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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-12-17 · Heft 51 (17.12.1872) · p. Seite 1020

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 51 (17.12.1872)
Date
1872-12-17
Page
Seite 1020 (sequence 18)
Language
German
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ihrer Macht und ihren Einkünften verloren, und stehen in Gefahr, immer Mehr, ja Alles davon zu verlieren. Welch Wunder Daher, daß sie sich aufraffen, um nicht allein zu vertheidigen, was sie noch besitzen, sondern, wenn das Glück gut will, wieder zu erobern, was ihnen abhanden gekommen ist. Freilich, wenn das Glück nicht gut will, können sie in diesem Kampfe Alles verlieren, und sie so zu den-Dünsten gehören, welche der von ihnen angefachte Sturm hinwegfegt.. Andererseits wurden in derselben Neugestaltung und aus derselben Entwickelung und den stürmischen Phasen, die sie durchzumachen hatte, in den sogenannten unteren Schichten Gelüste geweckt, Bedürfnisse geschaffen, . Anschauungen hervorgebracht, welchesich zu drohenden Forderungen gestalteten. Es ist hier nicht der Ort, die Ursachen zu erörtern, aus denen der Communismus und der Socialismus entsprangen; sie sind da, und immer bereit, einen Sturm gegen die bestehende Gesellschaft zu erregen. Auch Vieser wird vorübergehen; sicherlich wird die Gesellschaft im Stande sein, auch diesen Classen gerechter zu werden, als es bis jetzt geschehen und möglich war; der Communismus und der Socialismus aber als solche werden zu den Dünsten gehören, von denen die Luft durch den Sturm selbst befreit wird. Einstweilen aber ist der Kampf da, und die Angriffe der beiden genannten Parteien richten sich gegen die Gesellschaft, gegen den Staat, gegen Alles, was in der Mitte steht und zu diesen gehört. In Reihe und Glied für die Gesellschaft und den modernen Staat stehen auch die Juden; ihre religiöse und sittliche Ueberzeugung, ihr Geschick, die Befreiung von drückenden Fesseln, die ihnen die moderne Gesellschaft gewährte, dies Alles weist sie dahin, und hält sie darin fest. Deshalb richten jene beiden Parteien ihre Geschosse mit einer sich steigernden Heftigkeit gerade gegen die Juden. Obschon diese gar keine besondere Stellung anstreben, Nichts als Bürger des Staates, wie alle Anderen , Nichts als Glieder des Culturlebens, wie alle Anderen sein wollen, suchen Jene sie als einen abgesonderten Theil des Ganzen, als einen einflußreichen Factor der Gesellschaft hinzustellen, um sie' sich als Zielscheibe ihrer Waffenübungen, als Angriffspuncte für ihre anstürmenden Cohorten auszuwählen. Wir müssen es uns gefallen lassen, ohne daß wir passiv zu bleiben brauchen. Wir wehren uns, und werfen die Pfeile auf die Schützen selbst zurück. Dies nehmen sie uns sehr übel, und werden um so bitterer und gröber. Gut, so kennzeichnen sie sich ganz und gar. Es' versteht sich da von selbst, daß diese Zeitung, daß ihr Redacteur zu den mißliebigen Personalitäten gehört, und die Angriffe von beiden Seiten sich mehren. Von Einigen Derselben heute unsren Lesern zu erzählen, ist der Zweck dieser Mittheilung. Man wird sich erinnern, daß einige Nummern des „Socialdemokraten" wüthende Artikel gegen die Juden enthielten, die ein berliner Correspondent in Nr. 47 unsrer Zeitung mit kurzen, aber schneidenden Worten beantwortete. Diese Herren wunderten sich nun gar sehr, daß man es wage, ihren Aufforderungen zur Ausrottung des „jüdischen Stammes" entgegenzutreten,: und sie kurzweg abzuferügen. Sie mögen allerdings zu sehr gewohnt sein, daß man von ihren Drohungen und Grobheiten gar keine Notiz nimmt. Sie schäumen vor Wuth auf, wenn man sie einmal mit dem Arme der Wahrheit und Gerechtigkeit in ihr Nichts zurückschleudert und den Finger auf die Wunden legt, die sie sich mit ihren eigenen Waffen beigebracht haben. Der „Neue Socialdemokrat" brachte eine Entgegnung auf unsre berliner Correspondenz. Dieselbe würde uns entgangen sein, wenn sie nicht vom „Düsseldorfer Anzeiger" vom 29. November auf Verlangen „mehrerer katholischer Socialdemokraten Düsseldorfs", wie sie sich unterschreiben, wiederholt, und dieses Blatt uns zugesandt worden wäre. Weshalb sich diese Socialdemokraten als „katholische" bezeichnen, wäre nicht erfindbar, da mit dem ganzen Streite die Religion gar Nichts zu schaffen hat,'die Angriffe nicht auf das Judenthum, sondern auf die Juden geschehen sind, wenn nicht eben die Ultramontanen so gern das Wort „katholisch" zu ihrem Deckmantel wählten, diese Düsseldorfer also anzeigen wollten, daß sie zu jenen gehören, welche den Ultramontanismus und die Socialdemokratie zu einem Bunde vereinigen wollen, oder bereits vereinigt haben. Die Entgegnung selbst ist rein kindisch. Sie spricht von „Mitleid, Unwissenheit, Unsinn" und anderen Beiwörtern, die im Munde eines Socialdemokraten noch äußerst gelinde Ausdrücke sind; sie widerlegt nicht einen einzigen Satz jener Correspondenz; nur den einen Vorwurf will sie ablehnen, daß die Socialisten Handel, Wissenschaft und Staatsverwaltung für „unproductive Arbeit" ausschreien. Den Handel giebt sie zu, von der Wissenschaft und Staatsverwaltung meint sie, „daß Niemand besser als die Socialisten die Segnungen wahrer Wissenschaft und einer vernünftigen Staatsverwaltung zu würdigen wissen." Solche Behauptung ist eine reine Verläugnung des Socialismus. Dieser hat sich zu oft als Todfeind der bestehenden Staatseinrichtungen bekannt, die völlige Umwälzung des Staates und der Gesellschaft gefordert, und als sein Ziel bezeichnet, daß alle Staatsgewalt in die Hände der Proletarier gelegt werde, um jetzt sich für einen Freund und Verehrer „einer vernünftigen Staatsverwaltung" ausgeben zu können. Ebenso ist es, bekannt, was diese Leute unter „wahrer Wissenschaft" verstehen. Sich hinter die Beiworte „wahr und vernünftig" zu verstecken, ist allerdings nicht blos socialiftisch, sondern auch ultramontan. Jndeß das Hauptgewicht legt die Entgegnung auf einige Citate aus Wageners Staatslexikon, dem Leben des Professors Kraus, und einer Auslassung Schopenhauers, in welchen den Juden alle wissenschaftlichen Talente und Leistungen abgesprochen werden. Nun, besäßen die Socialdemokralen noch etwas mehr Belesenheit, so hätten sie diese Citate leicht um einige Druckbogen.vermehren können. Herr Wagener von Dummerwitz ist durch seinen Judenhaß zu bekannt, und ein absprechendes llrtheil

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