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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-12-17 · Heft 51 (17.12.1872) · p. Seite 1011

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 51 (17.12.1872)
Date
1872-12-17
Page
Seite 1011 (sequence 9)
Language
German
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von hier und aus weiter Ferne herbeigeeili, um an dieser herrlichen Feier cheilzunehmen. Als der Jubilar, von dem ganzen Feste Nichts ahnend, höchst überrascht eintrat, begrüßte ihn der Chor mit einem herrlichen Gesänge- Nachdem dieser verklungen, trat der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Elias Meyer, vor, begrüßte und beglückwünschte ihn in einer längeren trefflichen Rede, dankte ihm in herzlichen Worten für seine großen Verdienste um die Hebung des Gottesdienstes durch den Shnagogalgesang, und überreichte ihm als Ehrengeschenk Namens der Gemeinde einen prachtvoll ausgearbeiteten silbernen Pocal mit paffender Inschrift, welchen ihm dieselbe an seinem Ehrentage aus Dankbarkeit darbringe. Es folgte nun ein zweites, vom Chore mit Begeisterung vorgetragenes Lied, nach welchem ein Chormitglied, Herr B., vortrat, den Jubilar im Namen des Chors zu beglückwünschen; derselbe hob gleichfalls in längerer Rede die großen Verdienste hervor, die der Dirigent sich um den Chor erworben habe, betonte die Liebe und Anhänglichkeit aller Chormitglieder an ihren gefeierten Dirigenten, und überreichte ihm als Ehrengeschenk ein großes und prachtvolles Bildlauf welchem in künstlerischer Weise die Photographien sämmtlicher Chormitglieder, um ihren Dirigenten geschaart, zusammengestellt waren. Zwei Damen des Chors schmückten den Jubilar als« dann mit einem Lorbeerkranze, und ein. schönes Ständchen der städtischen Capelle schloß den ersten Theil des Festes in würdiger Weise ab. Am Samstag Morgen in der Synagoge gedachte der Rabbiner, Herr vr. Wolfssohn, in seiner Predigt , der Verdienste des Jubilars in herzlicher Weise, und statt des gewöhnlichen Chorals wurde ein von Herrn Concertmeister Winckelhaus eigens zu diesem Zwecke componirtes Lied gesungen. Der Samstag Abend vereinigte im großen bernhartschen Saale den größten Theil der Gemeindemitglieder zu einem, zu Ehren des Jubilars veranstalteten solennen Abendessen, welches, durch Trinksprüche, Lieder und sonstige Überraschungen gewürzt, in heiterster Stimmung verlief, und an das sich ein Festball anschloß, der die Festtheilnehmer bis spät in die Nacht fesselte. So endigte ein, in jeder Hinsicht als gelungen zu 'bezeichnendes Fest, welches uns Allen, besonders aber dem Jubilare, noch lange im Gedächtnisse bleiben wird. Obereassel bei Bonn, 22. November. Wenn die .kirchlichen Wirren und ultramontanen Agitationen gegenwärtig so grimmigen Lärm schlagen, so braucht man nicht zu glauben, daß dieselben in den Gesinnungen der Bevölkerung überall gleichen Platz greifen. Zum Beweise folgende Correspondenz der „K.Z.": „Nachdem vor einigen Wochen bei Abgang des evangelischen Pfarrers Herrn Schulzeberge die zahlreiche Betheiligung und der bei dem Abschiedsfeste waltende Geist von der Herzlichen Eintracht der hiesigen Einwohnerschaft gemischter Confession, und besonders auch von dem freundnachbarlichen Verhältnisse der Pfarrer beider christlichen Confessionen erfreuliches Zeugniß abgelegt hatte, gab der gestrige Tag Gelegenheit zu gleich erfreulicher Wahrnehmung in Betreff unserer israelitischen Mitbürger. Einem achtungswürdigen Jubelpaare, dem Metzger Herrn Lazarus Levi und Gattin, zusammen an 160 Jahre zählend, ward gestern die seltene Feier der goldenen Hochzeit zu Theil. Die große und sichtlich aufrichtige Theilnahme, und neben dem üblichen königlichen und anderen Hochzeitsgeschenken, ein solches von sehr praktischer Art, verdienen öffentlich berichtet zu werden. Nach Heimkehr von der Festfeier in der Synagoge zu Oberdollendorf, wobei der Bürgermeister Herr Schmitz aus Obercassel als glückwünschender Vertreter der Civilgemeinde und als Brautführer fungirte, findet das Jubelpaar sich mit einem stattlichen Ochsengespanne überrascht. Nachdem nach einem Fackelzuge der Beigeordnete Bleibtreu dem Jubelpaare die Glückwünsche der Nachbarn dargebracht hatte, beschloß festliches Abendessen und ein von dem Jubelpaare eröffneter Ball die überaus gemächliche Feier. Der Beigeordnete Bleibtreu brachte mit anerkennenden Worten das obengedachte Festangebinde als neuen Beweis Dessen zur Sprache, was Israeliten in solchen Fällen für einander übrig haben, und zugleich als neuen Beweis des hierorts so glücklich bestehenden freundlichen Verhältnisses sowohl zwischen den christlichen als mit der jüdischen Gemeinde. Zum Schluß brachte der katholische Pfarrer Herr vr. Brewer (ein neuer evangelischer ist noch nicht gewählt) dem ehrwürdigen Jubelpaare in warmen Worten unter Ueberreichung eines Hochzeitsgeschenkes seine Segenswünsche dar, und so endete nach noch manchen eingelaufenen Telegrammen, unter anderen auch vom ehemaligen evangelischen Pfarrer, ein Fest, dem, was die erfreuliche Eintracht der Confessionen betrifft, man recht viele ähnliche an die Seite wünschen möchte!" öl

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