Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1872)
- Date
- 1872-12-24
- Page
- Seite 1032 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Wschickt sich -der Landesausschuß an, jüdische Vermögen sich anzueignen, und hat eine Vorlage ausgearbeitet, gemäß welcher der jüdische Landesmassafonds im Betrage von 140,000 fl. dem allgemeinen galizischen Landesfonds einverleibt werden soll. Dieser jüdische Landesmassafonds wurde unter Kaiser Joseph zur Dotirung deutscher Normalschulen für die Juden gegründet, und erst in den sechziger Jahren wurde dieser Theilbetrag von 140,000 fl. (der Gesammtbetrag war 240,000 fl.) als jüdischer Fonds von dem anderen Landesvermögen ausgeschieden. Ueber Antrag des Herrn Ehlenberg wurde in einer Generalversammlung des Vereines „Schomer Israel" beschlossen, durch den jüdischen Abgeordneten, Herrn Kalches aus Brodh, beim Landtage einen Protest einzureichen, sich resp. dem Proteste des Gemeindevorstandes anzuschließen, und auch an den Reichsrath eine Beschwerde zu richten. Der Vorstand des „Schomer Israel" wurde für diese Angelegenheit durch fünf Mitglieder, die Herren Dr. Schaff, Gottlieb, Lucka, Landsberger und Vierer verstärkt. Die Habgier des polnischen Landesausschusses beschränkt sich jedoch nicht auf dieses eine Object, es ist eine zweite Vorlage vorhanden, der zu Folge für das jüdische Spital bestimmte Legate dem allgemeinen Krankenhause zufallen sollen dafür, daß diese Anstalt nach den-bekannten Skandalen endlich auch Juden zugänglich wurde. Das allgemeine Krankenhaus ist aber Landesinstitut, zu dem Juden wie Andere beitragen, und auf dessen Genuß sie volles Recht haben; das jüdische Spital ist Privatinstitut, das vom Landesfonds keinen Kreuzer Subvention erhält. Letztere Angelegenheit wird im Vereine „Schomer Israel" erst zur Sprache kommen. Stanislau, 1. December. Bekanntlich bestanden in den älteren 18 Kreisen Galiziens — nachmals Ostgalizien genannt — vom Jahre 1789 bis 1806 jüdisch-deutsche Normalschulen, zu deren Erhaltung die dortigen Juden verschiedene Beiträge leisteten. Nach der im Jahre 1806 erfolgten Auflösung dieser Schulen wurden im Jahre 1808 die bis dahin in Ersparung gebrachten Capitalien des ostgalizischen jüdischen Schulfonds im Gesammtbetrage von 256,628 fl. dem ostgalizischen katholischen Normalschulfonds einverleibt. Im Jahre 1859 reclamirte der israelitische Cultusvorstand in Lemberg diesen ausschließlich der ostgalizifchen Judenschast gehörigen Schulfonds, und in Folgeallerhöchster Entschließung vom 4; Juli 1860 wurde im Jahre 1864 der Betrag der 117,200 fl. ö. W. als Aequivalent des jüdischen Schulfonds wirklich ausgeschieden, und dieser, mittlerweile durch Fructificirung auf circa 140,000 fl. ö. W. angewachsene Betrag wird jetzt zur Subventionirung der wenigen confessionellen jüdischen Schulen verwendet. Der Landesausschuß, in dessen Mitte die 500,000 Juden gar keinen Repräsentanten haben, kam in jüngster Zeit auf den Gedanken, diesen zweifellos jüdischen Schulfonds seines Charakters zu entkleiden und ihn dem galizischen und krakauer Normalschulfonds einzuverleiben. Zu diesem Behufs hat derselbe dem Landtage unter den übrigen Vorlagen auch den Entwurf eines derartigen Gesetzes zur Beschlußfassung unterbreitet. Wie wenig ein solcher Antrag beim Landtage auf Opposition stoßen würde, läßt sich um so leichter voraussehen, als dem einzigen Vertreter der Judenschaft so viele Judenfeinde, wie Torosiewicz und Krzeczunowicz, entgegenstehen, und die bei jeder Gelegenheit bewiesene Antipathie gegen die Juden zu den sogenannten „Eigenthümlichkeiten" Galiziens gehört. Angesichts dieser drohenden Gefahr haben sämmtliche jüdische Cultusvorstände Ostgaliziens —- jener zu Lemberg an der Spitze — eine energische Petition beim Landtage überreicht, in welcher sie die handgreifliche Ungerechtigkeit dieser projecürten Antastung ihres ausschließlichen Eigenthums Nachweisen und um Verwerfung des fraglichen' Antrages bitten. Der israelitische Cultusvorstand in Lemberg entschloß sich, auch an das Ministerium sich mit der Bitte zu wenden, damit in ähnlicher Weise, wie dies in Mähren im Jahre 1869 geschehen ist, der gedachte Schulfonds in eigene Verwaltung der Juden übergeben werde. Frankreich. Paris, im Decbr. Die Arch. isr. enhalten einen Brief, welcher die sonderbare Thatsache constatirt, daß das dortige Consistorium seit drei Jahren die Zinsen der zum Baue des neuen Tempels creirten Obligationen nicht zahlt. Die Vollendung des Tempels wäre auch noch sehr problematisch. Dasselbe Blatt berichtet, daß das Centralcomits der Alliance beschließen wolle, daß die jährlichen Generalversammlungen nicht mehr blos in Paris, und schon die.nächste, in.London-stattfinden