensgenossen ist mir hinreichend bekannt; ich habe mich lange für ihr unglückliches Schicksal interessirt, und alle Nachrichten gesammelt, deren man zu ihrem Beutzen sich bedienen kennte. Indessen, um der Aufforderung der Alliance zu einer umfassenderen Untersuchung zu entsprechen, und die Fragen, die sie uns gestellt hat, gründlicher zu beantworten, habe ich mich beeilt, das hiesige Eomite, sowie mehrere ehrenwerthe Geschäftsleute, zu vereinigen, tvelchen Persien besonders bekannt ist, sei cs daß sie dort geboren sind und sich längere Zeit daselbst aufgehalten haben, sei es daß sie dort Geschäftsbeziehungen besitzen. Die Berathnug, welche am Sonntag, dem *21. Juli, statlfand, dauerte drei Stunden. „Welches ist die gegenwärtige Vage unserer Glaubensgenossen in Persien? Bedürfen sie noch der Unterstützung?" Ich bin glücklich, der Alliance anzeigen zu können, daß überall der Ueberfluß an die Stelle des Mangels getreten ist, ebenso wohl in den nördlichen, wie in den südlichen Provinzen Persiens. Es ist freilich kein Zweifel, daß noch große Spuren der weiten des letzten Jahres vorhanden sein müssen, die Hungersneih muß zahlreiches Elend zurückgelassen haben; für diese Fälle würde die Hülseleistnng von großem Nutzen sein: aber eine beträchtliche Schwierigkeit wäre eS, die Unterstützungen an ihre wahre Adresse zu befördern, und sie nach Billigkeit zu vertheilen. „Ist cs möglich, ihre Vage im valide selbst zn bessern, oder ihnen die Auswanderung zu erleichtern?" Tie Berfammlung hat einstimmig anerkannt, daß dieses letztere Mittel unausführbar ist, daß sie im Allgemeinen es zurückweisen' würden. Es ist das allerdings recht schade, denn im Kaukasus, nicht weil von den Ufern teS kaspifchen Meeres, in den Umgebungen der Stadl Vimkirane, sinken sich einige Dörfer, bewohnt von den zum Judenlhume bekehrten Nüssen, die unter dem Namen der Schobotniks bekannt sind; die Vage ist ausgezeichnet, das band fruchtbar, das Klima dem persischen ähnlich; ntan spricht dort auch die Sprache dieses Van res. So würde es ein beträchtlicher Berthe il sein, wenn mau, mit der Zustimmung der russischen Negierung, unsere uitglücklichen Brüder veranlassen könnte, sich zum Belasse des Anbaues des Vandes dort nieeerznlasscn*. man würde ihnen von Seiten ihrer russischen Glaubensgenossen den besten Empfang bereiten; die Allianee könnte vorher Nachrichten einziehen bei einem gewissen Joseph Halevy Tscharny aus Minsk, der behauptet, von der Allianee und der russischen Negierung in dieses Vaud geschickt worden zu sein. Aber ich beeile mich, es zn wiederholen, ich war und bin allein der* Ansicht, daß mau einige gutgesinnte Familien zur Auswanderung würde veranlassen können; alle anderen bei der Bersannulnug anwesenden Personen behaupteten, daß die unglücklichen Bewohner Persiens sich nietnalS zu solchen Absichten hergebeu werden. So bleib: nur übrig zu betrachten, ob es möglich ist, ihre Vage im Van de selbst zu verbessern, uud welche Mittel man dazu auzuweudcn hätte. Die Bersarnmlung war wieder einstimmig der Meinung, daß die Aufgabe außerordentlich schwierig ist. und daß, wenn ein wirksames Mittel vorhanden ist, es das folgende wäre. Die Alliance toürdc nach Teheran einen ausgezeichneten, mit Veib mit Seele der israelitischen Sache ergebenen nniuteressirten Mann schicken, der, ohne Nücksicht aus seine Person und seine Zeit, besonders mit großer (Geduld anSgestattct wäre; es ist von Wichtigkeit, daß er mit der politischen Welt in Teheran leben, dort gewissermaßen eine Nolle spielen könnte, um leicht Berbindnngen mit den hohen Beamten, sowohl europäischen als persischen, anknüpsen zn können; durch die Bermittclung der Allianee den Gesandtschaften empfohlen, wird er sich mir der Zeit allen Israeliten Irans bekannt machen, die ihn von ihren Veiden und Unglücksfällen unterrichten werden, welchen er in vielen Fällen, wenn'nicht Abhülfe, so doch starke Vinrernng wird verschaffen können; sollte er ans unvorhergesehene Schwierigkeiten stoßen, so hätte er die Allianee zn seiner Unterstützung. Um dieser Sendung den Anschein eines politischen Charakters zu nehmen, und zn gleicher Zeit das Glück der zukünftigen Geschlechter zn grünten, müßte die betreffende Persönlichkeit in Teheran eine Schule eröffnen, wo man Hebräisch und Persisch lehren würde; das Französische müßte in derselben einen nur untergeordneten Rang einnehmen, um den beiden anderen Sprachen als Muster zn dienen. Indes; der größte Theil seiner Zeit müßte der moralischen Sache gewidmet sein, dem Zustande seiner Brüder; die Schule darf nur ein Aeeessorinm der hohen Mission sein, mit welcher er bekleidet sein würde. Wenn zum Heile unserer armen Glaubensgenossen in Iran die Allianee Jemanden für diese zugleich so eigenkhümliche l*