Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1872)
- Date
- 1872-12-24
- Page
- Seite 1041 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueberzeugung, welche die maßvolle Aufregung des Gemüthes begleitet. DcKei: zngt er bei aller juristischen Feinheit einen vollen Ossenmuth und die charakterfeste . Einhaltung -esRechtsbodens. - 'Der Vorwurf der Sophistik, . der: seinem .Vorgängerstets gemacht werden konnte, trifft bei ihm durchaus nicht zu. Er ist ein Redner, der nichthinreißt, aber überzeugt. Daher kam es, und wird es kommen, daß er seinen Nachfolgern aus der Tribüne nur eine spärliche Nachlese überläßt, was uns bald zu-Gefühle kam, und, da die Abstimmung des Hauses durch.den Compromiß der verschiedenen Fractionen bereits fest stand, uns veranlaßt, bald darauf/ nämlich nach dreistündigem Ausharren, die heiße Atmosphäre des Hauses mit der frischen Luftbewegung draußen auf dem Dönhofsplatze zu vertauschen. - Wir hatten übrigens dadurch doch Etwas, versäumt; denn die mit vielem glücklichen Humor gewürzte Rede des Abgeordneten Braun, die später folgte,, hätte uns reichliche Entschädigung bereitet. Nur noch die Bemerkung, daß der Minister vr. Falk den Eindruck einer geistreichen, allerdings etwas abgearbeiteten Persönlichkeit macht. Charakter blickt aus jedem seiner Züge heraus. Die mehr breite als hohe Stirn unter dem schwarzen Haare ist bereits durch -Furchen gezeichnet; seine braunen, etwas verdeckten Augen haben einen scharfen- .stechenden Blick, wie er Lei bedeutenden Juristen häufig. ist. Sein. Organ ist nicht sonor, und hat nicht viel Abwechselung, ist dagegen sehr klar, und accentuirt scharf, so daß jede Silbe deutlich zu Gehör kommt. Correspou-euz. n=n Odessa, 13/25 November.. Den 12/24 d. um 4 Uhr Nachmittags ist nach kurzem Krankeütager vr. Moses Schorstein verschieden. Der Heimgegangene, dessen irdische Reste heute schon dem Schoße der Erde zurückgegeben werden, wurde in Brody, in Galizien geboren. Frühzeitig! verwaist, wurde er von seinem Onkel, Herrn Markus- Schorstein, an Kindesstatä angenommen und von diesem erzogen; er besuchte die dortige Realschule , worauf et die Urtiversttät Wien bezogt wo er seine medicinischen Studien absolvirte und den Doktorgrad erlangte. Nach' kurzem Aufenthalte in seiner Vaterstadt Brody, wo er. während der damals herrschenden Chpleraepidemie seine Heilkunst der leidenden Menschheit widmete, zog er nach Odessa, wo er sich mit der Tochter des allgemein geachteten und wohlthatigen Herrn Salomon Horowitz verheirathete, und dann als praktischer Arzt auf den Gütern der Füvfteu, WsroltzoM mrw Gaktzin, sowie vesi Gutsbesitzers Funduklei wirkte. - ' - Auf den Gütern dieses russischen 'Magnaten,. ünH^W 5- Umgänge Mit ihnen, verbrächte er einen großen Thell? seines Lebens. Der Aufenthalt' aufdem Lande mag ihm. für die Dauer nicht zugesägt haben, »'weßhalb' er. den'" faßte, wieder nach Odessa zu ziehen, wo er eine -lange Reihe von Jahren als Helfer der leidenden Menschheit rwirkte!, und hier die 'erste Wasserheilanstalt nach dem 5': prießnitzschen Systeme errichtete. - Der Verblichene, 'den Äkr noch vor 'wenige»' Äoch»«»'H'D in vollkommenes Gesundheit und Rüstigkeit sahen, rmV - M der so schnell voM Unerbittlichen Tode hinweggerüfft - worden ist-war ein Mann vdn gediegener wissenschaftlicher; Bildung und strenger Rechtlichkeit. Außer seinem medicimschen Wissen , auf welchem Gebiete er auch literarisch wirkte, verstand er die modernen Sprachen vorzüglich, und schrieb.besonders ein schönes, fließendes Deutsch Lange Jahre hindurch, während seines Auftmhaktes in Dresden, war er Mitarbeiter an Gutzkows „ÄüM s Haltungen am häuslichen Herd", wo viele seiner vortrefflichen Aussätze sich befinden, nämlich „Ein BriefsäüSsK. Pest^, die intereffanten Schilderungen der böhmischen Badeorte Marienbad, Franzensbad u. m. A. Leopold Komperts „Jahrbuch der Juden" brachte . vor mehreren Jahrett aus seiner Feder die fchöngeschriebLne Novelle „Die beiden Prinzessinnen", die dem russischen Publicum durch die gelungene Uebersetzung iri dem ebenfalls heimgeganaenett „Djen" bekannt ist. > . Aus einen besondern Grundzug im Charakter des Dahingeschiedenen wollen wir die Leser dieses Nachrufesder den Manen des Verewigten gewidmet ist, dessen * Tod uns tief erschüttert hat, aufmerksam machen, nämlich daß der selige Schorstein, trotz seines vielen Umganges mit Christen, sich ein warmfühleudes Hetz für alles jüdffche Jttlereffe zu bewahren gemußt |dii' — 1 Leider ist die Thatfache nur zu wahr, daß die ckristeri unsrer gebildeten Glaubensgenossen das JMnthM/ dib - angestammte Religion ihrer Väter, vornehm ignoriren. q und sich blutwenig um dasselbe kümmern. ' Wir müffew dem Entschlafenen zUnt Ruhme nächsagen, , ' daß er in dieser Beziehung ein ganzer Mann war, daß '. er nicht ruhig zusehen konnte, wie das alte ehrwürdige s' Judenthüm und dessen Bekenner von der klerikalen WsseH und ihren Helfershelfern verunglimpft und verläümdetE wurden. Bon gerechtem Zorne entbrannt, griff sr MÄ seiner gediegenen Federvertheidigte seine Brüder, und goß so viel Hohn und Spott über die Machwerke der freMn i Gesellen, daß jene Erzjudenfeinde verstummen müßtetil '' Mehrere Jahrgänge dieser -Mllg^ Ztg. d. Jud." brächten-F viele ausgezeichnete Aufsätze auf dem Gebiete der PölemÄ- "ä die seiner trefflichen' Feder entflossetk waren. ''! Wir erinnern! an dieser Stelle an seine Sfteiischtist „Eine Judenantwort", die anonym erschienenist schiedene Aufsätze in diesem Genre enthält. - In unserer Zeit/ wo; -dck berüchtigte „Golos" sich - L nicht eUtblAretdie Fackel der Zwietracht unter die ver-