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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-12-24 · Heft 52 (24.12.1872) · p. Seite 1040

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 52 (24.12.1872)
Date
1872-12-24
Page
Seite 1040 (sequence 18)
Language
German
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' liche innehat, d. h. also ebenfalls einen obligatorischen ^herzusiellen. Der vorhLgWde Fall ist, „offenbar M solches, der die' Frage,ob Ler obligatorische Religions- . unterricht Aufrecht'.zu.erhalten sei, eher verneinen als . bejahen läßt. ' Der Staat wird bei demselben, sobald innerhalb einer Confeffivn dogmatische Streitigkeiten entstehen, zum obersten Richter über diese gemacht, und -Dies kann er seiner Natur (nA in-^rligiösen -Dinges nicht sein. Jetzt gilt es in der' katholischen Kirche, ob Unfehlbarkeitsdogma, oder nicht. Finden nicht aber ähnliche Parteiungen in der evangelischen Kirche., ähnliche .' Parteiungen im Judenthume statt? Wie lange wird es dauern, daß sich auch in der Ersteren das Verlangen vieler Aeltern Herausstellen wird, ihre Kinder-vom obligatorischen Religionsunterrichte befreit zu sehen? Denken mir: uns z.'B. in Berlin den jüdischen Religionsunterricht.;-an den - - öffentlichen Schulen obligatorisch —' wie lange wird es dauern, bis die orthodoxe Partei ihre ' Binder davon frei sehen will, und unter Umständen ebenso die-Reformgenoffenschaft? Bis jetzt hat sich das gegenwärtige preußische Cultusministerium der braunsberger-Angelegenheit gegenüber damit geholfendaß ein Rescript die Dispensation gestattet, wenn ein genügender Ersatz im Religionsunterrichte nachgewiesen wird. Man sieht leicht ein, daß dieses Auskunftsmittel, eben nur ein zeitweises' ist. . Der. officielle Religionsunterricht ist nicht mehr obligatorisch, denn es kann davon dispensirt werden, und in Braunsberg - haben 186 Schüler' Dies benutzt, während 29 dem angestellten Lehrer ' treugeblieben? sind. Mer der Religionsunterricht ist noch obligatorisch, denn es -muß-ein der Regierung genügendes Ersatz nachgewiesen-werden. Es könnte ebenso leicht geschehen, daß der^officielle- Religionsunterricht gar nicht, besucht'' wird. Dieser wird von der Schulcasse bezahlt, der Ersatz nicht. c Dennoch muß der ersetzende Religionsunterricht ofsiciell > anerkannt sein, um diesbezügliche Rubrik in der Censür auszufüllen. Das ist doch ein Zustand, der nicht T dauerhaft sein kann.; So wiedie kirchlichen Wirren .zwingen, die obligatorische Civilehe einzusühren, so werden . dieselben noch mit größerer Gewalt die Aufhebung des .obligatorischen Religionsunterrichtes erzwingen, so daß ' die Schule. Nichts weiter zu fordern habe, als den Nachweis: eines stattfindenden Religionsunterrichtes. Denn . nicht 'einmal die Forderung kann der Staat aufrecht . erhalten, daß er zu entscheiden habe, welcher Religions- ' Unterricht. ein-, befriedigender Ersatz sei. Denn auch Zaun wird er zum Richter über kirchliche Streitfragen gemacht. "Er. kann nur verlangen, daß der Religionslehrer eine. allgemeine Prüfung: bestanden habe.. Sicherlich > aber - vermag ein Ministerialrescript nicht, dies zu: ordnen, sondern nur ein Ünterrichtsgesetz. ' Wie die Sachen liegen, war daher an. diesem Tage, > wieauch amfolgenden bei der Interpellation wegen der Schulschweste.rn,/die Stellung des Hauses einesehr proble- .. MtischK.. DaS;: ultramontane. Centrum; kämpft - Hr ><die Freiheit, aber'nur . um-Zwang ausüben zu können^ und Mi WAM'WW die Mehrheit kämpft für den Zwang, um' die Freiheit zu sichern. Jenes will nicht, daß die katholischen Schüler gezMngen seien, den altkatholischen Religionsunterricht zu besuchen, aber nur um-sie zum Bekenntnisse des Un-, fehlbarkeitsdogma's zu zwingen,, und Regierung und. Haus halten -dm obligatorischen Religionsunterricht aufrecht, um den katholischen Kirchenzwang zu verhindern. ÄochsWhcjfer HnÜ/Hiesig Hegensatz in der zweiten Interpellation hervorwie wir an einer anderen Stelle zeigen werden. Die beiden Hauptredner waren der Abgeordnete Reichensperger und der Cultusminister Falk. Beide bewegten sich auf juristischen Demonstrationen, die aber, unparteiisch geurtheilt, sehr zu. Gunsten des Ministers ausfielen, währendder Abgeordnete' in Widersprüchen mit sich selbst verfiel. Er sagte-gleich Anfangs, daß er eine Entscheidung über die dogmatischen Streitigkeiten, weder von der Regierung, noch von dem Hause, wolle und annehme-'— und doch verlangt er eine solche, wenn/er die Absetzung des Dr. Wollmann fordert, da dies' die'.Entscheidung involviren würde, daß die Unfehlbarkeitsbekenner die rechten Katholiken seien. Er hob, und' nicht mit Unrecht, an dem bekannten Ministerialrescripte hervordaß es die Dispensation von dem Provineialschulcollegium, und die Entscheidung, ob der Ersatz ein befriedigender seiwiederum von Diesem abhängig machet so daß'- hierdurch vie gewährte Befreiung so gut wie illusorisch'fei. Dem Minister war es dadurch leicht - zu zeigen,. dast ein Anderes nicht in seiner Befugniß gelegen habe; denn den Aeltern, wie es Reichensperger verlangte, den Religionsunterricht ganz freizustellen , wäre eine; Aufhebung! des obligatorischen Religionsunterrichts, die nur durch' ein Gesetz verfügt werden könnte. Da aber Reichensperger angeführt hatte, daß 186 Schüler den Unterricht des vr. Wollmann verlassen, und nur 29' ihm 'treugeblieben seien, so widersprach er sich, selbst, da hiernach dasPrdvincialschulcollegium die Dispensation in vollstem Maße gewährthat. Die Deductionen Michenspergers ans dem allgemeinen Landrechte waren so gekünstelt, daß sie sich leicht aus dem Wege räumen ließen. So anziehend der Vortrag Reichenspergers ist, so ermüdete er doch 'durch eine anderthalbstündige Länge, die nur hier und' da durcheinen ironischen Ausfall gewürzt war. Der. Minister 0r^ Falk ist kein bedeutender'Redner im . engeren Sinne dieses Wortes:, aber er hat- Eigenschaften, die seine Reden höchst bedeutend Machen-,/selbstverständlich dadurch gehoben, daß sie ebew ausdem Munde . des „Ministers^ kommen. Er hält sich durchaus sachgemäß, vermeidet jede FlvSkel, jede bloße Phrase.' Dadurch erscheint jeder seiner Aussprüche'- höchst besonnen und ' nachdrücklich. Obschon er/ selbstverständlich überall an die Rede des Vorredners anknüpst, erscheint doch jeder Satz und die ganze Folge der Sätze wie? dorher überlegt undgenau durchdacht,genau logisch und scichgemäß. - / Gerade bei dieser Einfachheit\ gewinnt t; seine Rede/) wenn sein^ToN; sich Hebt, den?'Eindruck innerster "U Ä

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