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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-12-17 · Heft 51 (17.12.1872) · p. Seite 1012

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 51 (17.12.1872)
Date
1872-12-17
Page
Seite 1012 (sequence 10)
Language
German
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Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 29. November. (Privatm.) Am 1. Decewber um 11 Uhr Bormittag soll die Schlußsteinlegung zum israelitischen Blindeninstitute/ und zwar in der Einweihung des Betsaales und Einfügung des Schlußsteines, vor sich gehen. Der Vorstand des Institutes, Herr vr. Ludwig August Frankl, ladet hierzu ein, und hatte auch mit anderen Mitgliedern des Curatoriums die Ehre einer Audienz bei dem Kaiser, um diesen zu der Feier einzuladen. Se. Majestät versprach dies, wenn es ihr möglich wäre, und sprach huldvoll die Befriedigung aus, daß das Institut so schnell in's Werk gesetzt worden sei.*) Die einfach gehaltene Stiftungsurkunde, welche in den Schlußstein gelegt wird, giebt eine Geschichte des Instituts und das augenblickliche Vermögen, außer dem Grundstücke, folgendermaßen an: fl. 120,200 Papierrente; fl. 34,000 Silberrente; fl. 100 Tempelschuldverschreibung; 2 Stück Donauregulirungslose; Baarcassa fl. 6539. 19; Jahresbeiträge von 490 Mitgliedern fl. 5500. Wer sollte nicht wünschen, daß diese neue Zierde unsrer Gemeinde in stetem WachSthum verbleibe, und zur vollsten segensreichen Wirksamkeit gelange! — Der hiesige Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirenden hat seinen elften Jahresbericht veröffentlicht. In der bisherigen Weise hat er 173 Studirende unterstützt, und zwar 2 Rabbinatscandidaten, 2 Studirende der Philosophie, 136 der Medicin, 24 der Rechte und 9 Techniker. Man ersieht hieraus, welchen Fächern unsre Jugend sich vorzugsweise widmet, und daß der Rabbiner- und höhere Lehrerstand gegen die Medicin und die Rechte sehr schlecht wegkommen, da wohl Niemand voraussetzen wird, daß die Rabbiner- *) Wir danken dem verehrlichen Vorstände für seine Aufmerksamkeit, daß er auch uns eine Einladung hat zukommen lassen. Könnten wir auch derselben keine Folge leisten, so nehmen wir doch die Gelegenheit wahr,- auch unsrerseits die Anerkennung des großen Verdienstes auszusprechen, welches sich das Curatorium, und insbesondere Herr vr. Frankl, um die Herstellung dieser Anstalt erworben haben. Hier waren einmal Gedanke und That wie Eins — was freilich nur an einem Orte wie Wien ermöglicht werden konnte. Der Redatteur. und Lehramtscandidaten vorzugsweis eso gestellt sind, daß sie der Unterstützung nicht bedürfen. Die Einnahmen des Jahres waren 3494 fl., die außer einem Saldovortrag von 121 fl. und den Regiespesen von 133 fl. auf die Unterstützungen verwendet wurden. Recht reichlich flössen die außergewöhnlichen Spenden, so daß das Vereinsvermögen jetzt 10500 fl. beträgt. Aus Mähren, 25. Nov. (Privatm.) Die traurigen Verhältnisse der meisten alten mährischen Gemeinden, die durch die Freizügigkeit an Population bedeutend abnehmen, werden leider durch den immer mehr um sich greifenden Jndifferentismus der Art noch vermehrt, daß viele derselben fast der Auflösung entgegengehen. Vacante Rabbinate werden nicht besetzt, oder durch Persönlichkeiten ausgefüllt, von denen es heißt: Es freut uns daher mitzutheilen, daß die Gemeinde Lundenburg, die sich immer mehr vergrößert', sich endlich aufgerafft und einen Rabbiner, Herrn vr. S. Groß aus Bielitz, ausgenommen hat. Herr vr. Groß erfreut sich unter den jüngern Theologen aus dem breslauer Seminar des besten Rufes. Es ist eine falsche Ansicht, daß durch die Nichtanstellung eines Rabbiners das Budget der Gemeinden geschont wird. Im Gegentheil, ohne Rabbiner geht Alles in die Brüche, und der Eifer der Gemeindeglieder erkaltet gänzlich. Es will dann keiner ein Opfer bringen. Die Verwaltung des jüdischen Landesmassafonds, die einem von Gemeinden gewählten Curatorium übertragen ist, ruht in guten Händen und gedeiht immer mehr. Herr vr. Oppenheim, welcher das Secretariat der Gemeinde zu Brünn bekleidet, wurde nun kürzlich mit der Führung des Secretariats des jüdischen Massafonds von Seiten des Curatoriums betraut. Der Genannte erfreut sich in Brünn der allgemeinen Achtung, und man hofft, daß er auf die Führung des Massafonds ebenfalls günstig einwirken wird. Die brünner Gemeinde zählt bereits zu den Großgemeinden in Oestreich und nimmt immer mehr Aufschwung. Es wäre derselben nur mehr Sinn für Hebung der jüdischen Wissenschaft zu wünschen. Die Gemeinden Mährens haben sich dadurch, z. B. durch Haltung von iw«*», stets ausgezeichnet, wovon aber in Brünn, freilich einer Handels- und Industriestadt, keine Spur ist. Hierin hat also Brünn noch Vieles nachzuholen.

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