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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-12-10 · Heft 50 (10.12.1872) · p. Seite 1001

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 50 (10.12.1872)
Date
1872-12-10
Page
Seite 1001 (sequence 19)
Language
German
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Magen seines verwaisten Volkes im väterlichen Erbbegräbnisse zu Modin beigesetzt. An seiner Statt von den jüdischen Patrioten zum Häuptling gewählt, konnte 2) sein Bruder Jonathan, gleichfalls von Simon berathen, ihre Sache Anfangs nur vertheidigungsweise führen, verschaffte sich jedolh mittelst kluger Benutzung syrischer Thronstreitigkeiten die Würde eines Hohenpriesters und Statthalters von Judäa, wurde aber vom syrischen Heerführer Tryphon, welcher die Vereitelung seiner Anschläge auf die Krone der Seleuciden durch Jonathans Treue gegen die königliche Familie befürchtete, sammt seinen zwei Söhnen (im I. 143) ermordet. Er wurde im Familiengrabe zu Modin beigesetzt, über welchem der allein noch überlebende Simon eine reichgeschmückte Gruft (s. unten) für Vater, Mutter, vier vorangegangene Brüder, und einstens auch für sich selbst, zum Gedächtniß errichten ließ (1 Mäkk. 13, 25 ff.). 3) Simon, schon unter seinen zwei Brüdern, wie gesagt, für der Juden Heil und Sieg mit Rath und Thal wirksam, war der volksbeglückendste unter allen Makkabäern. Klug setzte er durch Befestigung mehrerer Städte die Vertheidigungsanstalten fort, erweiterte die Landesgränze durch Eroberungen im Norden und im Westen, verdrängte die Syrer aus der lange von ihnen besetzten jerufalemer Burg Zion, sorgte für Gemeindeverwaltung und unparteiische Rechtspflege, für Anschaffung von Waffen- und Getreidevorräthen, für Gewerbe und^Belebung namentlich des Mittelmeerhandels, besonders durch Eroberung von Joppe (jetzt Jaffa), erneuerte das wichtige römische Bündniß, und wurde zum Danke für alle diese seine/Verdienste von Priestern und Volk zum Hohenpriester und Erbfürsten a'usgerufeN. Die Führung eines abermaligen Krieges gegen die Syrer über- - trug der greise Fürst seinen zwei Söhnen Judas und Johannes, welche den Feind in Der Ebene unterhalb Modin schlugen und bis an die Meeresküste verfolgten. Drei Jahre später wurde er nach achtjähriger Regierung (im I. 136) von seinem herrsch gierigen Schwiegersöhne Ptolemäus sammt Frau und zwei Söhnen ermordet. Nur Einer entkam dem Mörder. /" 4) Johannes Hyrkanus l. Dieser verständigte sich mit dem Seleuciden Äntiochus VH., welcher, mild und hochherzig, gegen den Vorschlag seiner Rathgeber, die menschenfeindlichen Juden religiös und politisch zu vernichten, ihnen vielmehr ihre hierarchische Verfaffung und Johannes als Oberhaupt ließ, auch ihr bevorstehendes Laubhüttenfest' durch Zusendung von Opfergaben ehrte. Johannes begleitete nun seinen syrischen Oberlehnsherrn auf dessen unglücklicher Heerfahrt gegen die Parther, — daher sein Beiname Hyrkanus —, von welcher nur er wiederkehren sollte. Noch bezwang er zwei alte Erbfeinde seines Volkes, die Samaritaner, deren Tempel auf dem Berge Garizim sammt ihrer Hauptstadt er zerstörte, und' die Ädumäer in Südpalästina , welche er zur Annahme der Beschneidung und anderer jüdischer Sitten nöthigte/ Von ihnen sollte später das jüdische Volk in der Familie deS Her ödes eine neue Dynastie erhalten. 5) Der älteste der fünf Söhne des Johannes Hyrkanus I., AristoLulus I., nahm zuerst unter den Makkabäern das königliche Diadem an, aber mit diesem auch Herrscherargwohn und Eifersucht gegen die Seinigen. Der Wendepunct des Heils der Makkabäerdynastie und ihres Volkes war eingetreten: Brudereintracht mtb. fromme Hingabe an die Sache der Religion und ihrer Verehrer, sieghaft in der größten Noch, hatte sie gehoben; Bruderzwietracht und selbstsüchtige Verweltlichungim Gefolge des größten Glückes sollte sie stürzen , , und sammt der Einmischung der politisch-religiösen Parteien der Pharisäer und Sadducäer, und dem Buhlen um auswärtige Hülfe, dem Untergänge rasch entgegenführen. Von 167—40, dem Jahre, wo ihr Erbe und Vertilger, der I d u m ä er Herodes, der sogenannte „Große", von den römischen Triumvirn Antonius und Octavianus die jüdische Königskrone erhielt, haben die Makkabäer an der Spitze des jüdischen Gemeinwesens gestanden. Schließen wir unsere Besprechung ihrer Thaten und Leiden während dieser Periode mit einem Scheideblick auf ihre Familiengruft zu Modin. Die Ueberbleibsel derselben sind in den letzten Jahren von drei europäischen Reisenden, einem Deutschen, dem zürcherischen Prediger Furrer, einem Engländer, Hepwort Dixon , und einem französischen Gelehrten, Guärin, aufgesucht worden, und .Letzterer hat Nachgrabungen daselbst veranstaltet. Diesen zufolge bestand die Gruft aus sieben Grabkammern mit sieben je auf dem Gewölbe eines Grabes in einer Linie stehenden Pyramiden. Zwischen den Trümmern benachbarter Arab.erhäuser befinden sich noch Stücke von Monolithensäulen, Reste des prächtigen Säulenganges, der einst die Vorderseite des Mausoleums geschmückt hat. Der Fußboden der Gräber ist mit kleinen, zum Theil noch zusammenhängenden Mosaikwürfeln belegt. In einer der Grabkammern haben sich menschliche Gebeine vorgefunden. Nachdem die sieben Gräber ihre Leichname erhalten hatten, sind gewiß auch noch andere .Todte als Verwandle der Makkabäer oder als Angesehene der Ortschaft Modin in Der Nähe der großen Gruft beigesetzt worden. Was endlich das'Verschwinden des Ueberbaues mit seinen Pyramiden betrifft, so bedenke man, daß solche Grabmäler, zumal so prachtvolle, wie die der Makkabäer, als eine Art von Schatzkammern jederzeit von Raublustigen angesehen wurden. Vermischtes. Confessionslose Eisenbahnen! In der letzten Nummer der „Danica" spricht Monsignore Jeran unverhohlen feinen Aerger darüber aus, daß man auf den Eisenbahn- I Höfen keine Heiligenstatuen finde. Es ist daher nicht zu

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